«Die Berliner Luft ist schlechter – der Unterschied ist so krass»

- Die Schweizer Fussballerinnen Leela Egli und Lia Kamber spielen gemeinsam beim 1. FC Union Berlin in der deutschen Frauen-Bundesliga.
- Egli wechselte diesen Sommer zu Union Berlin – mitbeeinflusst von ihrer langjährigen Freundin Kamber, die bereits beim Club war.
- 20 Minuten hat die beiden in Berlin zu einem grossen Exklusiv-Interview getroffen.
Leela Egli, Sie sind seit diesem Sommer beim 1. FC Union Berlin. Wie haben Sie sich eingelebt?
Egli: Super. Es ist natürlich eine neue Stadt, ein neuer Verein und neue Leute. Aber sie haben es mir einfach gemacht, und ich bin ziemlich schnell angekommen.
Lia Kamber, Sie sind schon etwas länger bei Union. Wie erleben Sie die Entwicklung des Clubs?
Kamber: Sie haben grosse Ziele, aber man merkt auch, dass der Verein nicht nur Dinge sagt, sondern auch Dinge macht. Es ist unglaublich, was Union neben dem Platz alles für uns tut, auch jetzt mit dem neuen Trainingszentrum für beide Profiteams. Der FCU gibt uns viel, und wir können ihm viel zurückgeben. Ich bin einfach mega froh, in so einem Club spielen zu können und mit ihm zusammenzuwachsen.
Trainerin bei Union ist Marie-Louise Eta. Sie trainierte Ende letzter Saison auch die Union-Männer. Ein Novum in der 1. Bundesliga. Wie erleben Sie sie?
Egli: Ich glaube, wir alle wissen, dass sie eine grosse Trainerin ist und viel Popularität mitbringt. Das war auch ein Grund, warum ich hierher gekommen bin. Man merkt im Training und auch sonst im Umfeld die Professionalität, die sie mitbringt. Dadurch ist die Qualität des Trainings sehr hoch, und sie erwartet auch viel von uns.
Sie spielen im Stadion An der Alten Försterei. Wie war es für Sie beide das erste Mal, vor dieser Kulisse zu spielen?
Kamber: Es war unglaublich. Von aussen hat man schon immer mitbekommen und gehört, wie unglaublich es dort sein soll, mit den Fernsehbildern und allem. Aber als ich es selbst erlebt habe, war es wirklich ein Wow-Moment. Ich war und bin wirklich begeistert. Es ist eine unglaubliche Stimmung und Unterstützung, die wir bei jedem Spiel bekommen.
Egli: Es ist total verrückt, wenn plötzlich 17’000 Leute im Stadion sind – die Atmosphäre ist sowieso immer grossartig. Das ist wirklich, wie Lia gesagt hat, ein Wow-Moment. Die Hühnerhaut ist in den ersten 15 Minuten während des Spiels nicht weggegangen. Das gibt nochmals einen Push und mehr Energie für das ganze Spiel.
Wie würden Sie Ihre Freundschaft beschreiben?
Egli: Wir kennen uns, seit wir ungefähr zwölf sind. Wir haben alle U-Nationalmannschaften zusammen durchgemacht und haben jetzt sogar noch einen Abschnitt unserer Karriere im gleichen Verein. Das ist schon verrückt.
Ich glaube, als wir zwölf waren, hätten wir nie gedacht, dass wir einmal zusammen in der Bundesliga spielen und dann auch noch beim gleichen Verein landen würden. Das zeigt einfach, welche Freundschaften der Fussball mit sich bringt.
Lia ist gefühlt wie eine Schwester für mich. Auch wenn wir nicht immer zusammengespielt haben, ist es einfach voll schön. Immer wenn wir uns in der Nati gesehen haben, war es, als würden wir uns jeden Tag sehen, obwohl wir uns teilweise seit Monaten nicht mehr gesehen hatten. Es ist schön zu sehen, dass das auch bleiben kann.
Hat es bei Ihrem Union-Transfer auch eine Rolle gespielt, dass Lia bereits bei Union war?
Egli: Absolut. Zu wissen, dass meine beste Kollegin hier ist, hat sicher geholfen (lacht).
Mussten Sie sie sehr überzeugen?
