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Wednesday, September 23, 2026

Was hinter Xi Jinpings Reisefieber steckt

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Xi Jinping reist in die USA und trifft Donald Trump. Beim Treffen soll es um den Handels- und Zollstreit, den Iran-Krieg und den russischen Angriffskrieg gehen. Auch KI soll zum Thema werden.

21.09.2026 | 0:23 min

Von Januar bis Juni dieses Jahres hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping genau eine Auslandsreise gemacht: Er war Anfang Juni in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Seit der Corona-Pandemie reist Xi nur noch selten - er sieht es lieber, wenn ausländische Staatsgäste sich in Peking die Klinke in die Hand geben.

Wie die Kaiser in vergangenen Zeiten empfängt die Kommunistische Partei andere Staatenlenker lieber mit viel Pomp zu Hause, auch um dem eigenen Volk Chinas wachsende Bedeutung zu zeigen. Doch seit Ende August jagt in Xis Kalender eine Auslandsreise die nächste: Kirgisistan, Ägypten, Indien, und diese Woche geht es in die USA. Drei Gründe, warum Xi gerade so viel in der Welt unterwegs ist wie seit sieben Jahren nicht.

Nordkorea sei Chinas Pufferzone zu Südkorea. Die dort stationierten US-Soldaten möchte Peking auf keinen Fall in seiner Grenzregion haben, erklärt ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer.

08.06.2026 | 5:46 min

1. Es geht um die globale Führungsrolle.

Xi Jinping neben dem indischen Premierminister Narendra Modi, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und sieben weiteren Männern. Alle mit einem Holzstab in der Hand, an dessen Ende eine goldene Schaufel befestigt ist. Jeder pflanzt einen Banyanbaum, als Symbol für Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit und eine gemeinsame Zukunft. So präsentierte sich Xi beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi.

Mit seiner Teilnahme, ebenso wie am Treffen der Mitgliedsstaaten der Shanghai Cooperation Organization, verleiht Chinas Parteichef diesen Bündnissen Gewicht. Es sind Bausteine seiner alternativen Weltordnung, einer Weltordnung, die nicht mehr von den USA angeführt wird, wie Lin Minwang, stellvertretender Direktor des Zentrums für Südasienstudien an der Fudan-Universität in Shanghai, erklärt.

Die BRICS-Staaten und wichtige Länder des Globalen Südens möchten ihre Abhängigkeit von der Vormachtstellung der USA verringern, zum Beispiel im Bereich Finanzwesen.

Lin Minwang, Südasienwissenschaftler

Laut Peking ist die Shanghai Cooperation Organization (SCO) von ursprünglich sechs Mitgliedsstaaten (China, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Usbekistan) inzwischen auf zehn Mitgliedsländer, 15 Austauschpartner und zwei Beobachter angewachsen. Die Organisation repräsentiert nicht nur fast die Hälfte der Weltbevölkerung, sondern auch ein Fünftel der Ölreserven, mehr als 40 Prozent des weltweiten Erdgases und einen überwältigenden Teil der seltenen Erden.

Das ursprünglich primär sicherheitspolitisch ausgerichtete Bündnis verfolgt inzwischen auch ökonomische und entwicklungspolitische Interessen. Für Peking soll es der Welt vor allem eine Alternative zu westlichen Allianzen anbieten und zeigen, wie eine internationale Ordnung aussehen könnte, die nicht mehr von den USA angeführt wird.

Xi sendet mit seiner Teilnahme an internationalen Treffen auch eine Botschaft ans eigene Volk. Chinas staatlich kontrollierte Medien berichten von Lobeshymnen anderer Staatschefs auf Xi. "Unter Xis Führung hat China kontinuierlich große Entwicklungsmeilensteine erreicht und kann den globalen Herausforderungen mit Zuversicht begegnen", wird dort zum Beispiel der usbekische Präsident zitiert.

Während die EU über Russland berät, trifft der russische Präsident Putin seinen chinesischen Amtskollegen Xi. Die ZDF-Korrespondenten Felix Klauser und Isabelle Schaefers berichten.

01.09.2026 | 2:14 min

Peking präsentiert sich als verlässlicher Partner in Sachen Handel, Investitionen und globale Führung. Dazu muss Xi gar nicht sonderlich viel tun, um im Kontrast zu Donald Trump und seinem Vorgehen in Iran, Venezuela oder Grönland als vernünftigere Alternative zu wirken.

