Die Bromance ist zurück: Warum brüskiert Trump Südkorea - und hofiert wieder Kim?

Die Bromance ist zurückWarum brüskiert Trump Südkorea - und hofiert wieder Kim?
17.08.2026, 17:46 Uhr
Von Markus Lippold
Donald Trump stellt wieder einmal einen Verbündeten bloß. Diesmal trifft es Südkorea. Der US-Präsident stellt die jährlichen gemeinsamen Manöver in Frage und ordnet auf seiner Plattform Truth Social deren erhebliche Reduzierung an. Als Grund nennt er seine "sehr gute Beziehung" zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:
Was genau schreibt Trump?
In einem Post auf Truth Social zeigt sich Trump "nicht erfreut darüber, dass die Vereinigten Staaten bereits vor langer Zeit zugestimmt haben, an gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea teilzunehmen". Als Grund seines Missfallens nennt er seine "sehr gute Beziehung" zu Kim Jong Un - dem Diktator Nordkoreas. Bereits einige Tage zuvor hatte er ein Foto von sich und Kim an der innerkoreanischen Grenze gepostet und dazu geschrieben, dass sie sich "super" verstehen würden.
Trump kritisiert die Kosten der Manöver, von denen die USA einen Großteil übernehmen müssten ("wie üblich!"). Er spricht aber auch von einem "völlig unangemessenen und feindseligen Signal an ein Land", das sich während seiner eigenen Amtszeiten "nicht bedrohlich und respektvoll verhalten" habe - er meint Nordkorea. Für eine Absage sei es zu spät, daher habe er den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth angewiesen, "die gemeinsamen Militärübungen erheblich zu reduzieren". Zudem schreibt Trump, dass Seoul eine Beteiligung an der Denuklearisierung des Iran kürzlich abgelehnt habe.
Wie reagiert Südkorea?
Das Präsidialamt in Seoul will die Äußerungen Trumps prüfen. Beide Länder würden sich eng bei den gemeinsamen Militärübungen koordinieren. Zudem wurde die Hoffnung geäußert, das gute Verhältnis Trumps zu Kim Jong Un werde zu einem konstruktiven Dialog über Frieden auf der koreanischen Halbinsel beitragen. Auch Südkoreas Präsident Lee Jae Myung strebt eine Annäherung an, jüngst bot er dem Norden sogar Verhandlungen über einen Friedensvertrag an. Auf Trumps Kritik, Südkorea hätte sich nicht am Krieg gegen den Iran beteiligt, hieß es, Seoul berate über mögliche militärische Beiträge. Allerdings müssten die eigene Verteidigungsbereitschaft und rechtliche Verfahren berücksichtigt werden.
Dennoch gibt es Befürchtungen, das enge Verhältnis zu den USA könnte bröckeln. "Vor allem die südkoreanischen Konservativen werden miterleben, wie sich das Bündnis unter Trump in einen 'Zombie' verwandelt und seine früheren strategischen Ziele sowie seine politische Dynamik erheblich einbüßt", zitiert die "New York Times" den Analysten Lee Byong Chul.
Was hat es mit den Manövern auf sich?
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs agieren die USA als militärische Schutzmacht Südkoreas. Das war auch 1950 so, als Nordkorea den Süden überfiel - der Krieg endete 1953 mit einem Waffenstillstand, aber nicht mit einem Friedensvertrag. Washington und Seoul schlossen 1953 einen gegenseitigen Verteidigungspakt. Die USA haben demnach das Recht, Soldaten in dem Land zu stationieren. Derzeit sind es fast 30.000. Trump fordert schon lange, Südkorea solle sich stärker an den Kosten dafür beteiligen.
Beide Länder führen gemeinsam jährliche Manöver durch. Sie sollen die militärische Koordination stärken und die Truppen auf den Verteidigungsfall bei einem möglichen Angriff Nordkoreas vorbereiten. Die Manöver bestehen zum Beispiel aus Feldübungen, Zivilschutzübungen, aber zunehmend auch aus Computersimulationen. Nordkorea reagiert stets scharf auf die Manöver, begleitet sie zum Beispiel mit Raketentests und wirft den beiden Staaten die Vorbereitung eines Angriffs vor - was die USA und Südkorea bestreiten. Bereits in seiner ersten Amtszeit stutzte Trump die gemeinsamen Manöver, weil sie teuer und provozierend seien.
Welches Manöver gibt es in diesem Jahr?
Die Übung "Ulchi Freedom Shield" startet heute und soll bis zum 27. August dauern. Neben US-Truppen sind 18.000 südkoreanische Soldaten beteiligt. Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs hat das Manöver wie geplant begonnen. Ob und wie es im Verlauf reduziert werden könnte, ist bisher unklar. Das Manöver berücksichtigt ausdrücklich auch Entwicklungen des Kriegs in der Ukraine und die Kampferfahrungen nordkoreanischer Soldaten. Der Sprecher des gemeinsamen US-südkoreanischen Kommandos, Ryan Donald, sagte, trainiert werde unter anderem der Umgang mit Drohnen, Cyberangriffen und der Störung von GPS-Signalen.
Wie ist das Verhältnis Trumps zu Kim?
