Elektrifizierung des ÖPNV schreitet nur langsam voran
Elektrobusse emittierten unterwegs keine Schadstoffe, und sie sind leiser als ihre Diesel-getriebenen Pendants. Durchgesetzt haben sie sich jedoch bisher nicht, wie eine Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt.
Die Umweltorganisation hat für die Studie „Elektrifizierung der Busflotten: Wo Deutschlands Großstädte stehen“ (PDF) die 40 größten deutschen Städte gefragt, wie hoch die Quote der Elektrobusse (inklusive Brennstoffzellenbusse) im Bestand ist und wie hoch die Quote an Verbrennerbussen ist, die von 2026 bis 2030 in Dienst gestellt werden sollen. 39 haben geantwortet.
Daraus errechnete die DUH ein dreistufiges Bewertungssystem: grün für mehr als 50 Prozent E-Busse zum Stichtag 31. Dezember 2025, gelb für 25 bis 50 Prozent E-Busse und rot für weniger als 25 Prozent E-Busse; die Planung für Neufahrzeuge kann die Einstufung verbessern (keine Dieselbusse geplant) oder verschlechtern (Dieselbusse geplant). Im grünen Bereich landeten lediglich drei Städte, gefolgt von 17 gelben. Mehr als die Hälfte steckten die Autoren in die rote Kategorie.
Fünf Städte ohne E-Busse
Fast alle der 39 Städte setzen Elektrobusse ein. Am besten schnitt bei der Studie der Südwesten ab: In Mannheim, Freiburg und Karlsruhe fahren bereits mehr als die Hälfte der Busse elektrisch (60,6 Prozent, 51,7 Prozent und 51,6 Prozent). Dreiviertel der Städte (28) betreibt mindestens ein Zehntel seiner Flotte elektrisch. Magdeburg, Krefeld, Wuppertal, Essen und Augsburg hingegen haben keine Elektrobusse im Einsatz und landen folgerichtig auf den letzten Plätzen.
Ginge es allein nach der Quote der Elektrobusse, hätte Wiesbaden deutlich besser abgeschnitten: Dort Wiesbaden fährt fast jeder zweite Bus elektrisch (40,2 Prozent), wodurch die hessische Landeshauptstadt auf Platz 6 gelandet wäre. Die Stadt plant jedoch die Anschaffung neuer Dieselbusse – und zwar in großem Stil: Fast die Hälfte der neuen Busse (45,8 Prozent) werden Diesel-betrieben sein. Dafür gab es einen Malus von den Studienautoren: Die Stadt landete auf Platz 21 im roten Bereich.
Umgekehrt haben Städte mit einer E-Bus-Quote von unter 25 Prozent im Bereich gelb abgeschnitten, wenn sie eine Zukunft ohne Dieselbusse planen. Das gilt etwa für Leipzig (19,6 Prozent Elektrobusse), Duisburg (10,1 Prozent) oder Bochum (8,6 Prozent).
Von den vier Millionenstädten schnitt Hamburg am besten ab: Dort ist mehr als ein Drittel der Busse elektrisch (39,6 Prozent, Platz 6), gefolgt von Köln (25,9 Prozent, Platz 11). München und Berlin kommen beide auf 16,7 Prozent und landeten auf 14 und 15. Immerhin plant keine der Metropolen mehr mit Dieselbussen – was München und Berlin eine Platzierung im gelben Bereich gesichert hat.
Die Mehrheit setzt weiter auf Diesel
Dennoch ist Diesel nach wie vor der vorrangige Treibstoff für Busse: 70 Prozent fahren noch mit fossilem Treibstoff – rechnet man Mildhybride mit ein, sind es sogar 77 Prozent. Erst knapp die Hälfte der Städte (18; 5 ohne Angabe) hat sich davon verabschiedet und will künftig keine Verbrenner mehr anschaffen. „Diesel-Busse werden in der Regel länger als zehn Jahre im Nahverkehr betrieben. Städte, die bis 2030 neue Verbrenner-Busse beschaffen, verschieben den Abschied von fossilen Antrieben so bis in die 2040er-Jahre“, rechnet Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.
Schlusslicht ist Halle: Die Stadt will in den kommenden Jahren ausschließlich Dieselbusse anschaffen. Ebenfalls stark auf Diesel setzen Rostock (85,7 Prozent), Mainz (67,7 Prozent) und Augsburg (66,7 Prozent).
Immerhin dürften diese dann bessere Abgaswerte haben als manche, die heute im Einsatz sind: In Oberhausen, Nürnberg, Aachen, Gelsenkirchen, Kassel und Erfurt fahren noch Diesel-Busse, deren Abgasstufe schlechter ist als die Euro-5-Norm. Einige Städte, darunter Darmstadt und Mainz, haben Zonen eingerichtet, in die solche Fahrzeuge nicht einfahren dürfen.
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