Der "Tatort" im Schnellcheck: Köln von unten

Von Ingo Scheel
Auch im Schatten des Doms werden die "Tatort"-Ermittlungen wieder aufgenommen. Auf dem Papier ist "Die letzten Menschen von Köln" ein Kammerspiel im Prepper-Milieu, Ballauf und Schenk ahnen bald, dass mehr dahintersteckt.
Was passiert?
Elara Schmidtke (Katharina Schüttler) ist ein einziges Nervenbündel. In aller Herrgottsfrühe packt sie ihren Rucksack mit dem Nötigsten und versucht verzweifelt - und am Ende vergebens -, ihren Bruder Linus zu erreichen. Ursprünglich sollte er sie begleiten, jetzt muss sie diesen schweren Weg allein antreten. Die junge Frau hat ein Survival-Seminar gebucht. Mit einer kleinen Gruppe von Teilnehmern geht es unter die Erde, wo ohne Tageslicht und äußere Einflüsse das Überleben im Katastrophenfall trainiert werden soll. Coach Moritz Zechmann (Florian Stetter) hat sich ein spektakuläres Szenario ausgedacht - es wird von einem russischen Atombombenanschlag auf Düsseldorf ausgegangen.
Tatsächlich entwickeln sich die Dinge auch ohne derlei Bedrohung dramatisch, denn Linus wird tot aufgefunden. Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) nehmen die Ermittlungen auf und kommen bald Elara Schmidtke auf die Spur, die wiederum auch zu Zechmanns Ehefrau Nina (Katrin Wichmann) führt, die einen verstört-verdächtigen Eindruck macht. Die Frage aller Fragen: Wie hängt das alles miteinander zusammen - und was hat es mit der Geisterfrau auf sich, die durch die unterirdischen Gänge spukt?
Worum geht es wirklich?
In einem konventionellen Themen-"Tatort" wäre dem Zuschauer wohl die Prepper-Szene detailliert vor Augen geführt worden. Das Autoren-Duo weiß um diese Fußangeln und konzentriert sich auf die Ausgewogenheit zwischen dem unterirdischen Kolorit samt seiner schrägen Protagonisten und der tragischen Geschichte rund um die Geschwister Schmidtke.
Nach den Köln-Klassikern "Siebte Etage" (2024) und "Colonius" (2025) erweist sich "Die letzten Menschen von Köln" vielleicht nicht als ganz so rund, unterhaltsam ist der Fall dennoch. Klaus J. Behrendt über die Dreharbeiten im ehemaligen Bunker: "Es war sehr beklemmend, sehr kalt und dunkel. Ein Atomschutzbunker aus dem Kalten Krieg, mit Platz für mehr als 2000 Menschen. Die Nahrungsmittel und das Wasser hätten für 14 Tage gereicht. Und dann? Ehrlich gesagt will ich gar nicht in so einem Teil landen."
Wegzapp-Moment?
Wer klaustrophobisch veranlagt ist, sucht am Sonntagabend vielleicht anderweitig nach entspannendem Entertainment, wobei - so richtig eng wird es auch in den Gängen unter der Stadt nicht, selbst der dramatisch ausgewiesene "Leichenkeller" ist nicht so finster wie er gern wäre.
Wow-Faktor?
Och, na ja, so ein entzücktes "Wow!" entlockt der 96. Kölner "Tatort" eher nicht, aber es könnte ja auch Sinn machen, nach der laaaangen Sommerpause die Spannung behutsam aufzubauen. Das Jahr ist noch lang genug für den entsprechenden Zuwachs in Sachen Wow-Faktor, solide Spannung gab es allemal, mit Katharina Schüttler ein adäquates Drama, dazu Vicky Leandros als Soundtrack - Krimiherz, was willst du mehr?
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