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Tuesday, October 6, 2026

Minion-Router Kevin & Bob: Deshalb sollten Sie die Finger davon lassen

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In sozialen Netzwerken machen erneut Bilder zweier WLAN-Router die Runde, die so gar nicht nach Netzwerktechnik aussehen: Die Geräte stecken in gelben Gehäusen im Stil der Minions, der bekannten Figuren aus den Animationsfilmen von Illumination Entertainment, angefangen mit „Ich – Einfach unverbesserlich“. Passend dazu tragen die Router die Namen Kevin und Bob. Viele Interessierte möchten die Router nun haben – sei es als Blickfang im Wohnzimmer oder als vermeintlich günstiger Router-Ersatz für das bestehende Gerät.

Wir hatten die Gelegenheit, beide Modelle in Augenschein zu nehmen. Der Blick zeigt: Die Hardware ist für den ursprünglichen Preis ordentlich, doch Software, Sicherheit und Verfügbarkeit sprechen deutlich gegen einen Kauf.

Bekannte Sicherheitslücken, seit Jahren ausbleibende Firmware-Updates und die fehlende Unterstützung des in Europa verbreiteten Einwahlprotokolls Point-to-Point Protocol over Ethernet (PPPoE) machen die Geräte für hiesige Anschlüsse zur schlechten Wahl. Der Hype um die Router mag zwar gerade erst wieder entfacht sein, vorgestellt hat sie der Hersteller Davolink allerdings schon Anfang 2024. Bloß für den europäischen Markt waren die Modelle eigentlich nie vorgesehen. Im Folgenden erklären wir, was in Kevin und Bob steckt und wo die Probleme liegen.

Auf den ersten Blick machen beide Geräte nicht nur äußerlich, sondern auch bei den technischen Daten einen guten Eindruck. Kevin ist das größere der beiden Modelle und funkt per Wi-Fi 6 in drei Frequenzbändern: Neben den klassischen WLAN-Bereichen bei 2,4 und 5 GHz nutzt er auch das 6-GHz-Band – diese Erweiterung des Standards firmiert unter der Bezeichnung Wi-Fi 6E. Auf 5 und 6 GHz arbeitet Kevin mit bis zu 160 MHz Kanalbreite. Zusammen mit zwei MIMO-Datenströmen (Multiple Input, Multiple Output) ergibt das eine Bruttodatenrate von bis zu 2,4 Gbit/s pro Band.

Wie bei allen WLAN-Angaben handelt es sich dabei um einen theoretischen Maximalwert. Im Alltag schmälern Wände, Entfernung, Protokoll-Overhead und konkurrierende Funknetze in der Nachbarschaft die tatsächlich erreichbare Datenrate erheblich. Weil im 6-GHz-Band bislang wenig los ist, stehen die Chancen dort aber vergleichsweise gut, in die Nähe des Maximalwerts zu kommen: Je weniger Netze im Umfeld funken, desto seltener müssen sich die Geräte den Kanal teilen. Allerdings dämpfen Wände und Decken höhere Frequenzen stärker als niedrige, sodass das 6-GHz-Band seine Stärken vor allem auf kürzerer Distanz ausspielt.

Bei den kabelgebundenen Anschlüssen zeigt sich Kevin spartanisch. Er besitzt genau zwei Ethernet-Ports: einen WAN-Port mit 2,5 Gbit/s für die Verbindung zum Internetzugang und einen LAN-Port mit 1 Gbit/s für das Heimnetz. Der Router integriert kein eigenes Modem; es ist also zwingend ein vorgeschaltetes Gerät am Glasfaser-, DSL- oder Kabelanschluss notwendig.

Wer mehrere Geräte per Kabel anbinden will, etwa einen PC, eine Spielkonsole und ein NAS, benötigt bei der Ausstattung einen Switch mit zusätzlichen Anschlüssen. USB-Ports für Drucker oder Speichermedien fehlen komplett.

Bob ist ähnlich aufgebaut, aber eine Klasse kleiner. Er funkt nur auf 2,4 sowie 5 GHz und nutzt maximal 80 MHz Kanalbreite. Damit ist er ein typischer AX1800-Router (1,8 Gbit/s Gesamtdatenrate): Auf 2,4 GHz sind theoretisch rund 570 Mbit/s möglich, auf 5 GHz 1200 Mbit/s. Für die Verkabelung stehen zwei Gigabit-Ports bereit, einer für WAN und einer für LAN. Darüber hinaus hat Bob keine nennenswerten Besonderheiten.

