Großbritannien bietet Deutschland Kampfjet-Kooperation an
Nach dem Scheitern des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS könnte Großbritannien zum neuen Partner Deutschlands werden. Premierminister Andy Burnham bot Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Antrittsbesuch in Berlin an, sich an einem gemeinsamen Kampfjet-Programm mit Italien und Japan zu beteiligen.
Das sogenannte Global Combat Air Programme (GCAP) sieht die Entwicklung eines Tarnkappen-Kampfjets vor. Dieser soll langfristig die japanischen F-2-Kampfflugzeuge sowie die britischen und italienischen Eurofighter ersetzen.
Noch keine Entscheidung über Kampfjet-Projekt
Eine Entscheidung über einen deutschen Einstieg ist nicht gefallen. Aus Regierungskreisen hieß es, die Verteidigungsministerien sollten Möglichkeiten einer Zusammenarbeit prüfen. Berlin befinde sich in einem "sehr frühen Stadium der Neuevaluierung der Optionen".
Das deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS war im Juni nach jahrelangen Streitigkeiten gescheitert. Beide Seiten konnten sich nicht auf die Bedingungen einigen. Seitdem sucht Berlin nach Alternativen. Bislang galt eine Kooperation von Airbus mit dem schwedischen Rüstungsunternehmen Saab als wahrscheinlichste Lösung.
Burnham wirbt für Annäherung an die EU
Neben der Verteidigungszusammenarbeit setzt Burnham auf eine engere Anbindung Großbritanniens an die Europäische Union. Rund zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum sprach er sich dafür aus, die Beziehungen zur EU auszubauen.

Er setze sich dafür ein, bei einem für November geplanten EU-Großbritannien-Gipfel Fortschritte zu erzielen. Dabei solle geprüft werden, wie sein Land wieder näher an Europa herangeführt werden könne, sagte Burnham.
Als mögliche Bereiche nannte er die Wirtschaftspolitik und das Vorgehen gegen irreguläre Migration. Zu einer Rückkehr Großbritanniens in die EU äußerte er sich in Berlin nicht. Erst in der vergangenen Woche hatte er als erster britischer Premierminister seit dem Brexit eine erneute Mitgliedschaft ins Spiel gebracht.
Deutsch-britischer Freundschaftsvertrag tritt in Kraft
Auch die bilateralen Beziehungen sollen gestärkt werden. Merz und Burnham setzten dazu den sogenannten Kensington-Vertrag in Kraft. Der 27 Seiten umfassende Freundschaftsvertrag war bereits im Juli 2025 von Merz und Burnhams Vorgänger Keir Starmer in London unterzeichnet worden.
Der Vertrag soll die Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik, der Wirtschaft und der Bildung vertiefen. Auch die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und irregulärer Migration gehört dazu. Ein Aktionsplan mit 17 Punkten enthält konkrete Vorhaben.

Merz sprach von einem "historischen" Tag. "Dieser Vertrag eröffnet Großbritannien und Deutschland neue Möglichkeiten in der Zusammenarbeit", sagte der Bundeskanzler.
Besonders hob er die Erleichterungen für junge Menschen hervor. Schülerinnen und Schüler sollen künftig auch bei längeren Klassenfahrten und Austauschprogrammen ohne Visum nach Großbritannien reisen können. Auch für Studierende sind Erleichterungen vorgesehen. Zudem planen beide Länder eine direkte Bahnverbindung.
Burnham erklärte, der Vertrag werde Europas Sicherheit verbessern, das Wirtschaftswachstum fördern und den Lebensstandard erhöhen.
Gemeinsamer Schutz vor hybriden Angriffen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Abwehr hybrider Bedrohungen. Dazu gehören Cyberangriffe, Sabotage an wichtiger Infrastruktur, Desinformation und Drohnenangriffe.
Beide Länder wollen sich bei der Abwehr enger abstimmen. Die britische Regierung verwies insbesondere auf Russland. "Die hybride Bedrohung durch unsere Gegner - insbesondere Russland - erstreckt sich über Europa und darüber hinaus und bedroht unsere gemeinsame Sicherheit", erklärte die Regierungszentrale in London.
Deutschland als erstes EU-Reiseziel
Burnhams Besuch in Berlin hat auch symbolische Bedeutung. Deutschland ist das erste EU-Land, das der neue Regierungschef seit seinem Amtsantritt besucht.
Seine erste Auslandsreise hatte ihn in die Ukraine geführt, anschließend reiste er in die USA zu den Vereinten Nationen und US-Präsident Donald Trump.
Damit setzt Burnham auf enge Beziehungen zu Berlin. Schon sein Vorgänger Starmer hatte früh den Kontakt zur Bundesregierung gesucht. Er war im Sommer 2024, knapp zwei Monate nach seinem Amtsantritt, vom damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz empfangen worden.
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