Ist Jungwählern Antisemitismus in Teilen der Linken egal?
Die Linke gewinnt die Wahl und lässt die CDU hinter sich. Eine Koalition mit SPD und Grünen ist möglich, Antisemitismus-Vorwürfe könnten der Regierungsführung noch im Weg stehen.
21.09.2026 | 2:12 minAntisemitische Aussagen der Linken findet Julia, 23 Jahre alt, nicht in Ordnung. "Die Kritik an einigen Aussagen aus der Partei ist auf jeden Fall berechtigt", sagt sie auf der Warschauer Brücke in Berlin-Friedrichshain. Gewählt hat sie die Partei trotzdem. Denn einige Debatten würden ihrer Meinung nach größer gemacht, als sie wirklich seien.
Auch eine 20 Jahre alte Schülerin an einer Kreuzung in Berlin-Mitte sagt, sie stimme nicht allem zu, was die Linke erzählt. Aber das sei ja bei jeder Partei so.
Und Nikolas, 24, sagt, die linke Spitzenkandidatin Elif Eralp habe sich von antisemitischen Äußerungen in den eigenen Reihen distanziert. Auch er hat sein Kreuz bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bei der Linken gesetzt.
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Ob die Linke nach ihrem Wahlsieg in Berlin auch die künftige Regierung anführen wird, ist noch nicht klar. Denn bei SPD und Grünen gibt es auch skeptische Stimmen. Stephan Merseburger berichtet.
21.09.2026 | 1:20 minFast die Hälfte der Jungen wählt Linke
Ein Großteil der 16- bis 24-jährigen Berlinerinnen und Berliner hat die Linke gewählt: 46 Prozent. So auch der 17-jährige Auszubildende Kenar. Das dürfte auch an einem Wahlprogramm liegen, das sich an den Sorgen junger Menschen orientiert.
Ich finde gut, dass die einen Mietendeckel machen wollen.
Kenar, 17 Jahre







Kenar sagt, die Linke habe den besten Plan für die Zukunft seiner Stadt. Die Frage nach der Zukunft sei für junge Wählerinnen und Wähler entscheidend, so Politikwissenschaftlerin Julia Riedl von der Universität der Bundeswehr München. Junge Menschen fühlten sich nicht gut repräsentiert von den regierenden Parteien, sagt sie ZDFheute:
Das führt dazu, dass man sich politischen Rändern zuwendet. Die haben eine positive Erzählung von der Zukunft.
Julia Riedl, Politikwissenschaftlerin
Die Union verliert die Berlin-Wahl, in Schwerin schafft sie es gar nicht erst ins Parlament. Ein Novum für die Partei. Wie reagiert sie und was macht der Kanzler?
21.09.2026 | 2:49 minWahl trotz antisemitischer Aussagen?
Sind den Jungen antisemitische Äußerungen bei den Linken egal? Etwa der Satz "Tod der israelischen Armee", der auf einer Linken-Veranstaltung gefallen ist? Politikwissenschaftlerin Riedl sagt:
Zeitzeugen der Schoa sterben aus. Wir haben also keine Bildungsarbeit durch Zeitzeugen mehr.
Julia Riedl, Universität der Bundeswehr München
Die junge Generation habe deshalb eine andere Verbindung zu diesem Teil der deutschen Geschichte. Zusätzlich zahlten polarisierende Aussagen auf die Protesthaltung junger Menschen ein.
"Provokante Äußerungen sind etwas, das durchaus Aufmerksamkeit erzeugt. Etwas, das man vielleicht auch krass und beeindruckend findet", sagt Riedl.






Provokation in den sozialen Medien
Auf diese Weise erziele man eine große Reichweite in den sozialen Medien. Also dort, wo man die jungen Wählerinnen und Wähler erreicht.
Die Linke steht in Berlin aber nicht nur wegen anti-israelischer Äußerungen in der Kritik. Auf der Wahlparty der Partei ist am Sonntag ein Clanchef mit von der Partie.
Einen Tag später muss sich der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wegen eines Chats mit einem weiteren Clanmitglied entschuldigen, er zieht sich vorerst aus der Linken-Fraktion zurück.
Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp distanziert sich von Antisemitismus. Sie stehe für den Schutz jüdischen Lebens, sagt sie im ZDF.
20.09.2026 | 4:06 minExpertin sieht Mitverantwortung bei Mitte-Parteien
Dass junge Menschen Randparteien wählen, ist kein reines Berlin-Phänomen. Auch bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt waren Linke und AfD die stärksten Kräfte in der jungen Wählergruppe.
Die Verantwortung dafür sieht Julia Riedl bei den Parteien der politischen Mitte. "Wir tun so, als würden junge Menschen grundsätzlich extreme Parteien wählen", sagt sie. Dabei würden die anderen Parteien überwiegend keine Zukunftsangebote machen.
Dass man da politisch frustriert ist, ist nicht verwunderlich.
Julia Riedl, Politikwissenschaftlerin
Es mache sie traurig zu sehen, wie sehr sich junge Menschen von der Politik verlassen fühlten. Sie fordert von den Parteien nicht nur bessere Visionen für die Zukunft, sondern auch das Rückgrat, diese durchzusetzen.
Deetje Kräft berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio.
Über dieses Thema berichtete unter anderem das heute journal am 21.09.2026 ab 21:45 Uhr.
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