Türkei: Menschen bei LGBTQ-Solidaritätsdemo festgenommen
Kundgebung in Istanbul Menschen bei LGBTQ-Solidaritätsdemo festgenommen
Stand: 15.09.2026 • 17:27 Uhr
Menschen im türkischen Istanbul wollten nicht stumm hinnehmen, dass die Behörden gegen die LGBTQ-Community vorgehen. Bei ihrem Protest wurden sie selbst festgenommen - betroffen sind auch Journalisten und Anwälte.
Vor einem Gerichtsgebäude in Istanbul sind bei einer Kundgebung für die Solidarität mit LGBTQ-Vereinen zahlreiche Personen festgenommen worden. Es sollen auch Journalisten und Anwälte betroffen sein.
Die Demonstranten hatten zuvor eine Erklärung verlesen, in der sie betonten, dass die Identität als lesbisch, schwul oder transsexuell in der Türkei nicht verboten sei. Es werde stattdessen wegen vermeintlicher Vergehen gegen die Moral vorgegangen. Sie forderten die Freilassung der Festgenommenen sowie ein Ende des staatlichen Vorgehens gegen LGBTQ-Personen und ihre Organisationen.
Staatlicher Druck nimmt zu
Den Protestierenden sei laut Cumhuriyet vor Ort mitgeteilt worden, dass eine Kundgebung untersagt sei. Unter den Festgenommenen ist laut der oppositionellen Zeitung Birgün eine Rechtsanwältin vom Zentrum für Frauenrechte der Anwaltskammer Istanbul, sowie mindestens zwei Journalisten.
Bereits am Wochenende war es landesweit zu Durchsuchungen und Festnahmen gekommen. Es wurden zum Beispiel Bars und Clubs durchsucht. Es waren auch Vereine betroffen, die sich für die Rechte von homosexuellen, trans, inter, bi und nichtbinären Menschen einsetzen. Die Vorwürfe lauten Obszönität, Vereinsgründung zum Begehen einer Straftat, Drogenbesitz und Prostitution. Belege machten die Justizbehörden nicht öffentlich zugänglich.
Kritik von Human Rights Watch
Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten. Die Türkei-Vertreterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Emma Sinclair-Webb, schrieb gestern auf der Onlineplattform X, die Festnahmen von Verfechtern der LGBTQ-Rechte würden die Entschlossenheit der türkischen Regierung zeigen, LGBTQ-Personen zu kriminalisieren, ohne neue Gesetze zu erlassen.
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