Iran-Krieg: Wie die Golfstaaten US-Präsident Trump sehen
Trump und die Golfstaaten Von Euphorie zu Enttäuschung
Stand: 10.09.2026 • 17:43 Uhr
Anfangs gab es viel Sympathie und große Deals. Doch inzwischen ist die Trump-Euphorie am Golf vorbei. Die arabischen Partner fühlen sich von den USA im Iran-Krieg alleingelassen - und ziehen ihre Lehren daraus.
Wie wurde er hofiert, der damals "neue" US-Präsident Donald Trump, als er im vergangenen Jahr seine erste offizielle Auslandsreise ausgerechnet den Golfstaaten widmete. Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate - überall war Trump ein gern gesehener Gast, sonnte sich im arabischen Pomp und Prunk der Paläste, ließ sich von Katar ein Flugzeug schenken und verkündete überall "wunderschöne Deals".
"Ihr kauft viele verschiedene Dinge und ich schätze das sehr. Ihr sagt, ihr investiert 600 Milliarden, aber wie ich euch kenne, werden es eine Billion", sagte Trump. Und später fügte er noch hinzu:
Ich werde niemals zögern, amerikanische Macht einzusetzen, wenn es notwendig ist, um unseren Verbündeten bei der Verteidigung zu helfen. Und es wird keine Gnade für irgendeinen Feind geben, der versucht, uns oder ihnen Schaden zuzufügen.
US-Präsident Donald Trump
Plötzlich unter iranischem Beschuss
Leere Versprechen? Der saudische Kronprinz dankte mit strahlendem Lächeln, der neue Regierungsflieger aus Katar wurde geliefert - doch mittlerweile ist die Trump-Euphorie am Golf vorbei. Denn die gegenseitigen Sympathiebekundungen haben nichts geholfen, als die reichen Staaten der arabischen Halbinsel plötzlich unter iranischem Beschuss standen - infolge des von Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu angezettelten Krieges gegen Iran.
Die Länder fühlten sich im Raketen- und Drohnenhagel von den USA allein gelassen - und das, obwohl die USA zahlreiche Militärstützpunkte am Golf hielten, sagt Ahmed Sayyed Ahmed vom Al-Ahram-Forschungsinstitut in Kairo.
US-Stützpunkte wurden zur Belastung
"Trump und die USA haben die Golfstaaten nicht in der Form verteidigt, wie es erforderlich gewesen wäre", sagt Ahmed Sayyed Ahmed. Die US-Stützpunkte, die eigentlich die Golfstaaten vor iranischen Angriffen schützen sollten, seien zur strategischen Belastung geworden. "Es wurde von den Golfstaaten sogar verlangt, dass sie die Stützpunkte schützen sollten, indem sie die iranischen Drohnen und Raketen abwehren."
Die Konsequenz für die Golfstaaten - als Lehre aus den vergangenen Monaten: Selbstverteidigung.
Internationale Streitkräfte in der Region zu haben und eine strategische Allianz mit den USA, das sei richtig, aber es reiche nicht aus, sagt der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Majed al Ansari: "Eigenständigkeit beim Thema Sicherheit ist der einzige Weg. Ja, wir brauchen unsere Partner, aber wir können uns bei der Sicherheit nicht allein auf sie verlassen."
Setzen auf strategische Autonomie
Und der wichtigste außenpolitische Berater der Emirate, Anwar Gargash, fügt hinzu: "Wenn wir uns vollständig auf andere verlassen, können wir nicht davon ausgehen, dass dies deren Priorität sein wird. Deshalb ist strategische Autonomie wichtig."
Strategische Autonomie - nicht umsonst gründete Saudi-Arabien zusammen mit der Türkei und Pakistan den sogenannten Mekka-Verteidigungspakt - ein Bündnis, das gegenseitigen militärischen Beistand zusichert.
Weiterhin Interesse an Geschäften
Denn die bittere Erkenntnis in den arabischen Staaten ist, "dass Amerika seine Verbündeten in Zeiten von Not und Krisen stets im Stich lässt und dass der amerikanische Sicherheitsschirm nicht seine Erwartungen erfüllt hat", sagt Experte Ahmed Sayyed Ahmed.
Frustrierende Realität nach dem anfänglichen Prunk und Pomp für Trump? Vielleicht. Aber Verbündete und Partner bleiben die Golfstaaten und die USA dennoch - denn an einem haben beide Seiten weiterhin großes Interesse: gegenseitig Geschäfte zu machen - auch im militärischen Bereich.
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