Wer soll das bezahlen?: "Trump-Dividende" prallt auf Mauer offener Fragen

Wer soll das bezahlen?"Trump-Dividende" prallt auf Mauer offener Fragen
17.09.2026, 18:42 Uhr
Von Lukas Märkle

Die Republikaner gehen mit wenig verheißungsvollen Aussichten in die heiße Phase des Wahlkampfs für die Midterms im November. Mit einem teuren Versprechen an die Wähler greift Donald Trump ein. Sogar in seiner eigenen Partei wird Kritik laut.
Zwei Monate vor der Wahl packt der US-Präsident eine 5000-Dollar-schwere Karotte aus und hält sie den von steigenden Lebenshaltungskosten geplagten Wählern vor die Nase. Donald Trump hat bei seiner Wahlkampf-Show in Dallas eine "Trump-Dividende" versprochen. Aber nur, falls die Republikaner bei den Midterms im Repräsentantenhaus und Senat ihre Mehrheit halten können. Ein finanzieller Wahlanreiz der selbst in den eigenen Reihen auf erhebliche Vorbehalte stößt.
Während einzelne Vertreter darin eine wünschenswerte Entlastung sehen, kreisen die meisten Äußerungen um einen anderen Aspekt: die Kosten.
"Wenn man Dividenden ausschüttet, macht man meistens Gewinn. Ich vermute, dass sie vielleicht einfach das Minuszeichen vergessen haben. Wenn man jährlich zwei Billionen Dollar verliert, wäre das wohl eine Dividende von minus 5000 Dollar", witzelte Rand Paul, republikanischer Senator aus Kentucky.
Weitere Senatoren schlugen in diese Kerbe: Woher soll das Geld kommen? Was bedeutet das für die bereits enorme Staatsverschuldung von über 40 Billionen Dollar? Und in welcher Form soll die Dividende eigentlich ausgezahlt werden? Vorab informiert wurden die Senatoren über die Idee offenbar nicht.
Trumps Geldregen könnte über eine Billion Dollar kosten
Bei rund 245 Millionen erwachsenen US-Staatsbürgern würde der Vorschlag Kosten von rund 1,2 Billionen Dollar verursachen - zusätzlich zu einem Bundeshaushalt, der bereits ein jährliches Defizit von rund 1,8 Billionen Dollar aufweist.
Trumps Regierung betont, dass für die "Trump Dividende" keine Steuermittel verwendet werden sollen. Stattdessen verspricht sie, dass diese dank Zolleinnahmen, neuer privater Investitionen in Billionenhöhe und der Reduzierung staatlicher Verschwendung möglich sei - ohne dafür gleichzeitig einen konkreten Plan vorzulegen.
All das sorgt bei den finanzpolitisch konservativen Republikanern für Bedenken. "Ich mache mir tatsächlich Sorgen wegen unserer Schulden in Höhe von 40 Billionen Dollar, und so etwas würde die Staatsverschuldung noch weiter erhöhen", so Senator Steve Daines aus Montana.
Ein weiterer Einwand betrifft die Inflation. Senatoren der Trump-Partei fürchten, dass eine Finanzspritze in dieser Größenordnung die Nachfrage kurzfristig deutlich erhöhen und damit auch die Inflation anheizen könnte. "Wir haben beobachtet, wie sich der 'Inflation Reduction Act' und die tatsächlich ausgezahlten Gelder auf die Inflation im ganzen Land ausgewirkt haben", sagte Senator James Lankford aus Oklahoma mit Blick auf die Folgen des Biden-Gesetzes von 2022. "Das hatte negative Auswirkungen, wenn man Geld einfach so verschleudert."
Wähler nicht begeistert von Wirtschaftslage
Das Zahlungsversprechen an die US-Bürger ist die Antwort Trumps auf das mit Abstand häufigst genannte Thema unter den Bürgern mit Blick auf die Wahl: die wirtschaftliche Lage. Die Midterms Anfang November sind auch eine Abstimmung über die ökonomische Politik des Präsidenten. In einer Umfrage der Siena University für die "New York Times" nennen die Befragten die Wirtschaftslage als wichtigsten Grund für ihre Wahlentscheidung.
Die bisherigen Errungenschaften des US-Präsidenten überzeugen selbst seine eigenen Anhänger nicht. Nur 29 Prozent der republikanischen Befragten halten die Wirtschaftslage für besser als vor einem Jahr. Im Januar hatten dies noch 72 Prozent erklärt. Parteiübergreifend sehen mehr als die Hälfte der Befragten eine Verschlechterung.
Trumps Dividenden-Versprechen an die Wähler ist keine komplett neue Idee. Im vergangenen Jahr zahlte die US-Regierung bereits eine "Krieger-Dividende" in Höhe von 1776 Dollar unter anderem an aktive Soldaten aus. Diese wurde jedoch aus bereits vom Kongress bewilligten Geldern finanziert.
Kurz nach Amtsantritt hatte er mit einer von Elon Musk befürworteten "DOGE-Dividende" geliebäugelt. "Ich liebe die Idee", so der Republikaner damals. 20 Prozent des Geldes, welches bei den Regierungsausgaben gekürzt worden wäre, sollte an die US-Bürger zurückfließen. Doch DOGE wurde nach wenigen Monaten faktisch wieder abgewickelt, der Dividenden-Plan verschwand.
Im vergangenen Jahr lief es ähnlich. Eine aus Zolleinnahmen finanzierte Zahlung von mindestens 2000 Dollar pro Person kam nicht über das Vorschlagsstadium hinaus. Dabei tragen gerade auch die von Trumps Regierung erhobenen Zölle - neben den Folgen des Iran-Kriegs - zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten bei.
Der neuen Trump-Dividende könnte dasselbe Schicksal als Papiertiger blühen. Denn eine republikanische Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses ist offenbar nicht sehr wahrscheinlich.
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