Echtzeitzugriff auf Trumps Beiträge: San Francisco klagt gegen Truth Social
San Francisco will mit einer Klage verhindern, dass Nutzerinnen und Nutzer auf Truth Social weiter gegen hohe Monatsgebühren einen schnelleren Zugang zu Kurznachrichtenbeiträgen von US-Präsident Donald Trump und von engen Vertrauten bekommen. Das hat David Chiu der New York Times erzählt, er berät die Verwaltung der Westküstenmetropole als City Attorney in rechtlichen Fragen und hat die Klage am Montag beim San Francisco Superior Court eingereicht. Mit dem Programm habe das Weiße Haus „wissentlich einen Markt für Insidertrading geschaffen“, erklärte er der US-Zeitung: „Das System hat das Vertrauen der Öffentlichkeit zu privatem Profit gemacht, und das ist Korruption auf höchster Regierungsebene.“
Vorsprung an den Finanzmärkten
Die Trump Media & Technology Group (TMTG) als Betreiber von Truth Social hat den bevorzugten API-Zugang im Sommer eingeführt. Es handelt sich um einen Echtzeitzugriff auf die Inhalte bestimmter Konten, dafür müssen zwischen 60.000 und 100.000 US-Dollar im Monat bezahlt werden. Lohnen kann sich das, wenn der Zugriff mit Technik für automatischen Handel an Börsen oder anderen Märkten verbunden wird, wo Trumps Äußerungen etwa zu Zöllen teils hektische Reaktionen nach sich ziehen. Auch mit einem geringen Zeitvorsprung kann man hier enorm profitieren. Wie viele Konten den API-Zugang buchen, ist unbekannt, nach wenigen Tagen waren es Anfang August aber schon mehr als zehn.
Truth Social gibt es seit Anfang 2022, Donald Trump hat dort 13 Millionen Follower. Sein Konto ist auch das mit Abstand größte. Sein Sohn kommt auf 7,4 Millionen Follower und verwaltet als Treuhänder den Trust, der Trumps TMTG-Anteile hält. Wie viele der Accounts aktiv sind, ist unklar. Die Liste der populärsten Konten zeigt, dass der Dienst primär bei Trump-Fans beliebt ist. Der nutzt ihn für Verlautbarungen, die jetzt zu Geld gemacht werden können. Im vergangenen Quartal legte der Umsatz von TMTG im Jahresvergleich um 89 Prozent zu – erreichte dabei aber gerade einmal 1,7 Millionen Dollar. Durch einen Wertverlust bei Investitionen etwa in Digitalwährungen stand unterm Strich ein Verlust von 238,1 Millionen US-Dollar in den Büchern, im Vorjahr waren es 20 Millionen.
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