Angreifer plötzlich Libero: "Gefährlich für den Kopf"
Im Fußball ist der Libero zwar aus der Mode gekommen, doch die Position hat noch immer Strahlkraft. Weltstars wie Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und Matthias Sammer interpretierten den "freien Mann" in den 1970er bis 1990er Jahren kunstvoll als Spielgestalter und Strategen. Im Volleyball hingegen wurde die Position erst rund um die Jahrtausendwende eingeführt.
Gegen immer schnellere Sprungaufschläge und härtere Angriffe der physisch immer schlagstärkeren und sprunggewaltigeren Akteure ist die Rolle des Annahme- und Abwehrspezialisten, der die langen Mittelblocker in den hinteren Rotationen ersetzt, nicht mehr wegzudenken.
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Schott: "Kann vorkommen, dass man abschaltet"
Bei den deutschen Volleyballern, die an diesem Samstag im Achtelfinale der Europameisterschaft in Sofia auf Gastgeber Bulgarien treffen (18 Uhr), bekleidet bei dieser EM überraschend Ruben Schott die Rolle des Defensivexperten. Schott, in der Bundesliga Spielführer der BR Volleys, ist eigentlich mit Leib und Seele Außenangreifer.
Doch der neue Bundestrainer Massimo Botti überzeugte den 32 Jahre alten Routinier davon, zunächst einen Sommer lang die Position zu wechseln und ausschließlich die Annahme und Abwehr zu stabilisieren. Schott sagte nach einer Auszeit im DVV-Team Jahr 2025 zu - auch um bei der EM dabei sein zu können.
Statt auf seiner gewohnten Außenangreiferposition zu spielen, wird Ruben Schott bei der Volleyball-EM in Bulgarien als Libero eingesetzt.
Quelle: AFPVom Dauer-Angreifer zum Defensiv-Spezialisten
Doch er braucht Zeit, um sich auf die neue Rolle einzulassen. "Gerade zu Beginn hatte ich das Gefühl, nicht so viel Einfluss auf das Spiel nehmen zu können wie als Außenangreifer, weil man da viel mehr entscheidende Aktionen hat und viel mehr Elemente einbringen kann", erklärt Schott auf ZDFheute-Anfrage.
Aufschlag, Block und Angriff fallen als Libero schließlich weg. "Es kann vorkommen, dass man mal fünf Minuten gar nicht den Ball berührt, was dazu führen kann, dass man abschaltet", sagt er ehrlich. "Das ist das Gefährliche für den Kopf. Man muss immer zu 100 Prozent da sein, auch wenn man wenige Aktionen hat, diese dann aber so gut wie möglich ausführen."
Deutschlands Volleyballer haben es ins EM-Achtelfinale geschafft - aber nicht als Gruppensieger. Denn das DVV-Team verlor mit einem 3:0 gegen die Olympiasieger aus Frankreich.
16.09.2026 | 0:54 minZweiter Libero Lenny Graven nachnominiert
Schott erledigte seinen Job in der Vorrunde ordentlich, die Deutschen gewannen mit dem Ruhepol auf dem Feld vier von fünf Spielen. Seine Quote der perfekten Annahmen beträgt 21 Prozent. Lediglich bei der krachenden 0:3-Niederlage gegen Olympiasieger Frankreich hatte er insbesondere in der Startphase des Spiels Probleme und produzierte gegen die Aufschlagraketen der Franzosen laut Turnier-Statistik fünf direkte Fehler - und keine einzige perfekte Annahme. Vielleicht auch deswegen nominierte Botti nun für die K.o.-Runde den Libero-Experten Lenny Graven nach, der den im Turnierverlauf erkälteten Schott entlasten soll.
Ob Schott das Experiment nach dem Turnier weiterverfolgt, ist noch unsicher. Er habe "nicht so richtig Blut geleckt", bekennt er. "Es macht mir unheimlich viel Spaß, dem Team zu helfen und mit den Besten auf dem Feld zu stehen. Dennoch habe ich gemerkt, dass sich viele Trainingseinheiten in diesem Sommer langweilig angefühlt haben", räumt er ein. "Das hört sich komisch an, aber mein Herzblut ist Außen-Annahme."
Umso länger ich jetzt Libero gespielt habe, desto länger vermisse ich das.
Ruben Schott
Deutschlands Volleyballer haben bei der EM auch ihr viertes Gruppenspiel gewonnen. Nach dem 3:1 gegen die Schweiz steht das DVV-Team vorzeitig im Achtelfinale.
15.09.2026 | 1:16 minSchott soll den EM-Coup ermöglichen
In der Bundesliga wird der Berliner wieder auf seine angestammte Position zurückkehren. Doch zuvor will er mit dem DVV-Team die Überraschung schaffen und gegen die starken Bulgaren vor 12.000 Fans ins Viertelfinale einziehen.
Dafür braucht es Schott mit einer starken Annahme- und Abwehrquote, damit Zuspieler Jan Zimmermann insbesondere die starken deutschen Mittelblocker Anton Brehme und Tobias Krick bestmöglich einsetzen kann. Entscheidender Nachteil ist, dass die Deutschen auf Zimmermanns Zuspielkollegen Johannes Tille verzichten müssen, der sich einen Mittelfußbruch zuzog und abreisen musste.
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