Wie die US-Regierung die Frankreich-Proteste für sich nutzt
Nach den schweren Ausschreitungen am Rande von Protesten in Frankreich versuchen Ladenbesitzer, das Chaos zu beseitigen. Die Lage im Land bleibt angespannt.
19.10.2026 | 2:53 minBrennende Autos, geplünderte Geschäfte und Auseinandersetzungen mit der Polizei: Die gewaltsamen Unruhen in Frankreich beschäftigen nicht nur Europa. In den USA nutzt Präsident Donald Trump die Bilder nun für den eigenen Wahlkampf.
Bei einem Auftritt im US-Bundesstaat Kansas am Montag wirbt er für die Unterstützung des republikanischen Senators Roger Marshall und warnt vor den Demokraten:
Wenn Sie brennende Kirchtürme und wütende Feuer in Frankreich sehen, denken Sie einfach daran, dass es das ist, was die radikalen "Demokraten" mit Amerika machen wollen.
Donald Trump, US-Präsident
Den Bundesstaat Kansas gewann Trump beim Präsidentschaftswahlkampf 2024 mit 16 Prozentpunkten Vorsprung. Zwei Wochen vor den Midterms ist das Rennen um den Senat knapp. Kansas gilt als Zeichen für die Schwierigkeiten der Republikaner vor den Zwischenwahlen am 3. November.
Warum kommt die Debatte der US-Regierung gelegen?
Die Debatte komme für die US-Regierung gerade zur rechten Zeit, erklärt US-Politikwissenschaftler Cas Mudde, der an der "University of Georgia" lehrt. "Trump und die Republikaner suchen verzweifelt nach jeder Ablenkung."
Die Regierung sei wegen des Kriegs in Iran und der Inflation unter Druck. Bilder von Chaos in Europa kämen ihr deshalb politisch gelegen, stellt der Extremismus- und Populismusforscher gegenüber ZDFheute fest.
US-Korrespondentin Katharina Schuster erklärt, welche Themen demokratische und republikanische Wähler vor den Midterms umtreiben.
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Für die amerikanische Rechte hätten die Ausschreitungen aber noch eine tiefere Bedeutung. Die Unruhen würden vor allem als Folge von Migration und ethnischen Spannungen gedeutet:
Die Erzählung der US-Rechten lautet seit Langem, dass Westeuropa wegen Masseneinwanderung im Niedergang begriffen ist.
Cas Mudde, US-Politikwissenschaftler
Allerdings werden die Ursachen der Proteste in Frankreich selbst deutlich breiter diskutiert. Die aktuellen Bilder würden dennoch von vielen konservativen Stimmen in den USA als Beleg für ein bereits bestehendes Weltbild präsentiert.
"Vorhersehbarerweise machen sie diese Unruhen vollständig zu einem Thema von Rassenbeziehungen statt von schwindender öffentlicher Daseinsvorsorge", sagt Mudde ZDFheute.
Und das, obwohl die Demonstrationen als Bewegung gegen steigende Lebenshaltungskosten, Probleme im Bildungssystem und den Zustand öffentlicher Dienstleistungen begannen. Später eskalierte die Lage in einigen Städten zu gewaltsamen Ausschreitungen.
Die aktuellen Bilder würden von konservativen US-Stimmen dennoch als Beleg für ein bereits bestehendes Weltbild präsentiert. "Vorhersehbarerweise machen sie diese Unruhen vollständig zu einem Thema von Rassenbeziehungen statt von schwindender öffentlicher Daseinsvorsorge", so Mudde.
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Was will Vizepräsident Vance erreichen?
Deutlich wird das auch bei US-Vizepräsident JD Vance. Wie Tech-Milliardär Elon Musk sei er ein prominenter Verbreiter der sogenannten "Great Replacement"-Theorie, so Mudde. Die Verschwörungserzählung behauptet, die einheimische Bevölkerung westlicher Länder werde gezielt durch Einwanderer ersetzt.
Auf X macht Vance die EU-Einwanderungspolitik direkt für die Ausschreitungen verantwortlich. "Westliche Liberale haben im Namen von Vielfalt und Mitgefühl die Dritte Welt nach Frankreich und andere Länder importiert", schreibt er.
X-Post von JD Vance
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Und weiter: "Ich hoffe, die Amerikaner passen genau auf. Das ist die Zukunft, die die Demokraten im Kongress für euer Land wollen."
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22.07.2026 | 14:28 minDer Vizepräsident positioniere sich bereits für die Zeit nach Trump, erklärt Mudde. Vance gilt in der Hauptstadt Washington D.C. als möglicher republikanischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2028 und müsse deshalb als außen- und sicherheitspolitische Stimme wahrgenommen werden.
Die Ausschreitungen in Frankreich böten ihm die Möglichkeit, ein internationales Ereignis mit den innenpolitischen Debatten über Migration und Sicherheit in den USA zu verknüpfen. Er wolle als nationaler, aber auch als internationaler Führungsakteur auftreten, so Mudde.
Westeuropa ist der realistischste Konkurrent der USA, wenn es um funktionierende Demokratien geht. Frankreich im Chaos zu sehen, ist deshalb doppelt nützlich.
Cas Mudde, US-Politikwissenschaftler
Nach den zum Teil massiv eskalierten Protesten in Frankreich läuft die Aufarbeitung. Neben den Randalierern stehen auch Polizei und Regierung in der Kritik.
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Den tatsächlichen politischen Einfluss solcher Botschaften hält US-Politikwissenschaftler Mudde jedoch für begrenzt. "Solange Benzin vier Dollar und Diesel sechs Dollar pro Gallone kostet, wird wenig anderes für amerikanische Wähler eine Rolle spielen", sagt er.
Die Debatte über Frankreich richte sich deshalb vor allem an die bestehende konservative Medienlandschaft und die treue republikanische Basis. Wer bereits unzufrieden mit der Politik der Trump-Regierung sei, werde durch Bilder aus Frankreich kaum seine Wahlentscheidung ändern.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Über dieses Thema berichtet das ZDF in verschiedenen Sendungen, darunter die ZDFheute live in der Sendung "Woher kommt die Wut?" am 19.10.2026 ab 13 Uhr und heute Xpress am 20.10.2026 ab 09:52 Uhr.
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