"Frisst" KI Einstiegsjobs?
KI übernimmt zunehmend typische Aufgaben für Berufseinsteiger. Dadurch finden viele Hochschulabsolventen schwerer Arbeit.
30.09.2026 | 2:34 minFriederike Rochell gehört zu den rund 335.000 Arbeitslosen mit Hochschulabschluss in Deutschland. Die 29-jährige Volkswirtin hat vor ihrem Master zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt und seither rund 80 Bewerbungen verschickt; an Behörden, Beratungsunternehmen und Marktforschungsinstitute. Bisher wurde sie zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch eingeladen. "Es ist frustrierend", sagt Rochell.
Man fängt auch an, an sich selber zu zweifeln. Also gerade wenn man, wie in meinem Fall, seit gut einem Dreivierteljahr auf Jobsuche ist.
Friederike Rochell, Volkswirtin
Der Berufseinstieg ist schwieriger geworden. Ein Grund ist die schwache Konjunktur. Ein anderer KI. Denn Künstliche Intelligenz übernimmt viele "klassische" Einsteigertätigkeiten: Recherchen, Datenauswertungen oder das Erstellen von Vorlagen und Präsentationen.
KI schreibt Texte, analysiert Verträge und programmiert Code -Wie bedroht sind unsere Jobs? Florian Neuhann geht der Frage nach, auch mit einem Avatar.
01.05.2026 | 53:44 minEinsteigeraufgaben oft von KI ersetzt
Das bestätigt auch Prof. Anne-Sophie Mayer von der Universität München. Sie untersucht, wie KI die Arbeitswelt verändert und arbeitet dabei eng mit Unternehmen zusammen.
Sehr gut ausgebildete Leute haben zunehmend Schwierigkeiten, überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.
Anne-Sophie Mayer, LMU Munich School of Management
"Gerade in Bereichen, die von KI betroffen sind, also administrativen Bereichen, aber auch kreativen Bereichen, in der Unternehmensberatung, auch im juristischen Bereich", ergänzt Mayer.
Expertin: "KI viel zu kurzfristig gedacht"
Erste Kanzleien werben bereits damit, statt junger Anwälte KI einzusetzen und den Klienten dadurch Kosten zu sparen. Die Vorsitzende des Bayerischen Anwaltvereins, Michaela Landgraf, befürchtet, dass spezialisierte KI für Kanzleien dazu führt, dass weniger junge Juristen eingestellt werden: "Ein erfahrener Anwalt mit digitalen Assistenten leistet heute, wofür früher ein ganzes Team nötig war."
Auch vor der Justiz macht KI nicht halt: In Zukunft soll sie Prozesse deutlich beschleunigen - aber keine Richter ersetzen.
11.06.2026 | 3:51 minAuch Arbeitsmarktforscherin Mayer warnt vor den Folgen für die Unternehmen: "Ein großes Problem ist, dass KI heute noch viel zu kurzfristig gedacht wird."
Man denkt, jetzt ist es gerade effizienter, jetzt spart es mir Einstiegsstellen ein. Aber wenn ich heute nicht neu einstelle, wo kommt dann mein Experte von morgen her?
Anne-Sophie Mayer, LMU Munich School of Management
Erste Unternehmen erkennen nach Beobachtung von Mayer bereits, dass KI die sogenannte "Talentpipeline" der Berufseinsteiger nicht kappen sollte.
Anforderungen für Berufseinsteiger verändern sich
Wie viele Stellen KI vernichtet, lässt sich noch nicht genau beziffern. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB könnten bis 2040 rund 800.000 Arbeitsplätze verschwinden, gleichzeitig aber ähnlich viele durch Künstliche Intelligenz neu entstehen.
KI wird in vielen Firmen genutzt und macht Arbeit effizienter. Doch die Kosten für deren Nutzung sind deutlich gestiegen.
05.08.2026 | 1:32 minArbeitsmarktforscher Prof. Enzo Weber vom IAB blickt eher zuversichtlich auf diese Veränderung: "KI übernimmt heute zwar immer mehr Tätigkeiten, die vor Kurzem noch Menschen ausgeübt haben. Aber auf der anderen Seite entstehen auch neue Jobs, neue Investitionen, neue Geschäftsmodelle."
Insgesamt gibt es keinen Einbruch bei der Beschäftigung, sondern einen Umbruch. Das ist die Herausforderung, aber darin liegt auch die große Chance.
Enzo Weber, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB
Für Berufseinsteiger bedeutet das vor allem: Die Anforderungen verändern sich. So werden Routinetätigkeiten häufig automatisiert.
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Viele junge Menschen sorgen sich um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mirko Drotschmann erklärt, wo der Berufseinstieg lohnt.
21.05.2026 | 10:56 minMehr gefragt: "Human Skills" und Verantwortungsübernahme
Dafür werden "human skills" wie analytische Fähigkeiten, der Umgang mit Kunden und Verantwortungsübernahme immer wichtiger. Das sieht auch die Personalchefin des Beratungsunternehmens PwC Petra Raspels so:
Fähigkeiten, die man durch Berufserfahrung entwickelt, rücken heute schneller in den Fokus.
Petra Raspels, Beratungsunternehmen PwC
Also Ergebnisse kritisch überprüfen und Verantwortung übernehmen. "Früher hat man über wiederholtes Ausüben von Tätigkeiten gelernt - heute haben wir Trainingsprogramme, in denen wir Dinge anders vermitteln und damit auch anders trainieren." Methoden also, mit denen Berufseinsteiger heute schneller in verantwortungsvolle Aufgaben hineinwachsen können.
Ein Masterabschluss ist keine Jobgarantie mehr. Uniabsolventen suchen länger denn je. Umso wichtiger ist es, persönlichen Kontakt zu Unternehmen aufzubauen.
14.04.2026 | 1:59 minKI-Skills von Arbeitgebern gesucht
Die Personalchefin rät Jobsuchenden dringend, sich KI-Fähigkeiten anzueignen. Für sein jährliches "Jobs Barometer" wertet PwC weltweit rund eine Milliarde Stellenanzeigen aus.
Wir sehen, dass Arbeitgeber ganz bewusst auch KI-Skills nachfragen und dass das auch Auswirkungen auf die Vergütung von Mitarbeitenden hat, die diese Skills mitbringen.
Petra Raspels, Beratungsunternehmen PwC
Auch Friederike Rochell hat diese Entwicklung erkannt. Sie will sich im Bereich Künstliche Intelligenz weiter qualifizieren. Denn KI verändert die ersten Schritte ins Berufsleben bereits heute spürbar.
Patricia Schäfer ist Reporterin im ZDF-Landesstudio Bayern.
Über den Einfluss von KI auf den Arbeitsmarkt berichteten mehrere Sendungen, etwa das ZDF-Morgenmagazin am 30.09.2026 ab 05:30 Uhr und heute in Deutschland am 30.09.2026 ab 14 Uhr.
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