UN-Ermittler sehen Hinweise auf US-Kriegsverbrechen im Iran
Bei US-Angriffen im Iran sind nach Erkenntnissen einer unabhängigen UN-Untersuchungsmission mindestens 178 Zivilisten getötet worden. Die vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzten Ermittler sehen "hinreichende Anhaltspunkte" dafür, dass die USA dabei das Kriegsverbrechen "wahlloser Angriffe" mit Todesfolge für Zivilisten begangen haben könnten.
Im Mittelpunkt des Berichts stehen zwei Angriffe zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Die USA und Israel hatten damals gemeinsam massive Angriffe auf den Iran begonnen. Die UN-Kommission will ihren Bericht am Montag dem Menschenrechtsrat in Genf vorstellen.
Ermittler untersuchen Angriff auf Grundschule
Besonders viele Menschen starben bei einem US-Angriff auf eine Grundschule in Minab im Süden des Iran. Nach Angaben der Kommission wurde die "eindeutig identifizierbare" Schule mit Tomahawk-Marschflugkörpern getroffen.
Die verschiedenen Angaben zur Zahl der Opfer unterscheiden sich. Die Kommission verweist auf unabhängige Berichte, nach denen insgesamt 157 Menschen getötet wurden. In anderen Teilen des Berichts ist von mehr als 150 Toten die Rede, darunter rund 120 Mädchen und Jungen. Iranische Behörden sprechen von 168 getöteten Schülerinnen.

Nach Einschätzung der Ermittler stützten sich die US-Streitkräfte bei dem Angriff nicht nur auf veraltete Informationen. "Die USA haben den Angriff auf das Gebäude der Schule unter Bewusstsein eines erheblichen Risikos angeordnet, ein ziviles Objekt zu treffen und fahrlässig gehandelt", heißt es in dem Bericht.
Anfragen der Kommission an das US-Militär zu dem Vorfall blieben demnach unbeantwortet.
Auch zweiter US-Angriff wirft Fragen auf
Auch ein US-Angriff auf die südiranische Stadt Lamerd wird von den Ermittlern als mögliches Kriegsverbrechen bewertet. Getroffen wurden demnach ein Sportkomplex und ein angrenzendes Wohngebiet. 22 Zivilisten kamen ums Leben. Auch dieses Gebiet sei eindeutig als ziviles Gebiet erkennbar gewesen.

Internationale Medien berichteten bei diesem Angriff über den Einsatz neuartiger US-Munition. Demnach explodierte ein Geschoss in der Luft und verteilte Schrot aus Wolfram über ein größeres Gebiet. Auch Fragen der UN-Kommission zu diesem Angriff seien vom US-Militär nicht beantwortet worden.
Ermittler werfen Teheran Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor
Scharfe Vorwürfe erhebt die Kommission zugleich gegen die iranische Führung. Die gewaltsame Unterdrückung der Protestbewegung, die Ende 2025 begann und sich 2026 fortsetzte, habe Verbrechen gegen die Menschlichkeit dargestellt.
Die staatliche Repression sei von Massenmorden, zahlreichen Verletzten und Verhaftungswellen geprägt gewesen. In allen 31 Provinzen des Landes seien Menschen durch staatliche Sicherheitskräfte getötet worden. Die Behörden hätten den Einsatz repressiver Gesetze, tödlicher Gewalt und der Todesstrafe "als Mittel der Einschüchterung und Kontrolle" ausgeweitet.

Nach Erkenntnissen der Kommission positionierten sich Sicherheitskräfte unter anderem auf Dächern und schossen mit Sturmgewehren in Menschenmengen. Auch Luftgewehre und Metallschrot seien eingesetzt worden. Demonstranten hätten dadurch schwere Verletzungen an Kopf, Brust und Augen erlitten.
Mindestens 221 Kinder wurden nach Angaben einer von der Kommission zitierten Menschenrechtsorganisation bei der Niederschlagung der Proteste getötet. Einige von ihnen waren demnach erst zwei Jahre alt.
Sicherheitskräfte greifen medizinische Einrichtungen an
Auch medizinische Einrichtungen gerieten laut Bericht ins Visier der Sicherheitskräfte. Verwundete Demonstranten seien dort geschlagen, medizinische Fachkräfte festgenommen worden. Dadurch hätten Patienten teilweise keine lebensrettende Behandlung mehr erhalten können.

Wie viele Menschen insgesamt bei der Niederschlagung der Proteste ums Leben kamen, konnte die Kommission nach eigenen Angaben bislang nicht unabhängig feststellen. Sie sieht jedoch gute Gründe für die Annahme, dass die tatsächliche Zahl deutlich über der offiziellen Regierungsangabe von 3038 Toten liegt. Einige westliche Diplomaten gehen von fast 20.000 Todesopfern aus.
UN-Experten fordern Aufarbeitung der Verbrechen
Die Experten beschreiben die iranische Zivilbevölkerung als gefangen "zwischen schweren Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch ihre eigene Regierung und dem tödlichen Konflikt des Landes mit den USA und mit Israel".
Sie rufen die 47 Mitgliedstaaten des UN-Menschenrechtsrats dazu auf, auf ein Ende des Iran-Kriegs hinzuwirken. Verantwortliche für mögliche Kriegsverbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem fordern die Ermittler die Staaten auf, Menschen aus dem Iran Schutz und Asyl zu gewähren.
Die unabhängige internationale Untersuchungsmission zum Iran war 2022 vom UN-Menschenrechtsrat eingerichtet worden. Weder die USA noch der Iran oder Israel gehören dem Gremium derzeit an.
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