Kevin ist ein AXE5400-Router (5,4 Gbit/s Gesamtdatenrate) mit Qualcomm-Chip. Er unterstützt Wi-Fi 6 auf 2,4, 5 und 6 GHz und funkt in den oberen Bändern mit bis zu 160 MHz Kanalbreite. Pro Band ergibt das 2,4 Gbit/s Datenrate; auf 2,4 GHz sind 570 Mbit/s möglich.

(Bild: Anna-Lena Köhler / heise medien)

Arbeits- und Flash-Speicher sind bei beiden Geräten großzügig genug bemessen, um auch für künftige Firmware-Versionen auszureichen – sofern es solche gäbe, doch dazu später mehr. Der kleine Bob hat 128 MByte Flash-Speicher und 256 MByte RAM; Kevin kommt ebenfalls auf 128 MByte Flash, aber doppelt so viel RAM. Im Inneren von Bob arbeitet ein Prozessor von Realtek, Kevin nutzt einen etwas leistungsfähigeren Qualcomm-Chip.

Vor dem Hype kostete Kevin rund 70 US-Dollar, Bob etwa 33 US-Dollar. Vor rund zwei Jahren lagen beide noch bei 130 beziehungsweise 70 US-Dollar. Wir mutmaßen, dass der nordamerikanische Amazon-Händler mit Rabatten versuchte, sich von dem Ladenhüter zu befreien – was ihm offensichtlich gelang. Für die 30 beziehungsweise 70 US-Dollar liefern beide Router tatsächlich vergleichsweise gute Hardware. Doch gute Hardware allein macht noch keinen guten Router.

Hersteller der beiden gelben Router ist das südkoreanische Unternehmen Davolink. Die Firma fertigt eigentlich Router für Internetprovider sowie WLAN-Access-Points für Geschäftskunden. Sie übernimmt damit eine ähnliche Rolle wie etwa Arcadyan, das unter anderem die Speedport-Router der Deutschen Telekom produziert. Mit den Minion-Routern versuchte Davolink vor rund zwei Jahren erstmals, auf dem Privatkundenmarkt Fuß zu fassen – mit offizieller Lizenz von Universal Studios, zu dessen Konzern Illumination Entertainment gehört.

Die Hardwareausstattung beider Geräte entspricht dem, was auf dem nordamerikanischen und vielen asiatischen Märkten üblich ist. Dort stellen Provider ihren Kunden häufig ein separates Modem für den Glasfaser- oder Kabelanschluss bereit, an das die Kunden ihren eigenen Router per Ethernet anschließen. In Deutschland nutzen dagegen viele Haushalte Router mit integriertem Modem, die direkt an die DSL-, Glasfaser oder Kabelbuchse angeschlossen werden. Kevin und Bob haben kein solches Modem eingebaut und lassen sich deshalb nicht direkt mit einem DSL- oder Kabelanschluss verbinden.

Bob ist ein typischer AX1800-Router. Er arbeitet auf 2,4 und 5 GHz und liefert bis zu 1,8 Gbit/s aus. Die Kabel-Ports sind allerdings nur Gigabit-Ethernet.

(Bild: Anna-Lena Köher / heise medien)

Gravierender ist eine weitere Einschränkung: Die Router unterstützen das Einwahlprotokoll PPPoE (Point-to-Point Protocol over Ethernet) nicht. Darüber melden sich Router bei vielen europäischen Anbietern mit Zugangsdaten am Netz des Providers an. Das ist auch bei Glasfaseranschlüssen der Fall, bei denen ein separates Glasfasermodem (ONT) zum Einsatz kommt. Wer Kevin oder Bob an einem solchen Anschluss betreiben möchte, braucht also immer einen weiteren Router davor, der die Einwahl übernimmt. Damit verliert der Minion-Router seine eigentliche Funktion und taugt bestenfalls noch als WLAN-Zugangspunkt.

