Institute verdoppeln Prognose für Wirtschaftswachstum
Die deutsche Wirtschaft wächst nach Ansicht der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute besser als noch im Frühjahr angenommen. Sie hoben in ihrer Herbstprognose die Wachstumsvorhersage für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr auf 1,3 Prozent und auf 1,1 Prozent für 2027 an.
Im April hatten sie noch Werte von 0,6 Prozent für das laufende Jahr und 0,9 Prozent für 2027 angenommen.
Prognose: Wirtschaftswachstum in Deutschland
ZDFheute Infografik
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"Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet", sagte der Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller und warnte:
Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten.
Oliver Holtemöller, IWH
"Energiepreisschock" geringer als befürchtet
Die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Konjunktur zunächst deutlich gedämpft. In der Frühjahrsprognose hatten die Wirtschaftsinstitute noch vor einem "Energiepreisschock" gewarnt. Dieser fiel jedoch geringer aus als zunächst befürchtet.
Die Erholung werde zudem von einer Belebung der Exporte sowie der expansiven Finanzpolitik der Bundesregierung mit den schuldenfinanzierten Töpfen für Infrastruktur und Verteidigung getragen, erklärten die Forscher. Ein andauernder Boom rund um Künstliche Intelligenz konnte demnach zusätzliche Impulse bringen.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat seine Konjunkturprognose für 2026 deutlich nach oben korrigiert. ZDF-Korrespondent Frank Bethmann ordnet ein.
18.09.2026 | 1:51 minWirtschaftsforscher warnen vor strukturellen Problemen
Die Institute erwarten, dass die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr etwas an Dynamik gewinnt. Der private Konsum dürfte anziehen, genauso wie der Wohnungsbau. Für 2027 rechnen sie deshalb mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent. Bislang waren sie von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen.
Der Aufschwung dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft fortbestehen. Die Kapazitäten der Unternehmen könnten zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Nach Einschätzung der Institute bleibt die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren leistungsschwach. Für 2028 prognostizieren die Experten ein Wachstum von 0,4 Prozent.
Fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute untersuchen die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in der Gemeinschaftsdiagnose. Zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst, legen sie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums ihr Gutachten vor.
Beteiligt sind folgende Institute, die teilweise noch mit internationalen Partnern zusammenarbeiten:
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
- ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München
- Kiel Institut für Weltwirtschaft
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Halle (IWH)
- Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen (RWI).
Die Institute analysieren die wirtschaftliche Lage und schätzen unter anderem, wie stark die Wirtschaftsleistung wachsen oder schrumpfen dürfte. Ihre Prognose ist eine wichtige Orientierung für die Bundesregierung und die Steuerschätzung. Sie ist jedoch keine sichere Vorhersage: Unerwartete Entwicklungen können die wirtschaftlichen Aussichten verändern.
Quelle: Reuters, dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete das heute journal update am 24.09.2026 ab 00:30 Uhr, über die Prognose berichtet in Kürze ZDFheute Xpress.
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