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Friday, November 6, 2026

Für «perfekte Form» ritzt sich Looksmaxxer (15) Augenwinkel ein

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Tief liegende, mandelförmige Augen, wenig sichtbares Oberlid und ein geringer Abstand zur Braue – so sieht die perfekte Augenform aus, wenn man sich am Idealbild der Looksmaxxer orientiert. Den Namen geben sich meist junge Männer, die ihr Aussehen gezielt «maximieren» wollen, weil sie Attraktivität als Schlüssel zu Status, Erfolg und Dating sehen. Als Vorbilder in Sachen Augenform gelten in der Szene oft Schauspieler wie Chris Hemsworth, Robert Pattinson oder Brad Pitt. Sie haben die sogenannten Hunter Eyes (deutsch: Jägeraugen), die sich viele wünschen.

Wie stark setzen dich Schönheitsideale auf Social Media unter Druck?

Um den Blick zu erreichen, greifen einige zu extremen Massnahmen. Der nach eigenen Angaben erst 15-jährige User Tesarossa kündigte in einem Looksmaxxing-Forum an, seine Augenform verändern zu wollen. Wenig später zeigt der Teenager aus den USA in einem Video, wie er mit einer Klinge seinen inneren Augenwinkel ein Stück weit einritzt, um das Auge länglicher erscheinen zu lassen. Er postet dazu eine Art Anleitung. «Ich wollte damit anderen helfen, die auch mit ihrer Augenform kämpfen», sagt er gegenüber 20 Minuten.

Tesarossa ist mit seinem Wunsch nicht allein. In Foren und auf Tiktok finden sich unzählige Videos, die als Tutorial vermarktet werden, wie man zu Hunter Eyes kommt. Darunter vor allem Videos, in denen User auf eine bestimmte Art blinzeln – und viele Clips, in denen Dermatologen erklären, dass Blinzeln allein nicht die Augenform ändern kann.

Was hat Looksmaxxing mit der Manosphere zu tun?

Die Manosphere ist ein Sammelbegriff für verschiedene Online-Communitys rund um Männlichkeit, Dating und Geschlechterrollen. In Teilen dieses Netzwerks werden frauenfeindliche und antifeministische Ansichten verbreitet. Dazu gehören auch Incel-Communitys. Incel steht für «involuntary celibate», also unfreiwillig zölibatär. In diesen Gruppen machen Männer teils Frauen pauschal dafür verantwortlich, dass sie keinen Sex oder keine Beziehung haben.

Looksmaxxing ist laut Lea Stahel, Soziologin und Expertin für Online-Radikalisierung, besonders in Incel-Communitys verbreitet. In diesen Onlinewelten soll ein bestimmtes Aussehen darüber entscheiden, wie erfolgreich ein Mann ist. «Wer dieser Norm entspricht, gewinnt an Status», erklärt Stahel gegenüber 20 Minuten. Wer nicht dazugehöre, stehe in der Hierarchie weiter unten. «Die Position in dieser Statushierarchie – in diesem Narrativ ihr ‹Marktwert› – dient den Looksmaxxern als Erklärung für vieles, was jungen Männern wichtig ist: Erfolg im Job, bei Frauen, und so weiter.»

Solche Inhalte erreichen auf Tiktok inzwischen auch Menschen ausserhalb dieser Communitys. Problematisch wird es laut Stahel, wenn Aussehen nicht mehr als ein Faktor unter vielen gilt, sondern den eigenen Wert und die Lebenschancen bestimmen soll: «Looksmaxxing ist hier der Versuch, vermeintliche biologische Nachteile zu überwinden.»

«Hunter Eyes» werden im Ausland bereits operiert

Andernorts wird der Wunsch nach Hunter Eyes längst als medizinisches Angebot verkauft. Das Männermagazin «GQ» berichtete kürzlich über einen Schönheitschirurgen in New Jersey, der ein Hunter-Eyes-Paket für 30’000 bis 40’000 Dollar anbietet. Der Arzt sagte dem Magazin, er führe mittlerweile 40 bis 50 solcher Eingriffe pro Jahr durch. Auch in der Türkei werben Kliniken mit Hunter-Eyes-Operationen. Hinter den Begriffen stehen verschiedene Eingriffe rund um Lider, Brauen und Augenwinkel, die den Blick schmaler und stärker geneigt wirken lassen sollen.