Auch abseits dieser grundsätzlichen Probleme überzeugt die Software nicht. Der YouTube-Kanal Linus Tech Tips hat die Geräte bereits vor zwei Jahren getestet und sie als eher mittelmäßig eingestuft: Die Bedienoberflächen fielen wenig ansprechend und fehlerbehaftet aus. Zudem schienen die Antennen für die höheren Frequenzbänder eher nach oben als zur Seite abzustrahlen. In einer typischen Wohnung, in der Endgeräte meist auf ähnlicher Höhe wie der Router stehen, ist das eine ungünstige Charakteristik.

Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem: Die Router sind hierzulande kaum zu bekommen. Davolink hat sie von vornherein nur in Nordamerika und Südkorea verkauft. Die Voraussetzungen für den Import in die Europäische Union erfüllen sie nicht. Funkgeräte, zu denen auch WLAN-Router zählen, müssen in der EU die Anforderungen der Funkanlagenrichtlinie (Radio Equipment Directive) erfüllen und eine CE-Kennzeichnung tragen. Dabei geht es nicht nur um Formalitäten, sondern auch um die genutzten Frequenzen und Sendeleistungen: Im 6-GHz-Band etwa ist in den USA ein deutlich größerer Frequenzbereich für WLAN freigegeben als in der EU. Hierzulande steht nur der Abschnitt zwischen 5945 und 6425 MHz zur Verfügung. Geräte, die für andere Märkte ausgelegt sind, können hier Frequenzen belegen, die anderen Funkdiensten vorbehalten sind. Wer einen solchen Router privat importiert, riskiert, dass der Zoll die Sendung zurückhält, und darf ihn im Zweifel nicht in Betrieb nehmen.

Das schwerwiegendste Argument gegen die Minion-Router betrifft die Sicherheit. Der Sicherheitsforscher Larry Pesce hat die Firmware der Geräte bereits 2024 untersucht und dabei mehrere Sicherheitslücken gefunden. Das wiegt bei einem Router besonders schwer: Er bildet die Grenze zwischen dem Heimnetz und dem Internet und ist damit das am stärksten exponierte Gerät im Haushalt. Gelingt es Angreifern, den Router zu übernehmen, können sie unter Umständen den Datenverkehr mitlesen oder umleiten, Geräte im Heimnetz angreifen oder den Router in ein Botnetz einbinden. Ein Gerät mit bekannten Schwachstellen sollte deshalb keinesfalls diese Brückenfunktion übernehmen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Davolink die Lücken offenbar nicht geschlossen hat. Bereits zum Zeitpunkt der Untersuchung gab es keine Updates für die Geräte und auch heute finden sich keine Hinweise darauf, dass sich der Hersteller noch um die Minion-Router kümmert. Auf der Website des Herstellers konnten wir keine Firmware-Updates entdecken. Lediglich PDFs der Bedienungsanleitungen sind dort verfügbar und die wurden seit 2023 nicht mehr verändert. Alles deutet darauf hin, dass Davolink den Geräten keine weitere Aufmerksamkeit schenkt.

Kevin hat einen 2,5-Gigabit-Ethernet-Anschluss für die Internetverbindung (WAN) und Gigabit-Ethernet fürs Heimnetzwerk.

(Bild: Anna-Lena Köher / heise medien)

Ein Ausweg wäre eine alternative Firmware. Das offene Router-Betriebssystem OpenWrt etwa ermöglicht es bei vielen Geräten, auch nach dem Ende des Herstellersupports aktuelle Software mit geschlossenen Sicherheitslücken zu nutzen. Für Kevin und Bob ist eine solche Unterstützung jedoch nicht in Sicht. Ein Mitglied der Hannoverschen Freifunk-Community, das uns die Geräte geliehen hat, hat sich zwar daran versucht, OpenWrt auf Kevin lauffähig zu machen – offiziell unterstützt wird der Router aber nicht. Angesichts dieser Ausgangslage haben wir auf weitere Tests verzichtet.

Unsere Empfehlung fällt daher eindeutig aus: Auch wenn das Minion-Gehäuse zweifellos seinen Reiz hat, lohnt sich der Kauf nicht. Das gilt umso mehr, weil die Preise auf dem Gebrauchtmarkt durch den Hype deutlich über 70 US-Dollar liegen. Wir fanden teils Angebote für über 300 US-Dollar, zuzüglich Versand und Zoll. Für das Geld kann man sich problemlos einen sicheren, europäischen Router und eine Menge Minion-Merch kaufen.

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