Merz nennt Schröders Besuch bei Putin "unmoralisch"
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei Russlands Staatschef Wladimir Putin scharf verurteilt. Merz sei "zutiefst empört" über das Treffen, sagte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Der Kanzler empfinde es "als geradezu unmoralisch", dass Schröder gemeinsam mit Putin dessen Geburtstag gefeiert habe.
"Putin allein" sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich. Seine Befehle sorgten täglich für "unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete", erklärte Meyer. Russland habe derzeit erkennbar kein Interesse daran, den Krieg zu beenden und ernsthaft zu verhandeln.

Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium teilten mit, sie seien vorab nicht über Schröders Reise informiert worden. Auch die deutsche Botschaft in Moskau habe keine Unterstützung geleistet.
Harsche Kritik von allen Seiten
"Scham ist kaum noch ein Ausdruck", schrieb die Generalsekretärin der konservativen Regierungspartei CDU, Franziska Hoppermann, auf der Plattform X. Mit den Worten "Schampus, Kaviar und Bomben" verwies sie darauf, dass während der Feier in Moskau ukrainische Kinder durch russische Angriffe ums Leben gekommen seien.

Russland hatte die Ukraine am Mittwoch, dem Tag von Putins 74. Geburtstag, mit Raketen und Kampfdrohnen angegriffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten. Er bezeichnete den Angriff als "Geburtstagsgeschenk für Putin".
Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb auf X: "Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden."
"Eine Schande sondergleichen"
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der liberalen FDP, bezeichnete Schröder als "Deutschlands frechsten Rentner". "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."

Hintergrund ist Schröders Fernbleiben von einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern. Der Altkanzler hatte 2025 mehrere Zeugenaussagen wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt. Der Ausschuss beschäftigte sich unter anderem mit dem Bau der Erdgasleitung Nord Stream 2.
Auch die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, verurteilte den Besuch. Gegenüber dem Berliner "Tagesspiegel" bezeichnete sie Schröders Verhalten als "rückgratlos".
SPD-Politiker Stegner verteidigt Schröder
Eine andere Einschätzung kommt aus Schröders eigener Partei. Der Außenpolitiker der sozialdemokratischen SPD, Ralf Stegner, verteidigte den Besuch und verwies auf die Kontakte des Altkanzlers zum russischen Präsidenten.
"Schröder kann Türen zu Putin öffnen", sagte Stegner dem "Tagesspiegel". Der Altkanzler gehöre zu den wenigen Menschen in Deutschland, die noch direkten Zugang zu Putin hätten.

"Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg", erklärte Stegner. Er sei überzeugt, dass Schröder den russischen Präsidenten nicht zur Fortsetzung des Krieges ermutigt habe.
Gegenüber dem Nachrichtenportal "t-online" betonte Stegner zudem: "Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist."
SPD-Chef Lars Klingbeil kritisierte den Putin-Besuch hingegen als "völlig inakzeptabel". Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er: "Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht."
Bereits im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler im Krieg gegen die Ukraine ins Gespräch gebracht. Die Bundesregierung hatte darauf mit Skepsis reagiert.
Putin lud seinen "alten Freund" ein
Nach Angaben des Kremls war Schröder ursprünglich geschäftlich nach Moskau gereist. Putin habe aus den Medien von dessen Anwesenheit erfahren. "Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein", erklärte der Kreml auf Telegram.

Zuvor hatte Schröder eine Filiale der russischen Supermarktkette Hyperglobus besucht und vor Mitarbeitern gesprochen. Russische Medien hatten berichtet, dass der 82-Jährige in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden sei. Die Kette gehörte früher zum deutschen Globus-Konzern.
Langjährige Verbindungen nach Russland
Der frühere SPD-Kanzler, der Deutschland von 1998 bis 2005 regierte, ist seit vielen Jahren mit Putin befreundet. Auch nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 traf er den Kremlchef mehrfach.
Besonders umstritten ist Schröders Engagement für russische Energiekonzerne. Nach seiner Kanzlerschaft übernahm er mehrere gut bezahlte Positionen, darunter den Vorsitz des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom.
Die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb. Nach Beginn der russischen Invasion 2022 stoppte die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) das Genehmigungsverfahren.
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