US-Satiriker macht Druck im Cornell-Vergewaltigungsfall
Der Satiriker und Drehbuchautor Toby Morton, der mehrere Folgen der Animationsserie "South Park" schrieb, hat eine Website veröffentlicht, die sich mit einem mutmaßlichen Fall sexueller Gewalt an der Cornell University befasst. Auf der Seite werden die Namen von sieben Studenten einer Studentenverbindung veröffentlicht, denen vorgeworfen wird, im Jahr 2024 eine 20-jährige Frau sexuell missbraucht zu haben. Den Vorwürfen zufolge soll die Frau nach der Verabreichung von Alkohol und Drogen bewusstlos gewesen sein. Die Website sammelt zudem Fotos und persönliche Informationen über die beschuldigten Männer.
"Ich habe Nachrichten erhalten, die mich darauf hinweisen, dass ich kein Journalist bin, sondern nur ein Satiriker“, schrieb Toby Morton am 27. September auf Instagram über seine Website TheCornell7.org. "Das stimmt, aber genau das macht mich umso gefährlicher“, ergänzte er, denn er habe niemanden, der ihm sagt, dass er "zu weit gegangen" sei.
Der Fall hat zuletzt verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nachdem die Klägerin, die zum Schutz ihrer Identität als "Jane Doe" bezeichnet wird, Mitte September Klage eingereicht hatte. Darin wirft sie sieben Mitgliedern der Studentenverbindung "Chi Phi" vor, sie im Jahr 2024 auf dem Campus der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York sexuell missbraucht zu haben. Nach ihren Angaben sei sie zuvor unter Druck gesetzt worden, Ketamin zu konsumieren, Marihuana zu rauchen und Alkohol zu trinken. Die mutmaßlichen Übergriffe sollen erfolgt sein, während sie bewusstlos gewesen sei. Zudem wirft die Klägerin der Universität vor, sie nicht ausreichend geschützt zu haben. Zwar leitete Cornell nach dem Vorfall eine interne Untersuchung ein, strafrechtliche Anklagen wurden jedoch gegen niemanden erhoben.

Cornell-Fall wird neu aufgerollt
Seit Einreichung der Klage am 16. September hat der Fall in den sozialen Medien eine breite Debatte ausgelöst. Während einige Nutzende Kritik an der Cornell University und der Staatsanwaltschaft des Tompkins County äußern, stellen andere die Vorwürfe infrage.
Matthew Van Houten, Staatsanwalt des Tompkins County, erklärte, seine Behörde habe die Ermittlungen wieder aufgenommen. Angesichts öffentlicher Nachfragen, weshalb damals keine strafrechtlichen Anklagen erhoben worden waren, solle das Beweismaterial nun einer "Grand Jury" vorgelegt werden - ein Bürgergremium im US-Rechtssystem, das feststellen soll, ob ein hinreichender Tatverdacht vorliegt.
Es sei durchaus möglich, dass strafrechtliche Anklagen erhoben würden, so Van Houten, Allerdings unterschieden sich die in der Zivilklage erhobenen Vorwürfe erheblich von den Angaben, die die Frau zwei Jahre zuvor bei der Polizei gemacht habe. Sie habe damals weder angegeben, ohne ihr Wissen unter Drogen gesetzt worden zu sein, noch erklärt, den sexuellen Handlungen nicht zugestimmt zu haben. Er räumte aber ein, dass Opfer sexueller Übergriffe oftmals "Jahre der Therapie und Heilung" bräuchten, ehe sie das Erlebte vollständig verarbeiten und verstehen können.
Forderung nach Gerechtigkeit
Die Ortsgruppe der Studentenverbindung "Chi Phi" wurde nach dem mutmaßlichen Vorfall im Jahr 2024 vom Campus der Cornell University ausgeschlossen. Die Klägerin brach ihr Studium an der Universität nach Angaben ihres Anwalts zudem ab.
Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen der Klage gehört, dass morgens um 1:42 Uhr eine Nachricht an eine Snapchat-Gruppe der Verbindung verschickt worden sein soll, in der Mitglieder aufgefordert wurden, in das Zimmer zu kommen, in dem sich die Klägerin unter erheblichem Einfluss von Alkohol und Drogen befunden habe, mit Ziel, sie sexuell zu missbrauchen. Der Klage zufolge betraten daraufhin weitere Männer den Raum; die mutmaßlichen Übergriffe sollen sich über mehrere Stunden erstreckt haben, bis die Frau das Bewusstsein verlor.
"Es gab so viele Menschen, die das hätten verhindern können, und sie haben es nicht getan. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte der Anwalt der Klägerin, Thomas Giuffra, dem Sender CBS. Giuffra verwies darauf, dass zwei der sieben beschuldigten Verbindungsmitglieder von der Universität verwiesen worden seien, während die übrigen lediglich mildere Disziplinarmaßnahmen erhalten hätten. "Keiner dieser Männer wurde festgenommen", sagte er dem Sender.
Politik und Prominente äußern sich
Der Fall sorgt inzwischen weit über die Universität hinaus für Aufmerksamkeit. Die demokratische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez verurteilte, was sie als eine von elitären Institutionen geschützte "Vergewaltigungskultur" bezeichnete. "Diese Männer haben darüber in einem Gruppenchat geschrieben. Das bedeutet, dass ein solches Verhalten für sie normal war. Es bedeutet, dass es für sie akzeptabel war. Das ist eine Kultur. Wir müssen verstehen, dass wir solche Räume nicht länger schützen dürfen", so Ocasio-Cortez auf einer Veranstaltung in der Nähe der Cornell University.

Die britische Schauspielerin Florence Pugh bezeichnete die Vorwürfe in den sozialen Medien als "grauenhaft" und sprach der betroffenen Frau ihre Unterstützung aus. Pugh, die derzeit auch ihre neue Netflix-Serie "East of Eden" bewirbt, veröffentlichte auf Instagram eine längere Stellungnahme. Darin schrieb sie: "Colleges, Schulen und Universitäten lassen Frauen weltweit immer wieder im Stich. Ihr bringt Männer hervor, denen immer wieder vermittelt wird, dass sie anderen schweren Schaden zufügen können, ohne selbst Konsequenzen befürchten zu müssen."
"Diejenigen, die Männer schützen, die vergewaltigen und Leben zerstören, und die ihnen nur milde Strafen auferlegen, sollten zur Rechenschaft gezogen und genau unter die Lupe genommen werden. Warum setzt ihr alles daran, solche Menschen zu schützen?", so Pugh.
Auch der US-Schauspieler Josh Gad, der vor allem als Stimme von Olaf aus den Disney-Filmen "Die Eiskönigin" bekannt ist, äußerte sich zu dem Fall an der Cornell University. Er kritisierte, dass es unzureichende disziplinarische Konsequenzen für die Studenten gegeben habe, denen sexuelle Gewalt vorgeworfen wird. In einem Instagram-Beitrag schrieb Gad, sexuelle Gewalt dürfe weder als bloßer Fehler abgetan noch mit begrenzten Disziplinarmaßnahmen einer Universität geahndet werden. Das mutmaßliche Verhalten habe "ein Leben zerstört", so Gad. Zugleich forderte er, die Verantwortlichen stärker zur Rechenschaft zu ziehen.
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