2. Es ist eine Werbetour für die KI-Vorherrschaft im Wettrennen mit den USA.

Auf der Gesprächsliste für Xi und Trump stehen jede Menge Themen: Handel, Zölle, Taiwan, Naher Osten, Ukraine - und ein fett gedrucktes: Künstliche Intelligenz (KI). Die war auch bei allen Reisen von Chinas Staatschef im Vorfeld ein Thema. Beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi initiierte Peking eine "BRICS-KI-Open-Source-Zone". Über diese Plattform für frei zugängliche Software sollen die Mitgliedsländer bei KI und großen Sprachmodellen enger zusammenarbeiten.

Die Abkürzung BRICS steht für die Anfangsbuchstaben der ersten fünf Mitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Iran, Ägypten, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Indonesien sind ebenfalls Mitglieder. Auch Saudi-Arabien nimmt an den Treffen teil. Die Gruppe versteht sich als Gegengewicht zu westlichen Bündnissen. Im kommenden Jahr wird China den BRICS-Vorsitz übernehmen.

Denn während Europa darüber diskutiert, wie oder wann eine sich verselbstständigende KI die Existenz der Menschheit bedrohen könnte, liefern sich Washington und Peking ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Vorherrschaft im Bereich dieser neuen Technologie. Im Gegensatz zu den USA bieten chinesische Firmen ihre KI-Modelle meist kostenlos oder kostengünstig an und machen sie somit besonders interessant für weniger kaufkräftige Länder, die mit Chinas KI-Modellen gleich auch Pekings politische Perspektive importieren.

Chinas totale Kontrolle gilt als Albtraum. Doch wie sieht das Leben unter Dauerüberwachung wirklich aus? Von mutigem Widerstand gegen ein scheinbar übermächtiges System.

21.08.2026 | 14:32 min

3. Xi kann dem US-Präsidenten mit breiten Schultern begegnen.

Xi will von US-Präsident Donald Trump auf Augenhöhe empfangen werden. Dazu kann es nicht schaden, mit seinen Reisen vorher seine diplomatische Reichweite in Eurasien und im Globalen Süden zu demonstrieren. Und sich mit Staatenlenkern wie Modi oder Putin getroffen zu haben, wie Mikko Huotari, Direktor Mercator-Institut für China-Studien, sagt:

Damit signalisiert er auch in Washington: Wir haben Alternativen.

Mikko Huotari, Direktor Mercator-Institut für China-Studien

Trump habe das Verhältnis zwischen Peking und Washington verändert, sagt Xing Yue, Direktorin des Zentrums für chinesische Außenpolitik der Tsinghua-Universität. "Früher hatten die chinesisch-amerikanischen Beziehungen für uns oberste Priorität. Jetzt versuchen wir zu verhindern, dass sich die chinesisch-amerikanischen Beziehungen zum schlimmstmöglichen Szenario verschlechtern. Deshalb müssen wir weltweit Freunde gewinnen und unseren Horizont erweitern."

In Pjöngjang haben sich der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un und Chinas Staatspräsident Xi getroffen. China ist einer der wenigen Verbündeten des international weitgehend isolierten Landes.

08.06.2026 | 1:43 min

Manche bezweifeln, dass Peking es überhaupt nötig hat, mit dieser Liste an alternativen Partnern nach Washington zu reisen. Es gäbe genug Gründe, selbstbewusst aufzutreten, sagt Lin Mingwang von der Fudan-Universität. "Als Trump der Welt den Handelskrieg erklärte, hat China auch keine anderen Länder um Unterstützung gebeten. Das war nicht nötig. China war selbst stark genug, um auf Trumps Handelskrieg zu antworten."

Für Chinas wichtigsten europäischen Handelspartner Deutschland ist übrigens besonders interessant, welche Weltregion in Xis ausgebuchten Reise-Tagebuch gerade nicht vorkommt: Europa. Wenn die globale Weltordnung neu aufgeteilt wird, der "Westen" nicht mehr so geschlossen zueinander hält, wie vor Trumps zweiter Amtszeit - in welcher Mannschaft wird Europa zukünftig spielen? Xis Reiseroute verweist die EU auf die Zuschauerränge, während zukunftsweisende Technologie und Weltpolitik in China und den USA gemacht werden.

Miriam Steimer ist als Korrespondentin und Studioleiterin des ZDF-Studios Ostasien u.a. für die Berichterstattung aus China, Japan, Korea und den Philippinen zuständig.

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