Autor wegen KI von Preis ausgegrenzt – Gewinner gibt Nutzung zu

- Philippe Jaenada hat den Prix Goncourt gewonnen und räumt im Radio die Nutzung von KI ein.
- Thélyson Orélien wurde zuvor wegen KI-Vorwürfen ausgeschlossen.
- Die Diskussion wurde in Frankreich zum Politikum.
Der Prix Goncourt ist der höchste französische Literaturpreis. In den vergangenen Monaten sorgte er für Aufsehen, weil ein Autor von seiner Liste gestrichen wurde. Ihm wurde vorgeworfen, KI für sein Buch verwendet zu haben.
Thélyson Orélien bestritt dies bis zuletzt. Er musste jedoch seine Tourneen absagen und wurde schliesslich von seinem Verlag verlassen. Mittlerweile hat Philippe Jaenada den Prix Goncourt gewonnen. Einen Tag nach seinem Sieg gab er im Radio zu, KI benutzt zu haben.
Jaenada nutzte KI, um mit dem Leser zu «spielen»
Philippe Jaenada hat für sein Buch «L’Inconnue du quai de Javel» (Die Unbekannte vom Quai de Javel) am Dienstag den Prix Goncourt gewonnen. Am Mittwoch erklärte er gegenüber dem Radiosender France Inter, er habe beim Schreiben des Romans «dreimal» auf künstliche Intelligenz zurückgegriffen.
Als Erstes, so sagte er, habe er einen von ChatGPT verfassten Satz eingeschmuggelt, um «mit dem Leser zu spielen». Er habe nur den Mitgliedern der Goncourt-Jury am Tag der Preisverleihung verraten, um welchen Satz es sich handele.
Ausserdem fügte er einen Abschnitt mit KI-generiertem Text hinzu, um sich über ChatGPT lustig zu machen – das «völlig absurde Antworten zu einem technischen Detail» lieferte. Zudem nutzte er KI zu Forschungszwecken.
«Ich glaube nicht, dass man die KI aufhalten kann. Wir können nicht so tun, als gäbe es sie nicht», sagte der 62-jährige Jaenada. «Man muss sie nutzen – aber zuerst muss man sie anerkennen und vor allem muss man sie zähmen. Sie muss nützlich sein.»
Orélien bestreitet KI-Nutzung
Die Jury hatte zuvor Thélyson Oréliens Buch «C’était ça ou mourir» (Entweder das oder sterben) aus dem Wettbewerb ausgeschlossen. Der Kanadier mit haitianischen Wurzeln hatte zuvor einen guten Lauf. Er verkaufte 35’000 Exemplare seines Buches und gewann einen anderen Preis.
Der rechtsgerichtete, «anti-woke» Journalist Samuel Fitoussi hat Oréliens Buch durch einen KI-Detektor gejagt und ist zum Schluss gekommen, dass ein Grossteil davon mit KI generiert worden war. Die Akademie hinter der Preisverleihung sprach später von mehreren Analysen von Forschern und Journalisten, die zum selben Schluss gekommen seien.
Was hältst du von KI in Büchern?
Orélien stritt die Vorwürfe als «Verleumdung und Ketzerei» ab und fügte hinzu, dass «kein einziger Satz in diesem Buch von einer Maschine verfasst wurde». Er behauptet, das Buch 2017 angefangen und 2019 beendet zu haben. KI wurde im November 2022 für die Massen zugänglich gemacht. Orélien gestand gleichzeitig jedoch ein, früher Plagiate von anderen Autoren gemacht zu haben. Der Autor musste seither seine Tourneen absagen und wurde von seinem Verlag – der ihn erst verteidigt hatte – verlassen.
Rassistische Motivation hinter Kampagne gegen Orélien?
Der Rauswurf von Orélien war in Frankreich bereits vor Jaenadas Sieg heftig diskutiert worden. Es wurde zum Politikum, einem weiteren Streitpunkt zwischen Links und Rechts. Die Linken sahen Rassismus dahinter. Mit Jaenadas Geständnis fühlen sie sich in ihrer Ansicht gestärkt. «Wenn es also ein alter, weisser Mann ist, ist [die Nutzung von KI] in Ordnung, aber wenn es ein junger, schwarzer Autor ist, wird er auf dem öffentlichen Platz gesteinigt?», schrieb ein Nutzer auf X.
Ein anderer merkte an, Jaenada sei wegen seiner Nutzung von KI «keinem Medienlynchmord und keiner Verbannung» ausgesetzt gewesen – «eine Nachsicht, die Thélyson Orélien verwehrt blieb». Es gilt jedoch zu bedenken, dass die KI-Nutzung, die Jaenada eingestanden hat, sich in der Art und im Ausmass von derjenigen unterscheidet, die Orélien vorgeworfen wird.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?
Hier findest du Hilfe:
GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.
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