Marktbericht: Elon Musk kauft US-Mobilfunklizenzen
Marktbericht
T-Aktie stürzt ab Elon Musk fordert die Telekom heraus
Stand: 09.10.2026 • 13:40 Uhr
Der Milliardär Elon Musk erwirbt landesweit US-Frequenzen und drängt in den Mobilfunkmarkt. Das bedroht das Geschäft nicht nur der Telekom-Tochter T-Mobile US. Die T-Aktie gerät massiv unter Druck.
Elon Musk macht Ernst - mit einem groß angelegten Frequenzkauf in den Vereinigten Staaten steigt der US-Milliardär in den US-Mobilfunkmarkt ein. Musks Weltraumfirma SpaceX vereinbarte dazu am Vortag den Kauf eines landesweiten Portfolios an Niederfrequenz-Spektren, um künftig Mobilfunkverbindungen direkt aus dem All auf Smartphones anzubieten. Verkäufer der 800-Megahertz-Frequenzen ist der Finanzinvestor Grain Management, der sein Portfolio vollständig abgibt. Finanzielle Details wurden nicht genannt.
Technische Hürde überwunden
Mit dem Dienst Starlink bietet Musks Weltraumfirma SpaceX derzeit schnelles Internet direkt von Satelliten aus dem All an. Für den Empfang auf der Erde ist bisher aber ein Empfangsgerät mit eigener Antenne notwendig - und zudem wird klare Sicht zum Satelliten benötigt. Mit den nun erworbenen Lizenzen hingegen könne man das Signal auch durch Wände senden und herkömmliche Geräte wie Smartphones versorgen, hieß es von SpaceX.
Mit dem Zukauf überwindet SpaceX eine der größten technischen Hürden für satellitengestützte Mobilfunknetze. Die neuen Frequenzen sollen das bestehende globale 2-Gigahertz-Spektrum von Starlink Mobile ergänzen, das für hohe Bandbreiten ausgelegt ist. Das Geschäft muss noch von der US-Kommunikationsbehörde FCC genehmigt werden.
Vor einigen Tagen gab die FCC SpaceX bereits grünes Licht, 15.000 Satelliten ins All zu bringen, die für Mobilfunkverbindungen im Zwei-Gigahertz-Bereich optimiert sind. Dieses Frequenzspektrum hatte sich Starlink im vergangenen Jahr weltweit für 19,6 Milliarden Dollar gesichert.
"Wir gehen davon aus, dass SpaceX ein äußerst attraktives Paket aus Starlink-Breitband und -Mobilfunk anbieten wird", schrieben die Analysten des Research-Hauses William Blair. Sie halten es sogar für möglich, dass die Künstliche Intelligenz (KI) "Grok" der SpaceX-Sparte xAI darin enthalten sein werde.
Ein Sprecher des Mobilfunkanbieters Verizon versuchte, die Sorgen der Anleger zu zerstreuen. "Dieses Unternehmen mag zwar über eine Vielzahl an Frequenzen verfügen, aber ohne ein entsprechendes Mobilfunknetz spielt das keine Rolle. Es sind einfach nur ungenutzte Funkfrequenzen." Dem Analysten Graham Hunt von der Investmentbank Jefferies zufolge könnte sich Starlink als weiterer Kunde bei Mobilfunkmasten-Betreibern wie American Tower einmieten. Deren Aktien legten in den USA nachbörslich zu.
Schockwellen durch die Branche
Derweil klingeln bei den Anbietern rund um die Telekom-Tochter T-Mobile US die Alarmglocken, denn es droht ein noch heftigerer Preiskampf auf dem US-Mobilfunkmarkt als ohnehin schon.
Auch an der Börse herrscht viel Unruhe. Die Aktienkurse der etablierten Konkurrenz gerieten nach Bekanntgabe des Geschäftes massiv unter Druck. Die Telekom-Tochter T-Mobile US gab nachbörslich an der Nasdaq sieben Prozent nach. Auch die Papiere der US-Konkurrenten Verizon und AT&T verlieren in ähnlicher Größenordnung. Der Stoxx-600-Telekom-Index der größten europäischen Telekommunikationsunternehmen gibt ebenfalls deutlich um rund drei Prozent nach.
Telekom am DAX-Ende
Auch die Papiere der Telekom sind im DAX betroffen und zieren das Index-Ende. Die im deutschen Leitindex hoch gewichtete Aktie verliert gegen den allgemeinen Trend ebenfalls über sechs Prozent. Damit deutet sich der größte Tagesverlust seit über drei Jahren an. Für die Telekom ist das US-Geschäft zuletzt immer wichtiger geworden - T-Mobile US gilt als profitabelste Tochter im Konzern und einziger echter Wachstumstreiber. Das deutsche Geschäft ist hingegen vor allem bei ausländischen Investoren wenig gefragt.
Dies wurde deutlich, als Telekom-Chef Tim Höttges jüngst eine mögliche Zusammenführung des deutschen Geschäfts mit dem 54-prozentigen Mehrheitsanteils der Telekom an T-Mobile US durchspielen ließ - was bei Investoren nicht gut ankam. Hintergrund der Überlegungen war es, mit einer über 300 Milliarden Dollar schweren Holding die Börsenbewertung zu steigern.
DAX erholt sich wieder
Der DAX hat derweil am Mittag die runde Marke von 25.000 Punkten wieder überwunden, die erst gestern unterschritten wurde. Rückenwind kommt von einem rückläufigen Ölpreis, nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, den Iran vor den Kongresswahlen im November nicht angreifen zu wollen.
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