Sudan: Klimawandel und Drohnenangriffe verschärfen humanitäre Krise
Im Sudan haben sich die Kämpfe zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und der paramilitärischen Miliz Rapid Support Forces (RSF) in Nord-Kordofan und Teilen des Bundesstaates Blauer Nil verschärft. Tausende Menschen mussten fliehen, zu einer Zeit, in der die Bauern ihre Felder bestellen.
Seit Ausbruch des Krieges im April 2023 kämpfen die Armee und die RSF mit ihren jeweils verbündeten Milizen um die Macht im Land. Doch keine der beiden Konfliktparteien konnte bislang die Kontrolle über den gesamten Sudan erlangen.
Die reguläre sudanesische Armee kontrolliert den Norden und das Zentrum des Landes einschließlich der Hauptstadt Khartum. Die RSF sind vor allem in der westlichen Region Darfur und Teilen des Südens präsent.
Der Krieg hat im Sudan eine der schwersten humanitären Krisen weltweit ausgelöst. Darauf weisen die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen hin. Schätzungen zufolge wurden zwischen 40.000 und 250.000 Menschen getötet. Wie viele Menschen tatsächlich ums Leben gekommen sind, lässt sich angesichts der anhaltenden Kämpfe kaum feststellen. Mehr als 12,4 Millionen Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Sie suchen innerhalb des Sudans oder in den Nachbarländern Schutz.
Versorgungslage ist dramatisch
In dieser Woche warnte die Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger erneut vor der dramatischen Versorgungslage.
"24,6 Millionen Menschen sind von schwerer akuter Ernährungsunsicherheit betroffen", sagte Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer der deutschen Sektion der Hilfsorganisation, der DW.
Nach Angaben von Friedrich-Rust leiden 2026 schätzungsweise 825.000 Kinder unter fünf Jahren an schwerer akuter Mangelernährung. Insgesamt seien vermutlich 4,2 Millionen Kinder sowie schwangere und stillende Frauen akut mangelernährt.
Auch das internationale Frühwarnsystem für Ernährungskrisen FEWS NET (Famine Early Warning Systems Network) warnte im Oktober vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Das Netzwerk beobachtet die Ernährungssicherheit und bewertet sie anhand der international anerkannten IPC-Skala. Demnach droht in mehreren Gebieten, darunter auch in Lagern für Binnenvertriebene in den Großregionen Darfur und Kordofan, die höchste Stufe akuter Ernährungsunsicherheit. Die sogenannte IPC-Stufe 5 steht für eine katastrophale Ernährungslage.
"Die Lage im Sudan verschlechtert sich weiter, und der Bedarf an humanitärer Hilfe wächst, während gleichzeitig immer weniger Mittel zur Verfügung stehen", sagte Fabrizia Falcione, Sudan-Vertreterin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA). Die UN-Organisation setzt sich unter anderem für sexuelle und reproduktive Gesundheit ein.

"Ich habe vor Kurzem das Vertriebenenlager Tawila besucht und finde noch immer kaum Worte für das, was ich dort gesehen habe", sagte Falcione der DW. "Stellen Sie sich vor, mehr Menschen als in Frankfurt am Main werden innerhalb von weniger als drei Jahren gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und an einem einzigen Ort Zuflucht zu suchen."
Mehr als 700.000 Menschen seien dort auf ein einziges Krankenhaus angewiesen, in dem Kaiserschnitte durchgeführt werden können, erklärte Falcione.
Obwohl Hilfsorganisationen immer wieder vor der sich verschärfenden Notlage warnen, fehlt es weiterhin an Geld. Der humanitäre Hilfsplan für 2026 sieht 2,9 Milliarden US-Dollar (2,59 Milliarden Euro) vor. Bislang haben internationale Geber jedoch nur 1,2 Milliarden Dollar (1,07 Milliarden Euro) bereitgestellt. Damit ist der Hilfsplan erst zu 41 Prozent finanziert.
Extreme Wetterbedingungen verschärfen die Krise im Sudan
Neben dem Krieg machen auch extreme Wetterbedingungen den Menschen im Sudan zu schaffen. Das UN-Nothilfebüro OCHA warnte kürzlich, dass große Hitze und schwere Überschwemmungen die ohnehin dramatische humanitäre Lage weiter verschärfen.
