El Niño im Klimawandel: Wenn das Christkind noch mehr Dürre, Flut und Hunger bringt

Anhand von Korallen haben Forscher untersucht, wie die Erderhitzung das Klimaphänomen El Niño beeinflusst. Die globalen Aussichten sind eher düster.
Foto: Juan David Duque/reuters
Um den Pazifik und das Wetterphänomen „El Niño“. Das Meer vor der südamerikanischen Küste ist sehr fischreich. Eigentlich. Alle vier bis sieben Jahre aber bleiben die Fischernetze in der Weihnachtszeit plötzlich leer. Und auch sonst geschehen in der Folge merkwürdige Dinge, in der Pazifikregion und weltweit: Fluten, Erdrutsche, Dürren, Ernteausfälle. Nachweislich seit dem 17. Jahrhundert nennen peruanische Bauern diese Misere „El Niño de Navidad“ – wie das neugeborene Christkind. Denn auch beim Wetterphänomen El Niño hofften sie, das Beten hilft. Möge es diesmal bloß nicht so heftig werden.
Den Grund für den plötzlichen Fischmangel liefern die Passatwinde. Normalerweise treiben sie warmes Ozeanwasser von Südamerikas Küsten Richtung Indonesien und Australien, wodurch kaltes, nährstoffreiches Wasser aus den Tiefen des Pazifiks nach oben strömt, deshalb der Fischreichtum. In El-Niño-Jahren schwächeln die Passatwinde aber, dann erwärmt sich der Ozean vor Südamerika so stark, dass das Plankton, die Fischnahrung, abstirbt. Und weil die Passatwinde im weltweiten Wettersystem ein wichtiger Baustein sind, sorgen ihre Anomalien auch noch weit entfernt vom Pazifik für schwere Verwerfungen: Dürren in Ostafrika, überflutete Wüsten auf der Arabischen Halbinsel, Trockenstress im Amazonas-Regenwald, Überschwemmungen in Indien. Zwar ist El Niño ein natürliches Wetterphänomen. Die Frage aber ist: Macht der Klimawandel das „Christkind“ heftiger?
Die Studie
Um das zu beantworten, untersuchte ein US-amerikanisches Team die Korallen rund um die Galapagos-Inseln im Ostpazifik – lebende und versteinerte. Das Wasser im Archipel am Äquator heizt sich in El-Niño-Jahren besonders stark auf, die Kalkskelette der toten Korallen speichern chemische Spuren der Wassertemperatur. Mithilfe lebender Korallen rekonstruierte das Team der University of Michigan die Entwicklung der Wassertemperaturen und El-Niño-Ereignisse in den vergangenen rund 1.000 Jahren. Und stellte dabei fest, dass El Niño gegenüber der vorindustriellen Zeit um 36,5 Prozent heftiger geworden ist.
Team Zukunft – der Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien
Du liest einen Text aus unserem Zukunfts-Ressort. Wenn du Lust auf mehr positive Perspektiven hast, abonnier TEAM ZUKUNFT, den konstruktiven Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien. Jeden Donnerstag bekommst du von uns eine Mail mit starken Gedanken für dich und den Planeten.
Was bringt’s?
Wichtige Erkenntnisse für den Katastrophenschutz. Die werden aktuell besonders benötigt. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte im August „mit außergewöhnlich hoher Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent“ davor gewarnt, dass sich dieses Jahr im Winter wieder der Pazifik aufwärmt. Bis zum Februar 2027 sei mit dem stärksten je beobachteten El Niño zu rechnen, sagte die WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. Die Heftigkeit habe das Potenzial, Gesellschaften und Volkswirtschaften auf der ganzen Welt einen massiven Schlag zu versetzen. Saulo fordert „außergewöhnliche Vorbereitungs- und Reaktionsmaßnahmen“. Dass diese notwendig sind, ist nun auch wissenschaftlich untermauert.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
Weltwetterorganisation warnt vor El Niño Mit Vollgas in die nächste Tragödie
Kommentar von Nick Reimer
Das Wetterphänomen El Niño kommt – ganz sicher und mit aller Härte. Ohne mehr Klimaschutz wird es immer so weiter gehen. Wann wird die Menschheit endlich klug?
Super-El-Niño erwartet Hochwasser und Hitze in Argentinien
Kolumne Hitzschlag von Jürgen Vogt
In Argentinien ist aktuell Winter. Doch Meteorologen warnen bereits vor bevorstehendem Starkregen, Überschwemmungen und weiteren extremen Wetterereignissen.
UN-Bericht Extremer El Niño lässt Wetterkrisen 2027 befürchten
Ein heißer Pazifik führt zu extremem Wetter: Hitze, Dürre, Überschwemmungen. Der UN-Generalsekretär spricht von einem El Niño mit Super-Ausmaßen.
25.– 29. August 2026 Bremerhaven
mit Lena Kaiser, Journalistin und Produktentwicklerin bei der taz
- Kurzreise in die Hafenstadt an der Wesermündung, einst der größte Auswandererhafen nach Amerika - mit Besuch der berühmten Museen "Auswandererhaus" und "Klimahaus" sowie einem Ausflug ins Fischerdorf Wremen an der Nordsee
- 960 € (DZ/HP/ohne Anreise)
- mit 4 Übernachtungen im Hotel im-jaich Lloyd Marina Bremerhaven
- Reiseveranstalter Ventus-Reisen
Mehr erfahren
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.