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Monday, October 12, 2026

Münchens Open-Source-Comeback

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Auf dem Open Source Summit Europe in Prag hat Laura Dornheim, CDO und IT-Referentin der Stadt München, über den Status quo und weitere Ziele von München im Bereich quelloffene Software berichtet. So mancher wird nun kurz nachdenken: Open Source und Stadt München: Da war doch etwas in den 2000ern? Genau, das LiMux-Projekt war damals angetreten, um die Nachfolge von Windows anzutreten. Auslöser war das Support-Ende von Windows NT 4.0 und ein Beschluss der Stadt, dass nun quelloffene Software zu bevorzugen sei.

Was Anfang der 2000er noch als revolutionär galt, ist heute fast schon eine gebräuchliche Anforderung. So eine Umstellung ist aber nicht einfach und bringt sowohl technische als auch nicht-technische Herausforderungen mit sich. 2013, nach rund 10 Jahren, konnte das Projekt die Fertigstellung verkünden. Wichtige Basiskomponenten des neuen Behörden-Linux waren Debian, KDE und LibreOffice.

Doch um 2014 herum drehte sich der Wind. Es gab Politiker-Wechsel im Rathaus. Microsoft verlegt ihren Deutschlandsitz vom Münchner Umland in die Stadt hinein. Die Luft wurde dünn für LiMux und Open Source. Und so kam 2017 der Beschluss zum „Salto rückwärts“: das Ersetzen von Linux durch Windows bis 2020. Ein interessanter Fakt ist, dass die Migration von LibreOffice zu MS Office erst 2023 abgeschlossen war. Damit dauerte sie ähnlich lang wie die Umstellung von proprietär zu quelloffen in den 2000er Jahren. Ist damit Open Source in der Stadt München am Ende?

Nein, denn 2020 – wieder nach einem politischen Wechsel – kam der Beschluss, Open Source als Normalfall bei der Software-Beschaffung zu priorisieren, „wo immer technisch und finanziell sinnvoll“. Außerdem soll selbst erstellte Software künftig unter Berücksichtigung rechtlicher Vorgaben als Open Source bereitgestellt werden. Ein griffiges Motto in diesem Zusammenhang ist: öffentliche Gelder, öffentlicher Code (public money, public code). Diese Begrifflichkeit hält sich immer noch. In ihrem Vortrag verwendete Dornheim auch gerne mal „Public Source“ anstatt „Open Source“. Seit 2024 gibt es auch ein Open Source Program Office (OSPO). Solche Stellen sind seit einiger Zeit als wichtiger Bestandteil für erfolgreiche Arbeit mit und für Open Source in Firmen bekannt. Wer mehr wissen will, sollte sich den aktuellen Forschungsbericht der Linux Foundation genauer anschauen.

Gibt es denn auch schon sehenswerte Resultate der Abteilung München Open Source? Das ist zunächst DAVe (Database and Evaluation of Traffic Counts). Dieses Programm lässt sich zum Dokumentieren und Analysieren der Verkehrsentwicklung benutzen. Das seit 2021 aktive Programm hat der Stadt Wolfsburg so gut gefallen, dass sie es ebenfalls einsetzt. Selbstverständlich findet man den Quellcode in einem öffentlichen Verzeichnis auf GitHub. Ein weiteres Beispiel ist MUCGPT. Hier können Beschäftigte der Stadt DSGVO-konform mit verschiedenen KI-Agenten „sprechen“. Da gibt es einen „E-Mail-Helfer“, der beim Formulieren von Nachrichten hilft. Beim Verfassen von Texten hilft der Lektor-Assistent „Aufdeutscher“ beim Erzeugen sprachlich korrekter Formulierungen. Auch zu MUCGPT gibt es ein entsprechendes Verzeichnis auf GitHub.

Auch die ursprüngliche Idee des LiMux-Projekt ist wieder lebendig und in Aktion. Die Stadt München ersetzt VMware durch Proxmox im Bereich Virtualisierung. Das Projekt soll 2027 abgeschlossen sein und jährlich rund eine Million Euro einsparen. Anstelle von Jira und Confluence sollen OpenProject und XWiki zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung fiel 2025. Die geschätzten Einsparungen liegen bei mehr als einer halben Million Euro jährlich. Im Datenbank-Bereich wird es für Oracle enger: Der Star heißt PostgreSQL. Anders als bei den eben genannten Projekten sind hier jedoch nicht die Lizenzkosten der primäre Treiber: Laut Dornheim sind die gegenwärtigen finanziellen Modalitäten mit Oracle nicht schlecht. Der Wechsel zu PostgreSQL ist primär dem Wunsch geschuldet, „wo immer technisch und finanziell sinnvoll“ Open-Source-Software einzusetzen.

Nicht unerwähnt soll das Open-Source-Sabbatical bleiben. Hier können sich Mitarbeiter eine Auszeit nehmen, um an einem bestimmten Open-Source-Projekt zu arbeiten, mit dem Ziel einer spürbaren Verbesserung der Software. Es können sich sogar Externe für das Open-Source-Sabbatical bewerben. In diesem Fall sichert die Stadt München finanzielle Unterstützung für die Zeit zu. Man kann sagen, das LiMux-Projekt ist wie ein Phönix aus der Asche auferstanden: verändert und vielleicht sogar stärker.

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