Kamber: Nein, es war immer alles sehr ungezwungen, ich musste gar nicht viel sagen. Ich habe es aber auch erst spät erfahren (lacht). Aber ja, wir kennen uns schon seit Ewigkeiten. Wir unterstützen uns gegenseitig, wir haben es einfach immer mega gut. Es ist einfach richtig schön, den Weg zu sehen, den wir beide machen. Es sind verschiedene Wege, aber wir haben doch wieder zum gleichen Verein gefunden. Das ist mega cool.
Berlin ist riesig, Köpenick liegt eher ausserhalb. Sind Sie eher Stadt- oder Naturmenschen?
Kamber: Also ich Stadt (lacht).
Egli: Sie lacht, weil ich sehr auf dem Land aufgewachsen bin (lacht). Ich finde das Land zwar sehr schön, aber ich habe auch die Liebe zur Stadt gefunden, schon damals, als ich in Zürich gelebt habe. Ich bin froh, dass ich nicht direkt in der Stadt lebe, weil mir das zu viel wäre. Es ist schön, dass ich noch etwas Grün im Leben habe.
Sie verbringen viel Zeit im Leistungszentrum, mit Training, Analyse und Physio. Wie schalten Sie ab, wenn Sie frei haben?
Kamber: Es zieht sich schon ziemlich durch den Tag. Training, Körperaktivierung, Krafttraining, Essen, Analyse und Physio: Es gibt einige Dinge. Wenn wir einmal einen freien Nachmittag oder einen freien Tag haben, machen wir eigentlich alles Mögliche. Wir gehen etwa in die Stadt, Kaffee oder Matcha trinken. Wir haben auch angefangen zu lesen! Und sonst ist Yatzy hoch im Kurs.
Wer ist besser?
Egli: Ich!
Kamber: Was!?
Egli: Nein, nein. Sie ist besser – das war ein Reflex. (lacht)
Gibt es etwas, das Sie besonders an der Schweiz vermissen?
Egli: Dort, wo ich herkomme, hat es sehr viele Berge rundherum. Das gibt es hier halt nicht. Ich weiss auch nicht, ob ich hier irgendwo schon einmal Berge gesehen habe. Und ich muss sagen: Die Luft ist schlechter. Das ist halt die Grossstadt. Trotzdem hätte ich nicht gedacht, dass der Unterschied so krass ist.
Kamber: Ich finde die Schweiz cool, aber ich finde es auch cool, wenn ein paar Dinge in der Schweiz sind und ein paar Dinge hier. Wenn ich wieder in der Schweiz bin, sehe ich auch wieder neue Dinge. Das erste Mal, als ich nach längerer Zeit wieder in die Schweiz zurückkam, nach dem Wechsel von Basel, sass ich im Zug und schaute hinaus. Ich dachte einfach: Wow, diese Landschaften sind richtig schön. Das hatte ich vorher gar nicht so wahrgenommen. Durch den Wechsel und die Distanz sieht man das wieder anders.
Schauen wir noch auf die Nati. Leela, Sie sind nicht im 23er-Kader der Nati. Wie gehen Sie damit um?
Egli: Es wäre ein bisschen blöd, wenn ich einfach abschalten und sagen würde: «Ja, scheisse.» Klar ist es eine Enttäuschung. Wir wollen immer dabei sein, weil es eine Ehre ist, für das Land zu spielen. Ich habe die WM im Blick und will unbedingt dabei sein. Aber schlussendlich bin ich jeden Tag bei meinem Verein, arbeite jeden Tag und muss mich hier auf mich konzentrieren. Wenn ich hier meine Leistungen bringe, wird man mich sehen. Darum muss ich Geduld haben.
Die möglichen Playoff-Gegnerinnen auf dem Weg zur WM hätten auf dem Papier schwieriger sein können. Wie sehen Sie das?
Kamber: Auf dem Papier hätte es sicher schwieriger sein können. Trotzdem muss jedes Spiel zuerst gespielt werden. Jedes gegnerische Team kann etwas, sonst wäre es nicht dort, wo es ist. Wir müssen uns aber auf uns konzentrieren und unser Bestes geben. Dann kommt es gut.
Apropos Nati: Lia, werden Sie in der Nati wegen des Vornamens manchmal mit Lia (Wälti, d. Red.) verwechselt?
Kamber: Es ist ein bisschen verwirrend, vor allem wenn wir zusammen im Mittelfeld spielen. Man weiss manchmal nicht genau, wer gemeint ist. Die meisten nennen mich sowieso einfach Kamber.
Schweizer Programm WM-Qualifikation
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredaktor und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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