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Wednesday, September 30, 2026

Gruppenvergewaltigung an US-Elite-Uni: Die Täter und die Mitwissenden

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Als „Cornell 7“ sind die Studenten bekannt, die 2024 eine Gruppenvergewaltigung begangen haben sollen. Sie sind nicht die Einzigen, die sich schuldig gemacht haben.

I n der Studentenverbindung Chi Phi werden Männer zu besseren Männern geformt. So steht es zumindest auf ihrer Website. Ihr lokaler Verband an der Eliteuniversität Cornell im Bundesstaat New York ist nun weltbekannt. Doch nicht wegen seiner guten Männer.

Eine Gruppenvergewaltigung, die sich 2024 an der Uni zugetragen haben soll, wurde damals nie zur Anklage gebracht. Die Staatsanwaltschaft in Tompkins County, NY, startet nun eine neue Untersuchung – zwei Jahre nachdem die Betroffene Anzeige gegen die Uni, sieben mutmaßliche Täter und zwei Studentenverbindungen erstattet hatte.

2024 sollen die internen Untersuchungen von Cornell damit abgeschlossen worden sein, dass zwei der mutmaßlichen Täter der Uni verwiesen wurden und die anderen lediglich einen Essay verfassen mussten, wie der Anwalt der Betroffenen gegenüber dem US-Sender CBS sagte. Die Uni dementiert diese Vorwürfe. Alle sieben Männer streiten außerdem ab, die Frau missbraucht zu haben.

Erschreckend ist an dem Vorfall nicht nur die mutmaßliche Tat selbst. Sondern auch, wer alles davon wusste und sich weigerte zu handeln. In der Anklageschrift beschreibt die Klägerin, was in der Nacht geschah:

Sieben Studenten der Verbindung „Chi Phi“ sollen die damals 20-Jährige über sieben Stunden in dem Verbindungshaus mehrfach vergewaltigt haben. Sie sei, als sie dort ankam, um einen Freund zu treffen, schon leicht betrunken gewesen, sei aber von den dort anwesenden Männern gedrängt worden sein, mehr zu trinken und Drogen zu konsumieren. Dabei soll es sich um Ketamin gehandelt haben.

„I fucking love Chi Phi“

Ketamin ist ein Betäubungsmittel, das in der Notfallmedizin als Narkose- oder Schmerzmittel verwendet wird. Als Partydroge wirkt Ketamin bewusstseinsverändernd: Es kann zu Halluzinationen kommen, verzerrter Raum- und Zeitwahrnehmung, gelindertem Schmerzgefühl bis hin zu außerkörperlichen Erfahrungen und Paralysen bei hohen Mengen. Täter nutzen Ketamin häufig als K.-o.-Mittel, da es handlungsunfähig macht.

Allein deswegen habe die Klägerin ihre Zustimmung nicht geben können, so die Anklageschrift. Um 1.42 Uhr in der Nacht soll einer der sieben Studenten, so zeigt es ein in der Schrift angefügter Screenshot, eine Nachricht in den Gruppenchat der Verbindung geschrieben haben. Mit den Worten „free pussy“ habe er die 57 Mitglieder des Gruppenchats darauf aufmerksam gemacht, dass sie ebenfalls Sex mit der Klägerin haben können. „I fucking love Chi Phi“, antwortete ein anderer mutmaßlicher Täter.

57 Männer wussten davon, dass sich eine Frau dort befindet. Und 57 Männer haben nicht gehandelt, sich nicht erkundigt, ob es ihr gut geht, ob sie das will. 57 Männer haben einander geschützt und kein Wort darüber verloren, dass das, was dort geschieht, womöglich nicht in Ordnung ist. 57 Männer haben die Tat nicht verhindert und sie vielleicht sogar erst möglich gemacht.

„Not all men“, sagen diejenigen, die es falsch finden, alle Männer gleichzusetzen. Und es stimmt, „nur“ 7 der 57 sollen Täter geworden sein. Doch was Frauen meinen, wenn sie verallgemeinernd von Männern als Gefahr sprechen, dann meinen sie auch die anderen 50. Diejenigen, die feierten, was dort passierte, auch wenn sie selbst nicht mitmachten. Und diejenigen, die mitlasen und schwiegen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Die unsichtbaren Männer

Ein Mann, den Dominique Pelicot zu sich einlud, um seine Frau zu vergewaltigen, fühlte sich unwohl, weil sie betäubt war, und verließ das Haus wieder. Auf die Idee, Gisèle Pelicot zu helfen, kam er nicht – bestimmt auch, weil er es als Risiko für sich sah, die Polizei zu verständigen.

Auch all jene, die Dominique Pelicots Onlineanzeige lasen, die zum Missbrauch an seiner betäubten Frau einlud, handelten nicht. Es brauchte den Zufall, dass Dominique Pelicot dabei erwischt wurde, wie er Frauen unter den Rock fotografierte, um einen der größten Vergewaltigungsfälle unserer Zeit aufzudecken.

Auch im Fall der Cornell 7 war auf die mitwissenden Männer kein Verlass. Die, die im Chi-Phi-Gruppenchat mitlasen, doch das Zimmer, in dem sich die Studentin befand, nicht betraten, werden nie Konsequenzen dafür erleben, was sie mutmaßlich haben geschehen lassen. Sie werden Familien gründen, Töchter haben, Freundschaften pflegen, sich vielleicht sogar als Feministen inszenieren.

Ihre Mitschuld werden sie nicht aufarbeiten. Genau wie alle anderen Männer, die auch jetzt unter uns leben – in unseren Freundeskreisen, in Sportvereinen, bei unserer Arbeit, in unseren Familien: die unsichtbaren Männer, die Mittäter sind, weil sie geschwiegen haben.

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