Türkei: Comedian Göktaş zu 18 Monaten Haft verurteilt
Für Show verurteilt Türkischer Comedian Göktaş zu Haftstrafe verurteilt
Stand: 28.09.2026 • 21:53 Uhr
Der türkische Comedian Deniz Göktaş ist zu rund 18 Monaten Haft verurteilt worden - unter anderem wegen Präsidentenbeleidigung. Bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens kommt er jedoch auf freien Fuß.
In Istanbul haben Unterstützer die angeordnete Freilassung von Deniz Göktaş gefeiert. Zwar verurteilte das zuständige Gericht den 32-jährigen Comedian zu rund elf Monaten Haft wegen Präsidentenbeleidigung und rund sieben Monaten wegen "Verunglimpfung religiöser Werte". Doch wie bei geringen Strafen üblich, ordnete das Gericht die Haftentlassung an. Erwartet wird, dass Göktas nach 88 Tagen Untersuchungshaft zeitnah auf freien Fuß kommt.
Der Parlamentarier Erkan Bas, Abgeordneter für die Stadt Istanbul, hat den Prozess beobachtet. Vor dem Gerichtsgebäude sagte er türkischen Medien: "Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass unser Land über junge Menschen verfügt, die so klug, so mutig, so ausdrucksstark sind und die Welt so gut zu beurteilen wissen."
In einer mit satirischen Spitzen gespickten Verteidigungsrede hatte der Comedian Göktaş vor Gericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Als Komiker sei es eine Ehre, zu sehen, welche Wirkung seine Worte hätten. Sie habe seinen Glauben an seine Arbeit als Comedian nur verstärkt. In Hinblick auf die Meinungsfreiheit in der Türkei sei das Verfahren aber besorgniserregend.
Meinungsfreiheit in der Türkei gefährdet?
Zum Verhängnis geworden waren ihm die Witze seines neuen Stand Up-Programms, das 15 Millionen Views bei YouTube hat. Darin gibt es keine brachialen Witze, Göktaş erzählt vielmehr - von der modernen Türkei, von Religion, Psychotherapie und Fußball. Und immer wieder geht es auch um Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Unter anderem diese Aussagen zitiert die Anklageschrift als Beleg für Präsidentenbeleidigung:
Wir haben einen langen gemeinsamen Weg hinter uns. Ich bin 1994 geboren. Da wurde er Bürgermeister von Istanbul. Er ist für mich wie ein mürrischer Nachbar, den ich nicht leiden kann, für den man sich aber trotzdem irgendwie interessiert: Was hat er heute gemacht? Was liegt in seinem Müll? Und so weiter…
Comedian Deniz Göktas
"Einen Witz zu machen ist kein Verbrechen"
Göktaş ist nicht der einzige Comedian, der verfolgt wird. Die Comedienne Tuba Ulu hatte bei einem Auftritt erklärt, dass Sultan Süleyman vor 500 Jahren mit Hürrem eine Frau geheiratet hat, die zuvor sein "Fuckbuddy" gewesen sei - inhaltlich gar nicht mal falsch, für die Behörden aber offenbar ein Problem.
Für Tuba Ulu sei das nur ein Witz, sagt sie der ARD: "Einen Witz zu machen ist kein Verbrechen, und Gedanken sind kein Verbrechen. Wir verteidigen die Meinungs- und Ausdrucksfreiheit in jeder Hinsicht, insbesondere als Comedians."
Schon länger sind Journalisten und die politische Opposition in der Türkei das Ziel von juristischer Verfolgung. Zuletzt häufen sich die Fälle im Popkulturbereich. Neben Comedians trifft es auch Musik-Acts wie die junge Girlband Manifest und den queeren Sänger Mabel Matiz.
Warnung an andere Komiker
Göktaş war im Juli festgenommen worden. Für den Menschenrechtsanwalt Sezgin Tanrikulu, der den Prozess beobachtet hat, war das die eigentliche Strafe, erklärte er gegenüber türkischen Medien. Der Grund für diese Untersuchungshaft sei letztlich nichts anderes, als anderen Komikern und Künstlern eine Warnung zu erteilen und sie einzuschüchtern, so Tanrikulu. Das habe Göktaş selbst während der Verhandlung sehr treffend zum Ausdruck gebracht.
Vor Gericht zeigte Göktaş sich aber auch trotzig. Nachdem er seine Freiheit wiedererlangt habe, werde er mit größerer Begeisterung und mehr Selbstvertrauen weitermachen.
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