Beben in der Gamingbranche: Spiele-Gigant EA kürzt 400 Stellen und macht Bioware dicht

Beben in der GamingbrancheSpiele-Gigant EA kürzt 400 Stellen und macht Bioware dicht
22.10.2026, 12:28 Uhr

Von "Dragon Age" über "Stars Wars" bis hin zu "Baldurs Gate": Die Liste der namhaften Spiele, die von dem kanadischen Publisher Bioware stammen, ist lang. Doch damit ist nun Schluss. Electronic Arts schließt das für seine Rollenspiele bekannte Tochterstudio. Die Arbeiten am neuen "Mass Effect" werden eingestellt.
Der bekannte Spieleentwickler Electronic Arts (EA) hat laut dem Magazin Variety angekündigt, im Rahmen von Umstrukturierungen 400 Mitarbeiter zu entlassen. Das entspricht drei Prozent aller Angestellten. EA ist vor allem für seine Simulationsspiele wie "Die Sims", die Fußball-Reihe "FIFA" oder den Shooter "Battlefield" bekannt. Auch von weiteren Kürzungen und Umstrukturierungen war die Rede. Nun ist klar, wie diese ausfallen.
Wie EA bekannt gab, wird das Tochterstudio Bioware mitten in der Entwicklung zum neuen "Mass Effect" dichtgemacht. Der fünfte Teil der Reihe war bereits 2020 angekündigt worden, doch bis auf kleinere Teaser war noch kein Veröffentlichungsdatum bekannt. Zuletzt habe man nur mit einem kleinen Team an dem Science-Fiction-Rollenspiel gearbeitet, berichtete EA. Von den Hunderten Stellenkürzungen sind laut Bloomberg direkt 50 Mitarbeiter bei Bioware betroffen. Wie viele Menschen zuletzt bei dem Studio arbeiteten, ist nicht bekannt. PC Games berichtete Anfang 2025 von "weniger als 100 Personen".
Bioware verabschiedet sich mit emotionalen Worten auf der Plattform X: "Unsere Games haben so viel mehr an Bedeutung gewonnen, weil ihr sie gespielt habt, eure Entscheidungen diskutiert, euch in die Charaktere verliebt und diese Welten zu euren Eigenen gemacht habt." Bioware wurde 1995 im kanadischen Edmonton gegründet, im Jahr 2007 verkündete EA die Übernahme. Kurz darauf erschien das erste "Mass Effect", 2009 folgte "Dragon Age". Vor allem mit diesen beiden Spielen prägte Bioware eine gesamte Gaming-Generation.
EA erst kürzlich verkauft - Jared Kushner beteiligt
Electronic Arts befindet sich seit einigen Jahren in der Krise, trotz starker Marken wie "Madden NFL" oder "Apex Legends". Während der Corona-Pandemie erlebte die Branche einen Höhenflug, dann machten immer mehr kostenlose Spiele den 60-Euro-Hits Konkurrenz. Zudem wurden mehrere kostenaufwendige Projekte eingestampft, wie etwa ein Black-Panther-Spiel.
Vergangenes Jahr schluckten Investoren, darunter der staatliche Investmentfonds von Saudi-Arabien und die Investmentfirma von US-Präsident Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, den Videospiele-Entwickler. Der Kaufpreis von EA lag bei 55 Milliarden Euro. Etwa 36 Milliarden davon zahlten die Partner, der Rest wurde mit Krediten beglichen und muss von EA über Jahre hinweg zurückgezahlt werden. Der Spieleentwickler war also bereits vor der Übernahme in finanziellen Schwierigkeiten. Durch die Privatisierung verstärkten sich diese.
Sport-Spiele als Aushängeschild
Der Druck, das Fremdkapital zurückzuzahlen, dürfte schließlich zu der Entscheidung geführt haben, sich nur noch auf die großen Cashcows zu fokussieren. EA kündigte in seiner Mitteilung an, die beliebten Fußballklassiker wie "FIFA" oder der Football-Hit "Madden NFL" hätten in den kommenden Jahren eine besonders hohe Priorität.
Zudem schrieben die beiden EA-Manager Cam Weber und David Tinson, dass man am Action-Adventure-Genre festhalten werde, vor allem mit den beiden angekündigten "Marvel’s Iron Man" und dem nächsten "Star Wars Jedi"-Spiel. "Darüber hinaus werden wir unsere Kräfte auf weniger, dafür aber großangelegte Projekte konzentrieren". So wird ein Projekt mit dem Namen "Lotus" zu "Die Sims" vorerst gestoppt. Auch das Team zum Spiel "Skate" wird verkleinert.
Der Schließung von Bioware widmet EA lediglich ein paar Zeilen. Es sei ein "legendäres Studio", die Entscheidung "falle nicht leicht". Wirklich überraschend kommt diese jedoch nicht. Mit den ersten drei Teilen von "Mass Effect" hatte Bioware seine Fans überzeugen können. Doch "Mass Effect: Andromeda" sowie das 2024 veröffentlichte "Dragon Age - The Veilguard" blieben hinter den wirtschaftlichen Erwartungen zurück.
Allerdings bedeutet das Ende von Bioware nicht automatisch, dass die beiden Spielereihen endgültig in der Versenkung verschwinden. Ob innerhalb der Reihen von EA die Entwicklung weitergeführt wird, scheint derzeit aber fraglich.
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