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Thursday, October 8, 2026

Artensterben schreitet voran: Fischen im Meer geht es besser, Fischen in Flüssen schlecht

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Tierbestände weltweit schrumpfen drastisch. Ein WWF-Bericht kurz vor der UN-Artenschutzkonferenz in Jerewan zeigt aber auch Erfolge für die Natur.

Heike Holdinghausen

Naturschutz wirkt: Viele Fischbestände in den Ozeanen haben sich in den vergangenen Jahren erholt. „Fischereiwirtschaftliche Maßnahmen führen zur Erholung der Fischbestände“, sagt Stefan Ziegler, Bereichsleiter Asien des WWF bei der Vorstellung des „Living Planet Index“ der Umweltorganisation. Negative Ausnahmen blieben Arten wie Haie und Rochen, die nur jeweils wenige Nachkommen hätten und deren Bestände sich dadurch nur langsamer regenerieren könnten.

Den Index zum Zustand der Artenvielfalt stellt der WWF alle zwei Jahre zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft London vor, immer vor der großen UN-Naturschutzkonferenz. Der Living Planet Index zeigt auch diesmal, wie dringlich die Verhandlungen der Biodiversitäts-COP sind, die Mitte Oktober in Armeniens Hauptstadt Jerewan stattfinden. Mit Ausnahme der in Meeren lebenden Fische geht es den meisten anderen untersuchten Wirbeltierarten nämlich weniger gut.

Der Index bildet den Zustand von fast 36.000 Beständen von 5.800 Arten von Säugetieren, Amphibien, Fischen und Vögeln ab – Insekten, Schnecken, Spinnen oder Pflanzen werden nicht erfasst. Gezählt wird seit 1970, von Wissenschaftler:innen, Naturschutzbehörden, Naturliebhabern. Obwohl Vergleiche mit vorherigen Datensätzen schwierig sind – manchmal werden neue Bestände gezählt, andere fallen weg – lässt sich doch ein globaler Trend ablesen. „Alle beobachteten Populationen sind im Niedergang“, sagt Ziegler.

Die Bestände von Säugetieren, Reptilien und Vögeln, die an Land leben, sind danach seit 1970 um 69 Prozent zurückgegangen. Auch die Bestände derjenigen, die im Meer leben, sanken um 59 Prozent – aber hier gibt es eine wie beschrieben leichte Erholungstendenz. Die Zahl der Tiere, die im Süßwasser leben, sank sogar um 85 Prozent. Die Ursachen sind vielfältig: So sind laut WWF global zwischen 1990 und 2020 weltweit 420 Millionen Hektar Wald verloren gegangen, maßgeblich um landwirtschaftliche Nutzflächen zu schaffen. Das entspricht fast der Fläche der Europäischen Union. Außerdem wurden Flüsse eingedämmt und kanalisiert, verschmutzt und ihnen viel Wasser entnommen.

Es gibt mehr Tiger und mehr Elefanten

Den größten Artenschwund verzeichnen Lateinamerika und Afrika, den geringsten Nordamerika und Europa. „Allerdings wurde die Natur dort schon vor 1970 degradiert und vernichtet, deswegen messen wir keinen starken Rückgang mehr“, sagt Ziegler. In Lateinamerika setze den Wirbeltieren massiv zu, dass Urwald in Grasland umgewandelt werde, um Weide- oder Ackerflächen zu erhalten.

In Afrika leiden vor allem die vielen Buntbarsch-Arten der großen Seen unter Überfischung und invasiven Arten. Etwa ist die Zahl der Buntbarsche im Malawisee in den vergangenen vier Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Insgesamt verzeichnen die untersuchten Bestände an Wirbeltieren seit 1970 einen Rückgang von 73 Prozent.

In Einzelfällen gibt es auch positive Nachrichten: Neben den Fischen in den Ozeanen steigt etwa in Asien die Zahl der Asiatischen Elefanten, der Tiger und der Panzernashörner wieder an. In Vietnam erholen sich die Bestände von Kragenbären und Fasanen. Hier wirkten Schutzgebiete und der Schutz vor Wilderern.

Auch die Bestände von Afrikanischen Savannenelefanten im südlichen Afrika sind stabil. Hier hat sich der Bestand seit 1995 nahezu auf 330.000 Tiere verdoppelt. „Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, dass den Handel mit Elfenbein verbietet, wirkt“, sagt Ziegler, „die lokale Bevölkerung wird in den Schutz eingebunden, und der Safari-Tourismus führt zu der Erkenntnis, dass ein lebender Elefant wertvoller ist als ein toter.“ Allerdings gebe es inzwischen auch wieder mehr Konflikte zwischen Menschen und Elefanten.

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