Ukrainer in Spanien: Für immer im Land bleiben

Ein staatliches Programm hilft ukrainischen Geflüchteten in Spanien bei der Integration. Mit dem „vorübergehenden Schutzstatus“ können sie arbeiten.
Foto: Quique Garcia/epa
„Ich bin Spanien zu Dank verpflichtet“, sagt Anastasiia. Die 39-jährige Frau, die ihren Nachnamen nicht gedruckt sehen will, kam kurz nach Kriegsbeginn 2022 aus Saporischschja in der Südost-Ukraine mit ihrer damals 12-jährigen Tochter nach Spanien. „Wir waren insgesamt drei Frauen, mit drei Töchtern“, sagt sie. Das Motiv: „Angst vor den russischen Soldaten. Man weiß ja, was die mit Frauen machen“, erklärt sie.
„Eine von uns hatte Bekannte in Spanien“, erklärt sie, warum sie ausgerechnet das südeuropäische Land ausgesucht hat. Bereut habe sie es nie. Nach ersten Monaten im südlichen Malaga kam sie nach Cullera an der Mittelmeerküste in der Nähe von Valencia. Ein Jahr verbrachte sie insgesamt in einem Programm für Flüchtlinge, das vom Staat bezahlt und von der NGO Spanischer Flüchtlingsrat (CEAR) umgesetzt wurde. Wohnung, Verpflegung, Unterricht, alles war bezahlt. „Ohne dieses Programm wäre ich nicht, wo ich bin“, sagt sie in perfektem Spanisch, Ergebnis einer intensiven Sprachausbildung.
Heute arbeitet die Frau, die einst in der Ukraine einen Onlinehandel für Unterwäsche und Sportbekleidung hatte, als Sekretärin in einem Autohandel. Der Besitzer ist ebenfalls Flüchtling aus der Ukraine. Alleine in der Region Valencia gebe es – so Anastasiia – rund 200 Unternehmen von Ukrainern – von Lebensmittelgeschäften über Beauty-Salons und Cafeterias sei alles dabei. „Ich verdiene gut und bin sehr dankbar für all die Chancen, die mir Spanien bot“, lobt sie die Aufnahme einmal mehr. Ihre Tochter hat dieses Jahr das spanische Abitur gemacht, als Klassenbeste.
Krieg in der Ukraine
Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.
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„Vorübergehender Schutz“
Spanien hat – so das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) – seit 2022 knapp 270.000 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hat den in der EU für solche Fälle vorgesehenen „vorübergehenden Schutz“ beantragt und erhalten. Der Zustrom reißt nicht ab. Allein 2025 wurden in Spanien 30.628 neue positive Entscheidungen über vorübergehenden Schutz für Menschen aus der Ukraine getroffen. Darüber hinaus wurden laut Angaben des Asyl- und Flüchtlingsamtes im spanischen Innenministerium 144 Anträge auf Asyl registriert.
„Nicht allen geht es wie mir“, weiß Anastasiia. Alles stehe und falle mit der Sprache. Und viele ihrer Landleute hätten diese nicht ordentlich gelernt. Sie hatten auf ein schnelles Kriegende und baldige Heimkehrmöglichkeit gehofft, etwas, was auf sich warten lässt. Einigen derer, die nicht des Spanischen mächtig sind, hilft Anastasiia in ihrer Freizeit beim Stellen von Anträgen, bei Behördengängen und Arztbesuchen.
Anderthalb Jahre Integrationsprogramm
18 Monate dauert das Programm, das viele von ihnen, wie auch Anastasiia, durchlaufen haben, maximal. Danach dann geht es hinaus ins spanische Leben. „Ohne ordentliche Sprachkenntnisse bleiben nur schlecht bezahlte Jobs“, weiß Anastasia aus ihren Beratungen von Landsleuten. Von denen gibt es in der Tourismusindustrie genügend.
Aber das Leben ist dann hart, denn Wohnungen sind teuer und die Lebenshaltungskosten sind in den letzten Jahren unaufhaltsam gestiegen, nicht zuletzt wegen der Kriege in der Ukraine und in Iran. Und wer keinen Job findet, muss eine Art Sozialhilfe beantragen, die mit weniger als 800 Euro im Monat sehr knapp bemessen ist.
Unterstützung durch Familienangehörige in Spanien
Andere Ukrainer waren gar nicht erst in diesem Programm. Sie konnten auf Unterstützung von Familienangehörigen zurückgreifen, die schon in Spanien lebten. So unterhält etwa Nataliya Chaban aus Kyjiw ihre Mutter und anfänglich auch ihre Schwester, die jetzt wieder Arbeit in ihrem Beruf als Psychologin gefunden hat.
Chaban lebt seit 2001 in Spanien, studierte hier Jura und ist Anwältin. „Ich helfe, wo ich kann“, sagt sie. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung sei kein Problem, da sie dank des „vorübergehenden Schutzes“ problemlos genehmigt werden. „Allerdings muss diese jedes Jahr verlängert werden“, sagt Chaban. Und da beginnt das Problem. Es ist schwierig, einen Behördentermin zu bekommen, da der Andrang groß ist.
Spanische Staatsangehörigkeit nach zehn Jahren
Seit Neuestem können Ukrainer jetzt auch eine normale Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis beantragen. „Diese ist dann fünf Jahre gültig. Dabei helfe ich“, sagt Chaban. „Wer nach fünf einjährigen Genehmigungen jetzt eine fünfjährige erhält, hat dann, sobald diese abläuft, die zehn Jahre zusammen, um die spanische Staatsangehörigkeit zu beantragen“, weiß Anwältin Chaban.
Je länger der Krieg dauert, um so mehr Flüchtlinge überlegen sich zu bleiben. Auch Anastasiia glaubt, dass sie nicht wieder in ihre Heimat zurückgeht. „Meine Wohnung, meine Stadt – alles ist völlig zerstört und hier habe ich mir ein gutes Leben aufgebaut“, erklärt sie. Und zeigt sich einmal mehr dankbar dafür.
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