Bas und Dobrindt präsentieren Plan gegen Sozialbetrug
Die Bundesregierung will mit einem Zehn-Punkte-Plan Missbrauch von Sozialleistungen wirkungsvoller bekämpfen. Bis Ende des Jahres soll er umgesetzt werden, wie es in dem Aktionsplan heißt, der den Nachrichtenagenturen dpa und AFP vorliegt. Die "Bild"-Zeitung hatte zuerst darüber berichtet.
Wie bereits im Koalitionsvertrag angekündigt, sollen Anreize reduziert werden, in die Sozialsysteme einzuwandern. Groß angelegter Sozialleistungsmissbrauch soll beendet werden. Ausbeuterische Geschäftsmodelle mit sogenannten Schrottimmobilien sollen wirksamer bekämpft werden können. Die Grundsicherung soll beendet werden, wenn jemand mit vollstreckbarem Haftbefehl gesucht wird.
Bas und Dobrindt mit gemeinsamem Plan
Der Plan wurde vom Sozialministerium unter Ressortchefin Bärbel Bas (SPD) und dem Innenressort von Alexander Dobrindt (CSU) erarbeitet, wie es hieß. Bas sagte: "Wir ermöglichen den Kommunen, besser gegen sogenannte Schrottimmobilien vorzugehen." Hintermänner der organisierten Ausbeutung würden stärker zur Verantwortung gezogen.
"Wir haben hier ein massives Problem", denn 30 bis 40 Prozent der Leistungsempfänger nutzten das System zumindest teilweise aus, sagt ZDF-Rechtsexpertin Sarah Tacke.
13.05.2026 | 3:58 minFür Deutschland mit seinem Bedarf an ausländischen Fachkräften sei die Möglichkeit sehr wichtig, grenzüberschreitend in der EU unbürokratisch eine Arbeit aufzunehmen, erklärte Bas.
Was aber nicht geht, ist es, die Freizügigkeit auszunutzen, um Menschen auszubeuten und ihre Not für organisierten Missbrauch auszunutzen.
Bärbel Bas, Bundessozialministerin
Dobrindt sagte der "Welt": "Es ist gelungen, mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen harten Maßnahmenplan gegen Sozialleistungsmissbrauch zu vereinbaren - wir zeigen klare Kante gegenüber Sozialbetrügern."
Sozialleistungen bekomme künftig nur noch, wer sich als EU-Ausländer rechtmäßig fünf Jahre lang in Deutschland aufgehalten habe, kündigte der Minister an. Bas sagte, der Datenaustausch werde verbessert, Schlupflöcher würden geschlossen. Die Bundesagentur für Arbeit werde gestärkt, Arbeitgeber im Fall von Schwarzarbeit in Haftung genommen.
Kommunen schlagen Alarm: Sie sehen sich zunehmend mit möglichem Missbrauch von Sozialleistungen konfrontiert. Im Fokus stehen Strukturen, die EU-Bürger aus Osteuropa nach Deutschland locken.
10.03.2026 | 8:52 minViele Betroffene aus Bulgarien oder Rumänien
Im Juni hatten die Innenminister von Bund und Ländern ein konsequenteres Vorgehen gegen bandenmäßigen Sozialmissbrauch beschlossen. Hintergrund sind vor allem Fälle, in denen Banden EU-Bürger aus Südosteuropa nach Deutschland geholt und in Scheinarbeitsverhältnisse gebracht hatten, damit sie als sogenannte Aufstocker Anspruch auf Sozialleistungen erlangen. Im Fokus sind etwa Bulgarien oder Rumänien.
Zum Teil wurden diese Menschen in sogenannten Schrottimmobilien untergebracht. In vielen Kommunen etwa des Ruhrgebiets ist dieses Problem seit Langem bekannt. Auch Razzien von Polizei und weiteren Behörden gibt es. Doch oft können die Ämter bislang verhältnismäßig wenig dagegen machen.
Nordrhein-Westfalen geht mit einer Razzia gegen organisierten Sozialleistungs-Missbrauch und sogenannte Schrottimmobilien vor, die zu Wucherpreisen vermietet werden.
04.03.2026 | 1:46 minIn einzelnen Bundesländern gibt es inzwischen mehr Kooperation zwischen Polizei, Familienkassen, Jobcentern, Ausländerbehörden, Kommunen und weiteren relevanten Stellen, um solch einen Missbrauch zu verhindern, wie es von den Ländern heißt. Nach vom Bund auf den Weg gebrachten Änderungen im Baugesetzbuch sollen Kommunen Schrottimmobilien im Extremfall auch enteignen können.
Bas gegen "mafiöse Strukturen"
Bas hatte bereits Mitte vergangenen Jahres in einem Interview ein verschärftes Vorgehen gegen Sozialmissbrauch angekündigt und auf Negativbeispiele aus ihrer Duisburger Heimat verwiesen. Es gebe "ausbeuterische Strukturen, die Menschen aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland locken und ihnen Mini-Arbeitsverträge anbieten", sagte sie damals. "Gleichzeitig lassen sie diese Menschen Bürgergeld beantragen und schöpfen die staatlichen Mittel dann selbst ab. Das sind mafiöse Strukturen, die wir zerschlagen müssen."
Ein Mann berichtet offen, wie er seit Jahrzehnten vom Sozialstaat lebt. Die Doku zeigt mutmaßlichen Betrug, strukturelle Schwächen und die Folgen für ein System, auf das viele Menschen dringend angewiesen sind.
13.05.2026 | 2:45 minBesitzern droht Verbot von Haus-Nutzung
In dem Aktionsplan ist nun auch vorgesehen: Zuwanderer aus EU-Staaten mit extrem geringem Beschäftigungsumfang sollen nicht mehr regelmäßig aufstockende Leistungen beziehen können. Mittel der Kommunen gegen Schrottimmobilien sollen gestärkt werden - der Plan nennt als Stichworte: "Instandsetzungsgebote, Vorkaufsrecht, Enteignung, Nutzungsuntersagung".
Nach Ministeriumsangaben soll der Aktionsplan noch in diesem Monat vom Bundeskabinett beschlossen werden. Die Regelungen könnten dann zum Jahreswechsel in Kraft treten.
Kritik von der Linken
Mit Blick auf den Aktionsplan warf die Linkspartei der Regierung verfehlte Prioritäten vor. "Für die Mehrheit der Menschen in diesem Land ist das größte Problem ein Sozialstaat, der ihnen zu wenig Sicherheit gibt", erklärte die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Cansin Köktürk. "Von der sozialdemokratischen Arbeitsministerin Bärbel Bas erwarte ich mit derselben Energie einen Aktionsplan für einen starken Sozialstaat, auf den sich die Bürgerinnen und Bürger verlassen können."
Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 16.09.2026 ab 21:45 Uhr.
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