Vater mit Tochter (3) im Hallenbad: «In welche Dusche muss ich?»

- Ein Vater fragt auf Reddit, welche Dusche er im Hallenbad mit seiner dreijährigen Tochter benutzen soll.
- Viele User finden, das Geschlecht der Begleitperson zähle: Väter gehören in die Männerdusche.
- Schweizer Bäder wie das Tägi Wettingen und das Alpamare erlauben Vätern die Frauendusche nicht.
- Fachfrau Annelies Steiner rät Vätern, die Tochter in die Männergarderobe mitzunehmen.
Stell dir vor: Du willst mit deiner kleinen Tochter einen entspannten Tag im Hallenbad verbringen. Badesachen einpacken, ab ins Wasser, Pommes essen, nach Hause. Eigentlich unkompliziert. Doch nach dem Schwimmen stellt sich plötzlich eine Frage: Wohin geht ihr jetzt zum Duschen?
Genau diese Frage stellte ein Vater auf Reddit. Er schrieb, er lese auf Instagram immer öfter, dass Väter mit ihren Töchtern durch die Frauendusche in die Garderobe gingen, um die Kinder zu schützen. Ihm selbst sei dabei aber unwohl. «Die Frauendusche muss ein sicherer Raum für euch bleiben», schreibt er. Gleichzeitig wolle er seine dreijährige Tochter nicht durch die Männerdusche führen. Seine Frage: «Wie handhabt ihr das?»
«Männer haben in der Frauendusche nichts verloren»
Viele Userinnen und User finden: Das Geschlecht der Begleitperson soll entscheiden. Geht der Vater mit der Tochter ins Schwimmbad, benutzt er mit ihr die Männergarderobe und die Herrendusche. «Als Mann in die Frauendusche ist absolut nicht in Ordnung», schreibt eine Userin. Dort habe kein Mann durchzulaufen – egal, ob mit Kind oder ohne. Eine weitere ergänzt: «Ich fände es mega creepy, wenn ein Mann plötzlich in der Frauendusche steht.» Gerade weil dort auch Mädchen und Teenagerinnen duschten. Wenn der Vater nicht wolle, dass seine Tochter nackte Männer sehe, solle er sie im Badeanzug duschen oder zu Hause warten lassen.
Andere verstehen aber auch, weshalb Väter vor der Männerdusche zurückschrecken. Eine Userin schreibt, sie habe im Bekanntenkreis zu viel sexuelle Gewalt mitbekommen und würde ein kleines Mädchen deshalb nur ungern durch eine Männerdusche begleiten lassen. Sie rät dem Vater, eine weibliche Begleitperson mitzunehmen oder beim Personal nachzufragen.
Auch die Nacktheit beschäftigt: «Ich finde es nicht so toll, wenn Kinder das Gefühl bekämen, es sei normal, in diesem jungen Alter männliche Geschlechtsteile zu sehen», schreibt eine Person. Gleichzeitig müsse die Frauendusche ein männerfreier Safe Space bleiben. Eine weitere Userin schreibt deshalb: «Das ist für unsere Familie tatsächlich ein Problem und deswegen geht meine Tochter auch nicht mehr alleine mit dem Papa schwimmen.»
So regeln es Schweizer Hallenbäder
Eine einheitliche Schweizer Regel gibt es nicht. Die befragten Bäder sind sich aber in einem Punkt weitgehend einig: Ein Vater darf seine Tochter nicht in die Frauendusche begleiten. Wie Christian Bigler, Leiter Sportamt Stadt Bern, erklärt, halte die Bäderverordnung der Stadt Bern fest: «Kinder im Vorschulalter müssen mit ihrer Begleitperson die für die Begleitperson vorgesehene Zone benutzen können.» In einigen Schwimmbädern gebe es zudem Einzelnischen, Universalbereiche oder an bestimmten Tagen Familiengarderoben.
Auch Urs Kamberger, Geschäftsführer vom Tägi Wettingen, hält fest: «Es gibt keine konkreten Regeln und es findet keine Kontrolle statt.» Die Aufsichtspflicht liege bei der erwachsenen Begleitperson. Er sagt: «Ein Vater hat keine Berechtigung, die Damenduschen zu betreten.» Das Tägi biete separate Garderoben für Mamis mit Kindern und Papis mit Kindern. «Das wird sehr geschätzt.» Das Alpamare handhabt es gleich: Väter benutzen mit ihren Kindern die Herrendusche, Mütter die Damendusche. Separate Duschkabinen gebe es in beiden Bereichen.
«Ein Vater hat eine Aufsichts- und Fürsorgepflicht»
Annelies Steiner, Verantwortliche Bildung bei Sexuelle Gesundheit Schweiz, findet: Ein Vater soll seine Tochter grundsätzlich in die Männergarderobe mitnehmen. «Ein Vater hat die Aufsichts- und Fürsorgepflicht für sein Kind», sagt sie. Wichtig sei, die Bedürfnisse der Tochter ernst zu nehmen und sie altersgerecht auf die Situation vorzubereiten. Etwa mit Fragen wie: «Wie fühlst du dich dabei? Möchtest du eine geschlossene Garderobe teilen oder lieber Kabinen nebeneinander benutzen?»
Steiner betont jedoch, dass auch eine Mutter mit ihrem Sohn in der Männerdusche keine ideale Lösung sei. Beide Situationen müssten gleich beurteilt werden. Geschlechterforscherin Fabienne Amlinger erklärt: «Fürsorge wird traditionell Frauen zugeschrieben, während Männlichkeit stärker mit potenziellen Grenzüberschreitungen verbunden wird.» Das könne fürsorgliche Väter unter einen «ungerechtfertigten Verdacht» stellen. Zudem würden Frauenräume als Schutzräume vor sexueller Belästigung verstanden. Das erkläre, weshalb der Zutritt eines Mannes besondere Vorbehalte auslösen könne.
Was denkst du darüber? Soll ein Vater mit seiner kleinen Tochter in die Männerdusche, oder braucht es überall Familien- und Einzelkabinen? Diskutiere mit in den Kommentaren.
Was braucht es deiner Meinung nach in Hallenbädern, damit Eltern mit kleinen Kindern sich wohlfühlen?
Selina Keller (sek) arbeitet seit 2025 bei 20 Minuten und ist Redaktorin im Ressort Community
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