Im Gegensatz zu den Jägeraugen stehen Prey Eyes, also Beuteaugen. Diese Form sollte in den Augen von Looksmaxxern unbedingt vermieden werden.

Im Gegensatz zu den Jägeraugen stehen Prey Eyes, also Beuteaugen. Diese Form sollte in den Augen von Looksmaxxern unbedingt vermieden werden.20Min/Gloria Karthan

«Wir lehnen solche Patienten ab»

Einem jungen Patienten mit einem solchen Wunsch würde die Gentlemen’s Clinic in Zürich von einer Behandlung abraten. «Viele kommen mittlerweile mit KI-bearbeiteten Bildern, um zu zeigen, wie sie gerne aussehen würden. Doch wenn Erwartungen und Realität zu weit auseinanderliegen, lehnen wir den Patienten ab», sagt Dr. med. Hakan Atas, Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie.

Nach Hunter Eyes oder männlicher wirkenden Augen habe dort bisher noch niemand gefragt. Augenlidkorrekturen biete die Klinik zwar an. Dabei gehe es aber darum, einen früheren Zustand wiederherzustellen: «Die Patienten bei diesem Eingriff sind typischerweise deutlich älter. Ihre Lider haben nicht immer so gehangen. Es geht darum, diese überschüssige Haut wieder zu entfernen», erklärt Atas. «Eine verstärkte Nachfrage von Jungen bemerken wir in diesem Bereich nicht.»

Über die Experten

Dr. Lea Stahel ist Soziologin und Expertin für Online-Radikalisierung.

Dr. med. Hakan Atas ist Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie bei der Zürcher Gentlemen’s Clinic.

Dr. med. Adib Moharram-Zadeh ist Facharzt für Augenheilkunde bei den Pallas Kliniken.

Tesarossa, der selbst Hand angelegt hat, berichtet, nach dem Selbstversuch keine Schmerzen oder sonstigen Beschwerden bemerkt zu haben. Wehgetan habe es nur, während er die Klinge ansetzte – «etwa eine Sieben von zehn». Auch darüber, dass andere sich bei der Prozedur möglicherweise verletzen könnten, macht er sich keine Sorgen: «In meiner Anleitung habe ich geschrieben, sie mit Vorsicht zu geniessen.  Man solle noch selbst recherchieren. Falls sich jemand beim Nachmachen verletzt, sehe ich das eher als Anwenderfehler.»

Wenn sich das Auge nicht mehr richtig schliesst

Augenarzt Dr. med. Adib Moharram-Zadeh warnt: «Selbstverletzungen im Bereich der Augenlider und Augenwinkel bergen extrem hohe medizinische Risiken, selbst wenn die Schnitte zunächst harmlos oder rein oberflächlich erscheinen. Mögliche Folgen sind Verletzungen des Augapfels, ein gestörter Tränenabfluss und schwere Infektionen. Entstehende Narben können laut ihm zudem dazu führen, dass das Lid nicht mehr richtig sitzt.

Der Facharzt erklärt: «Die Lider agieren als Schutzbarriere und als Pflege- und Wartungssystem für die Augenoberfläche.» Sie schützen laut Dr. Moharram-Zadeh vor Fremdkörpern und Austrocknung und helfen, den für scharfes Sehen wichtigen Tränenfilm zu verteilen. «An den Augenwinkeln stabilisieren Bänder die Lider. Am inneren Augenwinkel befinden sich zudem die kleinen Öffnungen für den Tränenabfluss.»

Auch professionelle Schönheitsoperationen bergen laut Dr. Moharram-Zadeh Risiken, darunter einen unvollständigen Lidschluss – das Auge schliesst nicht mehr richtig. «Auch trockene Augen, ein herabhängendes oder nach aussen gekipptes Lid können auftreten. Hinzu kommen mögliche Asymmetrien, sichtbare Narben, Nachblutungen, Infektionen und Doppelbilder.»

Bist du schon einmal mit der Manosphere in Berührung gekommen? Erzähl uns davon!

Malin Mueller

Malin Mueller (mmu) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Sie ist stellvertretende Leiterin Lifestyle und Beauty-Redaktorin. Ihr Fokus: Hautpflege, Frisuren und Trend-Checks.

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