Souveränität: Wildberger fördert marktreife Tech-Produkte und sichere KI
Das Überführen von Spitzenforschung in marktfähige Anwendungen gilt als eine der größten Herausforderungen des deutschen Innovationsstandorts. Zwar bringen hiesige Universitäten, Forschungseinrichtungen und Gründerteams regelmäßig wissenschaftliche Durchbrüche und Prototypen hervor. Doch der Schritt zum kommerziell erfolgreichen Produkt scheitert häufig an fehlendem Risikokapital, Hürden bei der Skalierung oder unzureichenden Marktzugängen. Um dem entgegenzuwirken und kritische Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern abzubauen, setzt das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) auf eine doppelgleisige Offensive für mehr digitale Souveränität.
So hat das BMDS am Donnerstag die Förderrichtlinie „Digital-Tech-to-Product – Entwicklung souveräner und marktorientierter Innovationen in digitalen Technologien“ veröffentlicht. Das Programm richtet sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups als Treiber digitaler Erneuerung.
Mit finanziellen Zuwendungen von bis zu 5 Millionen Euro pro Vorhaben werden produktorientierte Projekte unterstützt, um die Hürden zwischen einem nachgewiesenen Funktionsmuster und der vorkommerziellen Marktreife zu überwinden. Technisch entspricht dies der Überbrückung der Spanne vom Machbarkeitsnachweis bis zum Erreichen eines qualifizierten Systems in seiner Einsatzumgebung.
Nachfrage stärker beachten
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) hebt hervor, dass Deutschland seine Stärke in der Forschung konsequenter in marktfähige Innovationen übersetzen müsse. Im Zentrum stehe ein Wechsel im Förderansatz: Statt reiner Technologieförderung setze das Ministerium stärker auf die Nachfrage des Marktes: Gefördert würden Vorhaben, die von Beginn an ein klar definiertes Problem aus Wirtschaft oder Gesellschaft adressierten und ein schlüssiges Geschäftsmodell mitbrächten.
Im ersten Förderaufruf, für den Interessierte bis zum 11. Oktober Projektskizzen einreichen können, stehen Künstliche Intelligenz, Datenökosysteme, Cybersicherheit sowie Cloud und Edge Computing im Fokus. Als Projektträger fungiert die TÜV Rheinland Forschungs- und Innovationsmanagement GmbH.
Internationale KI-Allianz mit Kanada
Parallel treibt das BMDS die internationale Kooperation im Bereich vertrauenswürdiger Schlüsseltechnologien voran. Auf der Konferenz „All in“ in Montréal kündigte Wildberger mit seinem kanadischen Amtskollegen Evan Solomon eine gemeinsame Investition in die Non-Profit-Organisation LawZero an. Beide Regierungen beabsichtigen, die Initiative mit insgesamt 300 Millionen kanadischen Dollar zu unterstützen. Deutschland steuert dabei rund 100 Millionen Euro bei. Die deutsche Förderung steht noch unter dem Vorbehalt der Notifizierung durch die EU-Kommission.
Unter der wissenschaftlichen Leitung des KI-Pioniers Yoshua Bengio entwickelt LawZero mit der Methodik „Scientist AI“ eine neuartige Form fortschrittlicher KI, die auf das Prinzip „Sicherheit durch Design“ setzt. Anders als gängige Spitzenmodelle, die auf autonome Zielverfolgung ausgelegt sind und daher oft aus Testumgebungen ausbrechen, arbeitet Scientist AI rein evidenzbasiert, transparent und ohne eigene Agenda. Kanada will mit den Mitteln 360 Arbeitsplätze sowie eine Recheninfrastruktur aufbauen. Die deutschen Gelder sollen zielgerichtet in den Aufbau eines neuen deutschen LawZero-Standorts fließen. Damit wollen die Partner sicherstellen, dass gemeinsame Werte und Regularien von Beginn an in die Entwicklung einfließen.
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