Noch 2017 verhöhnte Trump Kim als "Little Rocket Man". 2018 startete Kim jedoch einen Annäherungskurs an Südkorea. In diesem Rahmen trafen sich der US-Präsident und der nordkoreanische Diktator mehrmals persönlich: Erstmals bei einem Gipfel im Juni 2018 in Singapur. Um das Treffen nicht zu gefährden, sagte Trump ein gemeinsames Manöver mit Südkorea ab. Einen zweiten Gipfel gab es im Februar 2019 im vietnamesischen Hanoi, er wurde jedoch erfolglos abgebrochen.
Ein drittes Treffen fand im Juni 2019 an der innerkoreanischen Grenze in Panmunjom statt. Dabei betrat Trump als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden. Trump und Kim tauschten auch Briefe aus und lobten sich gegenseitig in den höchsten Tönen. Trump sagte sogar, Kim und er hätten sich durch die Briefe ineinander "verliebt". Die Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms blieben jedoch ohne Ergebnis. 2020 beendete Nordkorea die Annäherungsversuche an Südkorea und auch die Verhandlungen mit den USA.
Ob es derzeit einen Austausch zwischen Trump und Kim gibt, ist unklar. Noch im vergangenen Oktober sagte Trump, er wünsche sich ein Treffen mit Kim. Nordkorea wiederum zeigt eine grundsätzliche Dialogbereitschaft - sollten die Vereinigten Staaten ihre "feindselige Politik" aufgeben und Nordkoreas Status als Atommacht akzeptieren, wie Kim im Februar sagte.
Verhält sich Nordkorea "nicht bedrohlich und respektvoll"?
Trumps Aussage sei "für die Verbündeten alarmierend, die mitverfolgt haben, wie das Regime seine Raketen- und Nuklearkapazitäten stetig ausgebaut hat und gleichzeitig mit Russland einen weiteren Verbündeten für seine Unterstützung im Krieg gegen die Ukraine gewonnen hat", sagte Emma Chanlett-Avery vom Asia Society Policy Institute der "New York Times". Seit dem Ende des Tauwetters hat Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm vorangetrieben. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA sprach im April von einer "sehr deutlichen Steigerung" der nordkoreanischen Fähigkeiten zur Produktion von Atomwaffen. Experten zufolge besitzt das Land bereits Dutzende atomare Sprengköpfe.
Das Land provoziert auch mit regelmäßigen Tests ballistischer Raketen. Erst vergangene Woche meldeten Südkorea und Japan einen weiteren Test. Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap sprach vom elften ballistischen Raketenstart in diesem Jahr. Nordkorea verstößt damit gegen mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Zu den Provokationen gehören auch Grenzverletzungen. Vergangene Woche überquerten nordkoreanische Soldaten die militärische Demarkationslinie und zogen sich erst nach Warnschüssen zurück.
Nach eigenen Angaben testet Nordkorea auch neue Waffensysteme, darunter Streumunition, Graphitbomben und elektromagnetische Waffen. Nicht zuletzt unterstützt Pjöngjang massiv den russischen Angriffskrieg in der Ukraine mit Waffen, Munition, aber auch Soldaten, die militärische Erfahrung sammeln können.
Was beabsichtigt Trump mit seinem Vorstoß?
Trumps Kritik an den Kosten der Manöver mit Südkorea erinnern an seine Dauerkritik an der Nato. Auch von Seoul erwartet er eine größere finanzielle Beteiligung. Das könnte auch am kostspieligen Iran-Krieg liegen, der das Budget des Pentagon belastet und die militärischen Ressourcen der USA hat schmelzen lassen. Hinzu kommt Trumps Wut, dass Verbündete ihre Hilfe im Iran-Krieg verweigert haben. Sein Vorstoß könnte nun eine Retourkutsche sein. Außerdem belasten Handelskonflikte, etwa die US-Zölle, die bilateralen Beziehungen.
Es könnte aber noch ein zweites Motiv geben: Nordkorea hat seine militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland massiv ausgebaut. Laut der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Victor Cha vom Center for Strategic and International Studies in Washington, Trump wolle möglicherweise die wachsende militärische Zusammenarbeit zwischen Nordkorea und Russland durchkreuzen.
Nicht zuletzt hat Trump weiterhin das Ziel, Nordkoreas Atomprogramm zu beenden. Kim dagegen geht es um die Anerkennung als Atommacht. Diese Diskrepanz wird Trump nicht auflösen. Zumal Kim dank massiver Unterstützung aus Russland und der traditionellen Bande mit China derzeit einen so großen Handlungsspielraum hat wie lange nicht.
Größter Nutznießer könnte am Ende China sein. Peking als lange engster Verbündeter Nordkoreas sieht dessen intensivere Beziehungen zu Russland mit Argwohn. Sollte Trump es wider Erwarten schaffen, den russischen Einfluss zu schwächen, käme das Peking gelegen. Es hat aber auch Interesse an einer Schwächung Südkoreas. Denn Seoul steht, wie Japan, an der Seite Taiwans. China sieht die Inselrepublik als eigenes Territorium an und hat mehrfach mit einer militärischen Eroberung gedroht. Sollte China angreifen, könnte Nordkorea - das vermuten Experten - eine zweite Front auf der koreanischen Halbinsel eröffnen, um so die militärischen Kapazitäten der USA zu überfordern.
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