Rassismus und Gewalt: Pherai über "das schlimmste Spiel meiner Karriere"
Immanuel Pherai war mit der Nationalmannschaft von Suriname auf Länderspielreise - und erlebte dort das schlimmste Spiel seiner Karriere. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg sprach der HSV-Profi über das Geschehene.

Immanuel Pherai (#6) erlebte gegen Guatemala Rassismus und Gewalt auf dem Spielfeld. AFP via Getty Images
Immanuel Pherai ist zurück in Hamburg - und darüber sicher sehr froh. Hinter dem Offensivspieler des HSV liegt eine aufregende Länderspielreise mit Suriname, dem Heimatland seines Vaters. Der in Amsterdam geborene Mittelfeldspieler, der die Junioren-Nationalmannschaften der Niederlande durchlief, absolvierte in den vergangenen beiden Wochen seine Länderspiele zwölf, 13, 14 und 15 für den Staat an der Nordostküste Südamerikas.
Eine zu Beginn nette Abwechslung für Pherai, der nach seiner Leih-Rückkehr aus Elversberg in dieser Saison bisher nur für Hamburg II in der Regionalliga auflief. Im abschließenden Spiel in Guatemala, das in der Nacht auf Dienstag stieg, stand Pherai in der Startelf, wurde erst in der 94. Minute ausgewechselt und erlebte den späten Gegentreffer zum 0:1 daher von der Bank aus. Das Ergebnis rückte für Pherai am Ende aber weit in den Hintergrund.
"Unsportlich und respektlos"
In einer Medienrunde sprach Pherai am Donnerstag darüber, was er wenige Stunden zuvor in Guatemala noch am eigenen Leib erfahren musste. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Wenn man die Begleitumstände bewertet, war es das schlimmste Spiel in meiner bisherigen Karriere", sagte Pherai, ehe er seinen drastischen Worten Details folgen ließ.
zum spiel
Laut Pherai hätten die Probleme bereits vor dem Anpfiff begonnen. "Es gab schon am Vortag des Spiels erste Schikanen, indem wir etwa nicht im Stadion trainieren durften, oder in der Nacht vor dem Spiel vor dem Hotel Krach gemacht wurde." Das sei für Pherai ebenso wie die Pfiffe bei der Platzbegehung allerdings noch im Rahmen dessen gewesen, worauf man sich eingestellt habe. "Mit Pfiffen und Zwischenrufen bei unserer Nationalhymne wurde es dann aber unsportlich und respektlos. Anschließend ging es mit dem Anpfiff los, dass gefühlt 25.000 Leute 'Negro, Negro, Negro' gerufen haben."
Überforderter Schiedsrichter
Weiter zugespitzt habe sich die Situation beim Platzverweis gegen Surinames Mittelstürmer Richonell Margaret in der 63. Minute. "Unser Spieler wurde mit Rot vom Platz gestellt und dann gab es alles Mögliche in seine Richtung: Beschimpfungen, Flaschenwürfe, Affengeräusche. Das wollten und konnten wir als Mitspieler nicht akzeptieren. Wir sind zum Schiedsrichter gegangen und haben gesagt, dass das nicht okay ist."
Der 38-jährige US-Amerikaner Joseph Dickerson leitete die Partie in der CONCACAF Nations League, eine solche Situation habe laut Pherai wohl auch er "zum ersten Mal" erlebt und das Spiel in der Folge "nicht ganz im Griff" gehabt. "Er stand da am Ende auch alleine in einem fremden Land und das hat man gemerkt."
Wir hätten uns alle besser verhalten können, aber ich würde nie akzeptieren, wenn meine Mitspieler angegriffen werden.
Immanuel Pherai
Nach dem Platzverweis ging es zwischen den Spielern auf dem Platz zunehmend hitziger zur Sache, ehe die Situation nach dem Schlusspfiff mit einer heftigen Rudelbildung endgültig eskalierte. "In dieser Situation waren wirklich alle involviert. Natürlich muss man in solch einer Situation immer zweimal über sein Verhalten aus der Emotion heraus nachdenken. Wir hätten uns alle besser verhalten können, aber ich würde nie akzeptieren, wenn meine Mitspieler angegriffen werden", so Pherai, der gespannt ist, "was jetzt in Zukunft passieren wird, wenn wir wieder aufeinandertreffen."
Ein schnelles Wiedersehen mit Guatemala ist derweil nicht zu erwarten, die eskalierte Partie von Dienstagnacht war schon das Rückspiel zwischen beiden Nationen. Drei Tage zuvor hatte man sich in Suriname 0:0 getrennt.
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