Neues Buch von Christoph Kramer: Irgendwas mit Liebe und Fußball

Fußballweltmeister Christoph Kramer hat wieder einen Roman geschrieben. Die Werbung dafür wird man in den nächsten Wochen nicht übersehen können.
C hristoph Kramer geht es gut. Und er weiß, dass es ihm gut geht. Denn er wurde immer gewollt. Das sei ein Privileg, so schreibt er es in seinem neuen Roman „Wolkenberührpunkt“. Ja, der Fußballweltmeister vom 2014 hat wieder ein Buch geschrieben. Und nein, man muss es ganz bestimmt nicht lesen. Wer sich für Christoph Kramer interessiert, der erfährt immerhin, wie es sich für den Kicker angefühlt hat, als er seinen Auflösungsvertrag mit Borussia Mönchengladbach unterschrieben hat. Auch wenn er vielleicht noch gerne ein wenig länger in der Bundesliga gekickt hätte, geht es ihm gut nach seinem Karriereende.
Er hat Zeit, Bücher zu schreiben. Allzu oft ist ja kein großes Turnier, wo er als Experte arbeiten muss und mit seinem freundlichen Gesicht stets noch ein wenig heller in die Kameras strahlt als seine blütenweißen Sneaker – da kann das Spiel, das er zu bewerten hat, noch so mies gewesen sein.
Er hatte auch Zeit, sich nach dem Erscheinen seines Erstlings „Das Leben fing im Sommer an“ in eine Buchhandlung zu setzen und zu warten, bis der erste Kunde sein Buch kauft. Das platzierte er noch schön vor die Treppe, damit man es nur ja nicht übersehen konnte. Dabei wäre das ganz bestimmt nicht nötig gewesen. Sein Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte die großen Buchhandlungen seinerzeit mit jeder Menge Marketingmaterial versorgt. Auch der Werbung für das neue Buch wird man nicht aus dem Weg kommen können.
Im Herbstkatalog sind die Werbemaßnahmen für dieses „Spitzentitel Marketing“ aufgelistet: Eine „groß angelegte mehrstufige Digitalkampagne“ wird es geben mit einer „breiten Social-Media-Aussteuerung“ und einer „reichweitenstarken Banner-Kampagne“. Und der Verlag verspricht eine „starke Autoren- und Medienpräsenz“. Und dann gibt es noch ein ganz besonderes Schmankerl für die Buchhändler. „Chris Kramer kommt in Ihre Buchhandlung! Gewinnen Sie einen von drei Einsätzen, bei denen der Autor persönlich im Verkauf mitwirkt.“
Kramer zu gewinnen
Vielleicht lernt Kramer ja bei einem seiner Einsätze als Verkäufer wieder jemanden kennen, der ihm seine Lebensgeschichte erzählt, die er dann zu einem Roman verarbeiten kann. So soll es ja der Rahmenhandlung seines Zweitlings zufolge gewesen sein. Der Typ, ein Literaturstudent (!), der seinen Roman als erster kauft und auch noch mit Münzen bezahlt, was den Millionär Kramer besonders interessiert, erzählt seine Jugendgeschichte als mal mehr, mal weniger geliebter Adoptivsohn.
Eine verbotene Liebe mit dem Nachbarsmädel gibt es da, von der sich erst ganz am Schluss herausstellt, dass sie doch nicht verboten gewesen wäre. Eine verbotene Fahrt mit der Vespa des Vaters, eine riesige Diddl-Maus vom Büchsenwurfstand am Jahrmarkt, einen Freund, der nichts sagt und später Opernsänger wird, einen anderen Freund, der aus dem Nichts eine Schreinerei aufbaut und diese wunderbare Stimmung in Deutschland nach dem 7:1 der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2014 gegen Gastgeber Brasilien. Ganz ohne Fußball geht es dann eben doch nicht bei Christoph Kramer.
Kramer will ja seine Fans bei Laune halten. Die haben sich in seinem ersten Roman an der Geschichte des Bauernbuben erfreut, der es nicht leicht hat mit seiner ersten Liebe und dann doch Weltmeister wird. Viele von ihnen sind im DFB- oder Gladbachtrikot zu den Lesungen gekommen, um sich Buch und Tuch vom Weltmeister signieren zu lassen.
Sollten sie es bis zum Ende des neuen Kramers schaffen, dürfen sie sich an der bescheidenen Weisheit erfreuen, die der Autor seiner Kundschaft mit auf den Weg gibt: „Wir gucken immer auf Dinge, die wir nicht haben (…) Leider vergessen wir dabei, was wir selbst haben.“ Kramer weiß, dass er sehr viel hat. Es geht ihm gut.
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