KI-Rechenzentrum für 18 Milliarden: Oracle will Mietstundung bei Verspätung
Oracle will sich laut US-Berichten vor einer Verzögerung eines umstrittenen, riesigen Rechenzentrumsbaus in den USA absichern und eine Stundung von Mietzahlungen dafür erreichen. Den Berichten nach hat der Datenbankspezialist eine Mitteilung an seinen Partner, den Projektentwickler Blue Owl Capital, versendet, dass man im Fall einer verspäteten Bereitstellung des Rechenzentrums „force majeure“ geltend machen wolle, also höhere Gewalt. Das Projekt soll ursprünglich 2028 fertiggestellt sein mit Oracle als Mieter.
Das Rechenzentrumsvorhaben ist Teil der Stargate-Initiative, mit der Partner wie Oracle, OpenAI und Softbank rund 500 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastrukturausbau pumpen wollen. Es soll den Berichten nach auf einer Fläche von rund 570 Hektar (1400 acres) errichtet werden und eine Leistungsaufnahme von 2,45 Gigawatt erreichen. Allerdings leidet das Bauvorhaben mit dem Namen „Project Jupiter“ unter erheblichen Problemen. Unter anderem wurde laut einem Bericht von Bloomberg die Genehmigung für die Verlegung einer Gaspipeline zur Stromversorgung mehrfach verweigert, so dass sich der Pipelinebau sechs Monate verzögert. Reuters zufolge gibt es auch Rechtsstreits wegen Genehmigungen bei der Luft- und Wasserqualität.
Partner sind sich „voll und ganz einig“
Sich auf höhere Gewalt zu berufen, um aus Vertragsverpflichtungen zu kommen, ist bei Fällen außerhalb der Kontrolle üblich, etwa bei Naturkatastrophen. Sowohl Oracle als Blue Owl bemühten sich in Stellungnahmen, den Ball flach zu halten. „Mitteilungen über höhere Gewalt sind bei Projekten dieser Größenordnung gang und gäbe und dienen oft dazu, vertragliche Rechte zu wahren“, zitiert Bloomberg einen Sprecher von Oracle. „Sie begründen für sich genommen weder eine Projektverzögerung noch ändern sie die Erwartungen hinsichtlich der Lieferung.“
Auch Blue Owl erklärte laut Bloomberg, dass sich an den finanziellen Verpflichtungen der Partner durch die Mitteilung nichts ändere. Die Parteien seien sich hinsichtlich des Project Jupiter weiterhin „voll und ganz einig“.
Wie Bloomberg unter Berufung auf einen Insider schreibt, könnte Oracle eine dreijährige Stundung der Miete ab Beginn der Zahlungen erreichen, sofern sich beide Seiten auf einen Fall höherer Gewalt einigen. Letztlich müsste Oracle aber zahlen.
Milliardenschulden, die keiner will?
Laut Financial Times wird das Jupiterprojekt unter anderem durch ein Konsortialdarlehen in Höhe von 18 Milliarden US-Dollar finanziert. Das Geld kommt von rund 20 Banken unter der Führung von BNP Paribas und Goldman Sachs. Dem Bericht nach haben die Banken bereits erfolglos versucht, das Kreditpaket an eine breitere Gruppe institutioneller Investoren abzustoßen. Unter anderem habe es Zweifel hinsichtlich der Bonität Oracles gegeben. Die mit dem Projekt verbundenen Kredite stehen laut FT unter Druck und werden von den Banken mit Abschlägen notiert – zu weniger als 90 Cent pro Dollar. Oracle musste auch bereits eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit hinnehmen.
Der Vorgang wirft damit auch ein Schlaglicht auf die Finanzierung des vor allem von den Hyperscalern entfesselten Ausbaubooms für KI-Infrastruktur. Das Geld stammt nämlich zunehmend aus Schulden statt aus dem Cashflow der Unternehmen. Schätzungen zufolge sind an den US-Anleihemärkten inzwischen rund 15 Prozent der neu begebenen Schuldtitel mit Investment-Grade-Bewertung für KI-Infrastrukturprojekte gedacht, im Bereich der riskanteren Hochzinsanleihen sogar um die 40 Prozent. Das Gesamtvolumen der KI‑bezogenen Anleiheemissionen schätzen Marktbeobachter allein für 2026 auf 300 bis 570 Milliarden US-Dollar.
Anleger verlangen höheren Zins
Hinzu kommt, dass wachsende Inflation, steigende Renditen der US-Staatsanleihen sowie zunehmende Vorsicht an den Märkten ein immer höheres Zinsniveau erfordern, um Investoren für die KI-Schuldtitel zu finden. So finanziert laut Berichten etwa Softbank Investitionen in OpenAI in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar mit Schulden – und muss für die Papiere zwischen 8 bis 10 Prozent Zins bieten.
So ein Zins muss dann natürlich auch erwirtschaftet werden. Wenn aber Rechenzentren durch Verzögerungen nicht in Betrieb gehen oder – wie im Fall von Oracle – ein Abnahmepartner seine Verpflichtungen einschränken will, könnten sich Investoren fragen: Wie tragfähig sind diese Schulden überhaupt?
Zum einem großen Beben im KI-Ökosystem hat der Vorgang bislang nicht geführt, die Aktienkurse von Oracle und Blue Owl gaben nur leicht nach. Aber das Interesse der Investoren an KI-Infrastruktur-Schulden könnte nach Nachrichten wie dieser durchaus weiter abkühlen. Laut einer Reuters‑Auswertung von Marktdaten der Londoner Börse handelten bereits Ende Juli 2026 78 von 91 untersuchten, im laufenden Jahr begebenen Anleihen von Amazon, Alphabet, Meta und Oracle zu höheren Renditen als bei ihrer Emission – was im Regelfall gesunkene Kurse bedeutet.
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