Zeitplan veröffentlicht : Hilfsaktion in Oleschky beginnt nach Minenräumung

Zeitplan veröffentlicht Hilfsaktion in Oleschky beginnt nach Minenräumung
30.10.2026, 11:02 Uhr

In der isolierten Frontstadt Oleschky wurde übereinstimmenden Angaben zufolge ein Teil der Minen geräumt, um eine Hilfsaktion zu ermöglichen. Diese soll heute realisiert werden. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez muss sich derweil aufgrund der Route erklären, die ausreisewillige Bewohner Oleschkys nehmen müssen.
Die von der US-amerikanischen First Lady Melania Trump vermittelte humanitäre Hilfsaktion für die von russischen Truppen umzingelte Frontstadt Oleschky in der südukrainischen Region Cherson geht in die entscheidende Phase. Nach Angaben der russischen Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa ist die Route inzwischen für den Hilfstransport von Minen und Blindgängern geräumt worden. Zudem wurde ein Zeitplan für die Ausgabe von Hilfsgütern und die Abreise von evakuierungswilligen Bewohnern der kleinen Ortschaft veröffentlicht.
Auch Melania Trump bestätigte unter Verweis auf den ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez die Räumung der Minen. "Alle gemeinsam von der Ukraine und Russland festgelegten Routen wurden für eine sichere Passage freigegeben", schrieb die First Lady auf der Plattform X. Die Lieferung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Arzneimitteln und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern für die Frontstadt sei nun möglich.
Laut Lantratowa und Lubinez wird die Fahrzeugkolonne zum örtlichen Krankenhaus fahren, bevor ab 13.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr MEZ) Hilfsgüter ausgegeben werden sollen. Eine halbe Stunde vorher sollen sich alle Abreisewilligen eingefunden haben. Für die Evakuierung von Zivilisten würden 25 Busse mit 750 Sitzplätzen bereitstehen, teilte Lubinez mit.
Dem Fraktionschef der Partei des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, David Arachamija, zufolge haben die Evakuierungen und die Versorgung der Bevölkerung mit Hilfslieferungen bereits begonnen. Die von den USA vermittelte sechstägige lokale Waffenruhe halte, fügte er auf Telegram hinzu. Über weitere Einzelheiten solle bald informiert werden.
"Ich danke der First Lady der USA, Melania Trump, für ihr persönliches Engagement, ihre Vermittlung und Koordination, dank derer es gelungen ist, humanitäre Vereinbarungen zu erzielen", schrieben Lubinez und Lantratowa parallel. Die beiden Menschenrechtsbeauftragten werden das weitere Vorgehen dem Vernehmen nach mit US-Vertretern koordinieren. Vor Ort würden Journalisten arbeiten, "die persönlich mit den Einwohnern sprechen können", schrieb Lantratowa, die umfassenden westlichen Sanktionen unterliegt.
Menschenrechtsbeauftragte? Schwere Vorwürfe gegen Lantratowa
Lantratowa, die seit Mai 2026 im Amt ist, soll an der Verschleppung ukrainischer Kinder beteiligt gewesen sein. Kiews Inlandsgeheimdienst SBU wirft ihr vor, im September 2022 zusammen mit ihrer Assistentin Inna Warlamowa, der Ehefrau des hochrangigen russischen Politikers Sergej Mironow, in die Ukraine gereist zu sein und zwei Kinder aus einem Waisenhaus in der teilweise besetzten Region Cherson illegal nach Russland gebracht zu haben. Dort sei die Identität der beiden Kinder geändert worden. Medienberichten zufolge adoptierten Warlamowa und Mironow später eines der Kinder.
Nach Oleschky sollen nach Auskunft Lantratowas Dutzende Tonnen an humanitären Hilfsgütern gebracht werden - vor allem Lebensmittel wie Mehl, Getreide, Zucker, Speiseöl, Fleisch- und Fischkonserven. Auch Hygienemittel und Treibstoff für Notstromgeräte würden geliefert. Das zentrale Krankenhaus erhalte zudem Medikamente wie Antibiotika und Insulin. Ein Teil der Güter wurde den Angaben nach vom Team der russischen Menschenrechtsbeauftragten zusammengestellt, ein anderer vom Russischen Roten Kreuz. Die Ausgabe werde gemeinsam mit Lubinez erfolgen, hieß es.
Von Dienstag bis einschließlich Sonntag gilt eine örtlich begrenzte Waffenruhe für Oleschky und Umgebung, von der auch die am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Dnipro liegende Gebietshauptstadt Cherson profitiert. So sollen ansonsten durch Drohnenangriffe und Minen verhinderte Transporte in und aus der Stadt ermöglicht werden.
Hunderte Personen wollen wohl aus Oleschky ausreisen
Angaben des Internetportals "Ukrajinska Prawda" haben sich mehrere Hundert Menschen aus Oleschky in eine Evakuierungsliste eingetragen. Demnach sind in der Frontstadt etwa 1500 von ehemals rund 24.000 Bewohnern verblieben. Informationen der Nachrichtenseite "Hromadske" zufolge könnten dank der Feuerpause auch etwa 100 im Keller des örtlichen Krankenhauses seit Monaten gelagerte Leichen aus Oleschky weggebracht werden.
Am gegenüberliegenden, ukrainisch kontrollierten Ufer des Dnipro wurde die geltende Waffenruhe bereits intensiv genutzt. Aufnahmen aus der Gebietshauptstadt Cherson zeigten starken Autoverkehr und ungewohnt viele Menschen auf den Straßen. Berichten zufolge nutzten geflüchtete Stadtbewohner die Feuerpause, um nach ihrem zurückgelassenen Hab und Gut zu schauen. Selbst ansonsten stark beschossene Stadtteile in unmittelbarer Flussnähe wirkten auf den Aufnahmen belebt.
Lubinez muss sich derweil für seine Reiseroute über Belarus und Russland rechtfertigen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte reiste persönlich in den russisch besetzten Teil der Ukraine. Videoaufnahmen zeigten, wie Lubinez dafür im belarussischen Gomel in ein russisches Flugzeug stieg. "Warum fahre ich persönlich dorthin? Weil es wichtig ist, vor Ort zu sein, wenn es um die Rettung von Menschen geht", begründete er sein Vorgehen in einem Beitrag auf Telegram. Ziel sei es, die ukrainische Öffentlichkeit über den Verlauf der Aktion zu informieren. Der Ukrainer warnte dabei vor voreiligen Schlussfolgerungen. "Denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwierig die Verhandlungen waren und wie lange sie dauerten, damit ich jetzt hier sein kann, wo ich bin", schrieb er.
Als Menschenrechtsbeauftragter sei das seine Pflicht - selbst für die Rettung eines einzigen Menschen würde er nach Russland fahren. "Wenn es Menschen gibt - unsere Menschen -, die Hilfe brauchen, dann muss man ihnen helfen und sie retten. Punkt." Sein Pressedienst begründete den gewählten Weg über Belarus und Russland mit der Verminung der Frontgebiete.
Oleschky ist seit Jahren durch russische Truppen abgeriegelt und von der Außenwelt abgeschnitten. Seit dem Abzug der Russen aus der Gebietshauptstadt Cherson im November 2022 ist Oleschky Frontstadt. Die US-Regierung drängt vor allem die Ukraine seit längerem zu Kompromissen für einen Friedensschluss mit dem Angreifer Russland.
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