„Drova 2“: Der Magdeburger Indie-Hit bekommt einen Nachfolger
Wenn Spielestudios einen Nachfolger ankündigen, wird meist vor allem eines versprochen: höher, weiter, größer. Just2D geht mit „Drova 2: Torn Lands“ bewusst einen anderen Weg. „Ich würde jetzt nicht sagen, die Welt wird doppelt so groß“, sagt Christian Sandkämper, Geschäftsführer und Mitgründer des Magdeburger Indie-Studios. Der am Donnerstag angekündigte zweite Teil soll ungefähr so umfangreich werden wie der erste, dafür aber mehr Qualität und Tiefe bieten.
Just2D und Publisher Deck13 Spotlight haben das neue Rollenspiel zwei Jahre nach dem Release von „Drova: Forsaken Kin“ bei einem Presse-Event in Magdeburg angekündigt. Der erste Teil wurde eine Indie-Erfolgsgeschichte, wie es sie in Deutschland selten gibt: Das verschrobene, etwas eigenwillige Pixelart-Rollenspiel eifert „Gothic“ nach, ist bewusst fordernd und verzichtet auf komfortablen Schnickschnack wie Questmarker. Dafür hat es international viel Anerkennung bekommen und sich stark verkauft.
Mehr Tiefe statt mehr Fläche
heise online konnte in Magdeburg eine erste Version von „Drova 2“ anspielen und mit Sandkämper sprechen. Den Trend, Nachfolger vor allem über mehr Masse zu verkaufen, sieht Sandkämper kritisch: Qualität sei wichtiger als Quantität. Mehr Tiefe verspricht er unter anderem bei den Figuren: Sie sollen mehr Hintergrundgeschichte bekommen und nach einer erledigten Quest nicht einfach aus der Geschichte verschwinden, sagt Sandkämper.
Screenshots aus „Drova 2“ (7 Bilder)

Just2D
)Auch Feinschliff ist zu erwarten: „Drova 2“ sieht zum Beispiel hübscher aus und soll ein besseres Kampfsystem bekommen, weil das Team mit dem System aus Teil 1 nie ganz zufrieden war. Ein Combat Designer wird aktuell noch gesucht.
Mehr „Drova“, kein Neuanfang
Beim Anspielen fühlt sich „Drova II“ sehr vertraut an. Von ruppig-charmanten NPCs wird man unfreundlich in eine bodenständige Fantasy-Welt begrüßt, in der man nicht gleich irgendwelche weltverspeisenden Drachen bekämpft, sondern erst einmal Gemüse rupft. Es ist ein wunderbar uriger Einstieg, auch wenn es auf der Tutorial-Farm schon überraschend viele Viecher zu töten gilt. Es ist unverkennbar „Drova“.
Dabei arbeitete Just2D nach dem Release von „Drova“ zunächst an einem ganz anderen Projekt. Als sich abzeichnete, wie gut der Erstling ankommt, verwarf das Team die Pläne und entschied sich früh für eine Fortsetzung. Dahinter stecke nicht nur die finanzielle Komponente, sondern auch die Nachfrage der Fans, sagt Sandkämper. Und der Ehrgeiz: „Einen Hit zu kriegen, kann Glück sein. Einen zweiten Hit zu kriegen, das ist Können.“
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Hit war „Drova“ zweifellos, auch wenn Just2D keine Verkaufszahlen nennt. Fast 10.000 „sehr positive“ Bewertungen auf Steam sprechen eine klare Sprache. Laut Sandkämper kamen die meisten Käufer aus den USA und China, Deutschland folgt erst auf Platz drei. Den großen internationalen Erfolg habe das kleine und junge Team bis heute noch nicht so richtig realisiert, sagt Sandkämper.
Kleines Team, anderes Leben
Im Kernteam von „Drova“ arbeiteten zuletzt sieben Leute, aktuell sind es neun. Dazu kommen drei Studenten der Uni Magdeburg, an der die Gründer nebenbei als Dozenten arbeiten. Das Wachstum hat weniger mit Ehrgeiz zu tun als mit dem Leben selbst: Beim ersten Teil hätten alle ihr Privatleben hintangestellt. Das sei nicht mehr möglich: Mitarbeiter bekamen Kinder, die Arbeit muss auf mehr Schultern verteilt werden.
Damit bleibt Just2D der eigenen Linie treu: Im Interview mit heise online zum Release von „Drova“ hatte Sandkämper erklärt, man wolle bei einem kleinen, eingeschworenen Team bleiben, egal wie viel Geld man einnehme. Auch die Entwickler-Streams auf Twitch, mit denen das Team damals die Wochen rund um den Launch begleitete, sollen nach einem halben Jahr Pause nun zurückkehren. Dem Team ist es wichtig, die Community in die Entwicklung einzubeziehen.
„Drova 2: Torn Lands“ soll für PC und Konsolen erscheinen, einen Release-Termin gibt es noch nicht. Das Team spüre trotz der hohen Erwartungshaltung kaum Druck, sagt Sandkämper. „Solange wir das machen können, freuen wir uns“, sagt er. „Das Leben dreht sich, die Erde dreht sich weiter und wir genießen einfach diesen Moment.“
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.