"In diesem Jahr hat eine massive Hitzewelle in einigen Regionen zu Stromausfällen von bis zu zwölf Stunden am Tag geführt", sagte die Sudan-Expertin Hager Ali vom German Institute for Global and Area Studies (GIGA) der DW. "Flussbetten und ausgetrocknete Felder sind kahl. Hinzu kommen die Schäden durch die Kämpfe, die Taktik der verbrannten Erde der RSF und die Umweltzerstörung."
Während etwa die Hälfte des Landes unter Dürre leidet, haben heftige Regenfälle und örtliche Überschwemmungen die Lage in anderen Regionen weiter verschlimmert. "Als wäre das nicht schon genug, gibt es auch einen massiven Mangel an Düngemitteln und Diesel", sagte Ali der DW.
Der Sudan ist auf die Einfuhr von Düngemitteln und Diesel aus der Golfregion angewiesen. Die Lieferungen kommen auf dem Seeweg durch die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab. Doch durch den Krieg mit dem Iran sind diese wichtigen Handelsrouten zunehmend beeinträchtigt. Der schränkt den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus massiv ein. Zugleich haben die mit Teheran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab bedroht und den Schiffsverkehr dort zeitweise gestört.
"Die Versorgung mit Düngemitteln ist 2026 von 450.000 Tonnen auf nur noch etwa 50.000 Tonnen eingebrochen", sagte Ali. Auch Diesel sei knapp und erheblich teurer geworden. Das verschärfe die Krise gleich in zweifacher Hinsicht.
"Landwirtschaftliche Maschinen brauchen Diesel, und der Transport von Hilfsgütern und landwirtschaftlichen Erzeugnissen innerhalb des Landes wird deutlich teurer", erklärte Ali.

Wie stark die Preise inzwischen gestiegen sind, zeigt auch eine Warnung des Internationalen Forschungsinstituts für Ernährungspolitik (IFPRI) vom Oktober. Demnach verteuerten sich Grundnahrungsmittel und Treibstoff im Sudan im September 2026 erheblich.
Wenig Hoffnung auf ein Ende des Krieges
Beobachter weisen seit Langem darauf hin, dass der Krieg im Sudan kaum enden wird, solange ausländische Staaten die Konfliktparteien weiter mit Waffen versorgen. Die sudanesische Armee wird offiziell von Ägypten, der Türkei, Russland und dem Iran unterstützt. Die Vereinigten Arabischen Emirate gelten als mutmaßlich wichtigster Unterstützer der RSF. Abu Dhabi bestreitet die Vorwürfe.
Dennoch hat der UN-Sicherheitsrat im Oktober lediglich das bestehende Waffenembargo für die Darfur-Region bis zum 11. Dezember verlängert. Forderungen, das Embargo auf den gesamten Sudan auszuweiten, wurden fallengelassen.
"Eine Ausweitung des UN-Embargos auf den gesamten Sudan hätte insbesondere auch Drohnen eingeschlossen", sagte Hager Ali. Sie verwies darauf, dass der Sudan zu den Ländern gehört, in denen Drohnen besonders intensiv im Krieg eingesetzt werden. Im Jahr 2026 seien Drohnenangriffe die häufigste Ursache für zivile Opfer im Land.
Ali erklärte im Gespräch mit der DW außerdem, dass sich der ständige Vertreter des Sudans bei den Vereinten Nationen, Al-Harith Idriss al-Harith Mohamed, gegen eine Verlängerung des Embargos ausgesprochen habe. Er befürchte, dass dadurch vor allem die sudanesische Armee auf dem Schlachtfeld benachteiligt würde.
"Ein Waffenembargo würde potenzielle Unterstützer davon abhalten, mit den sudanesischen Streitkräften zusammenzuarbeiten. Die Rapid Support Forces hingegen beschaffen sich ihre Waffen nicht unbedingt über offizielle Wege", sagte Ali.
"Die RSF sind auf den Schmuggelhandel mit anderen Milizen, privaten Militärdienstleistern und Händlern in der Region angewiesen", erklärte sie. Weil die Miliz ihre Waffen und andere Ausrüstung aus zahlreichen unterschiedlichen Quellen beziehe, sei es schwierig, ihre Versorgung mit einem einzigen Embargo gezielt zu unterbinden.
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