AfD lotet Szenario für Unions-Minderheitsregierung aus
Kanzler Merz schließt einen Rücktritt aus, AfD-Chefin Weidel wertet den AfD-Sieg in Mecklenburg-Vorpommern als Signal für einen Politikwechsel auch im Bund.
07.09.2026 | 3:43 minDas Szenario ist derzeit eigentlich unwahrscheinlich: Ein Ausscheiden der SPD aus der jetzigen Koalition und eine Minderheitsregierung der Union. Doch latent geistert die theoretische Option durch Berlin - und besonders die AfD beschäftigt sich damit. Die CDU lehnt Gedankenspiele über eine Minderheitsregierung entschieden ab.
Das theoretische Szenario würde die AfD vor ein Dilemma stellen. In einem internen Papier der Fraktion, das ZDFheute vorliegt, werden drei mögliche Strategien diskutiert:
- Keinerlei Zusammenarbeit.
- Forderung nach Neuwahlen.
- Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Die AfD sei die neue Volkspartei und sei jetzt in der Mitte der Bevölkerung angekommen, sagt Alice Weidel, die Bundessprecherin der AfD.
20.09.2026 | 2:27 minOption 1 und 2: Blockade, Neuwahlen
Die erste Option - keinerlei Zusammenarbeit, eine konsequente Blockade der Regierung und Drängen auf Neuwahlen - birgt laut AfD ein Risiko. In dem Papier heißt es, eine "konsequente Verweigerung" widerspreche dem AfD-Grundsatz "Wir stimmen mit jedem, wenn die Sache stimmt". Weiter steht in dem Papier:
Bietet zudem Angriffsfläche: AfD kneift vor Verantwortung.
AfD-Strategiepapier
Die zweite Option - Forderung nach Neuwahlen - geht einher mit einer punktuellen Zusammenarbeit mit der Union. Und zwar bei "Gesetzesinitiativen und Anträgen, die dem AfD-Programm entsprechen". Unter anderem würde die AfD in diesem Fall den Druck auf die Union erhöhen und namentliche Abstimmungen zu Kernthemen erzwingen wollen.
Auch hier gibt es laut Papier ein Risiko: "Bei Wählern darf nicht der Eindruck des Wortbruchs oder des billigen Mehrheitsbeschaffers entstehen", heißt es.
Die AfD gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern 22 der 36 Direktmandate und wird stärkste Kraft auf dem Land. Für eine Regierungsmehrheit reicht es jedoch nicht. Wie ist die Stimmung im Land?
21.09.2026 | 4:00 minOption 3: Zusammenarbeit mit CDU
Die dritte Option - Bereitschaft zur positionsabhängigen Zusammenarbeit - beinhaltet einen Zusatz: Die AfD müsse in diesem Fall eine Antragsoffensive starten - "insbesondere dort, wo größere Schnittmengen zum Unionsprogramm bestehen".
Genannt werden unter anderem die Themen Wirtschaft, Energie und Migration. Außerdem müsse es eine schriftliche Tolerierungsvereinbarung geben.
Auch in diesem Fall bestehe das Risiko, dass die AfD als billiger Mehrheitsbeschaffer wahrgenommen werden könne, heißt es.
Bei der Generaldebatte im Bundestag hat die AfD-Vorsitzende Alice Weidel die Regierung kritisiert. Kanzler Merz bekräftigte seine Reformvorhaben.
09.09.2026 | 2:01 minAfD fordert Bundestagsvizepräsidenten
Das Papier formuliert vor diesem Hintergrund zwei Bedingungen, die für eine Zusammenarbeit mit CDU und CSU erfüllt sein müssten. So sollte die AfD für diesen Fall unter anderem einen Bundestagsvizepräsidenten, den Sitzungssaal der SPD und Vorsitzende der Ausschüsse des Bundestags erhalten.
Zusammenarbeit setzt Gleichbehandlung voraus.
AfD-Strategiepapier
Außerdem verlangt die AfD für den Fall einer Unterstützung, die Politik massiv zu beeinflussen. "Es muss gelten: Links ist vorbei", heißt es in dem Papier.
Jeder sechste Handwerker hat Migrationshintergrund, sagt Kanzler Merz. Mit der "Remigration" wolle die AfD eine ethnische Säuberung umsetzen, und Unternehmen damit schaden.
09.09.2026 | 0:33 minFrei schließt Minderheitsregierung aus
Geschrieben hat das Papier AfD-Fraktionsvize Sebastian Münzenmaier. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, bestätigte dessen Existenz am Dienstag. Dass man sich auf alles Mögliche vorbereite, sei doch selbstverständlich, so Baumann in Berlin.
In der Union stoßen die strategischen Planspiele der AfD auf Ablehnung. Unionsfraktionschef Thorsten Frei hatte dem Spiegel gesagt:
Eine Minderheitsregierung wäre Irrsinn.
Thorsten Frei, CDU
Es sei eine Illusion, zu glauben, "wir könnten uns unsere Mehrheit mal links, mal rechts suchen". Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die AfD nach der Wahl in Sachsen-Anhalt scharf angegriffen. Ihre Forderung nach Remigration sei nichts anderes als eine "ethnische Säuberung", so Merz im Bundestag.
Über das Thema berichtete das ZDF in verschiedenen Sendungen, zuletzt im ZDF spezial am 21.09.2026 ab 19:30 Uhr.
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