So geht Kleinwagen : Der E-Einsteiger Škoda Epiq ist handlich, preiswert, praktisch und adrett

So geht Kleinwagen Der E-Einsteiger Škoda Epiq ist handlich, preiswert, praktisch und adrett
14.09.2026, 09:39 Uhr
Von Markus Hauf, München

Škoda ist die Marke im kriselnden VW-Konzern, bei der wohl am meisten richtig gemacht wurde. Sogar die Transformation in die Elektromobilität. Mit dem Epiq erhält das bisher verbrennerlastige Portfolio einen E-Boost. ntv.de hat ihn gefahren.
Nein, nach Kleinwagen sieht der neue Epiq nicht aus. Was jetzt an das untere Ende der Škoda-Elektro-Flotte rollt, wirkt erwachsen und darf die Marke dazu auch noch in eine neue Designsprache führen. Škoda nennt sie "Modern Solid", erkennbar am sogenannten "Tech Deck Face" mit T-förmigen Scheinwerfern und Heckleuchten. Beides strahlt mit LED-Technologie, die Schweinwerfer auf Wunsch sogar in Matrix-Ausführung mit zwölf Segmenten.
Das neue Škoda-Design steht dem Neuzugang gut und lässt den kleinen Elektriker größer aussehen, als er ist. Allerdings schrammt die kernige Grafik im unteren Teil der Stoßfänger, die vermutlich den SUV-Status des 4,17 Meter langen Epiq manifestieren soll, nah am traditionellen Frontgrill der Geländewagen Ur-Marke Jeep entlang. Škoda zeigt zwar acht statt sieben Lufteinlässe, aber wer zählt die schon?
Was zählt, sind die inneren Werte. Hier punktet der Epiq mit durchweg wertig wirkenden Materialien, einem dank 2,60 Meter großen Radstand vorn wie hinten angenehmen Raumgefühl und ausgezeichneten Vordersitzen mit hohen Lehnen, an denen die Schultern Halt finden. Außer seiner adretten Optik und Haptik bietet der Innenraum ordentliche Funktionalität und ein brauchbares Maß an Ablagemöglichkeiten. Ausreichend Platz wartet auch im variablen Gepäckraum. Bis zu 475 Liter passen dort hinter die Rücksitzbank, das meiste davon oberhalb des Kofferraumbodens - und erstaunlich viel auch in den Keller darunter.
Gepriesen sei die Verbundlenker-Hinterachse, die zwischen den Rädern viel Platz für Platz lässt. In ein paar Monaten soll auch noch eine 25 Liter große Ablageschale unter der Motorhaube dazukommen, zum Beispiel als Garage für das Ladekabel, wenn man es bei beladenem Gepäckraum nicht umständlich aus dem Keller hervorzerren möchte. Die Motorhaube ist bequem mit einer Hand zu Öffnen, weil der große Entriegelungshebel an der Haube angebracht ist und nicht an der Schlossfalle in der Karosserie. Mitgedacht.
Kleines Display - aber schön eingearbeitet
Zurück auf den Fahrersitz. Ein wenig spärlich wirkt auf den ersten Blick das kleine Display hinter dem Lenkrad, was dem Fahrzeug-Baukasten geschuldet ist, den der Epiq sich mit dem Konzernbruder VW ID.Polo teilt. Der Monitor ist beim Škoda allerdings schöner ins Armaturenbrett integriert als beim VW, und überhaupt wäre es nicht verwunderlich, wenn viele den Epiq-Innenraum generell schicker fänden, auch und vor allem das Lenkrad. Die Designer in der tschechischen Škoda-Heimat Mladá Boleslav haben sich da mehr einfallen lassen als die in, ja, in Wolfsburg halt. Alles Geschmackssache natürlich.
Die Bedienung des Epiq erschließt sich schnell, haptische Tasten für die wichtigsten Funktionen und eine verständliche Menüführung geben schon nach kurzem Kennenlernen keine Rätsel auf. Man sollte nur vorab wissen, dass der Gangwahlhebel an der Lenksäule gedreht und nicht getippt werden will und dass die Škoda-Designer den Lenksäulenhebel für die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit äußerster Präzision hinter der linken Lenkradspeiche versteckt haben. Seine Funktion sollte man vor Fahrtantritt auswendig lernen, denn es ist unmöglich, die Beschriftung unterwegs zu sehen. Warum diese Bedienung nicht ins Lenkrad integrieren? Andere können das doch auch.
Was andere in diesem Segment nicht können, ist der Camping-Modus des Epiq. Bei Bedarf erhält diese Funktion im geparkten Auto Temperatur und Luftfeuchtigkeit solange konstant, wie es der Batteriestatus erlaubt. Bei voller Batterie sind das bis zu zehn Stunden. Damit lässt sich auch mal episch übernachten, ohne zu frieren, zu schwitzen oder sich mit beschlagenen Scheiben herumschlagen zu müssen. Der Autor dieser Zeilen stand auf dem Weg vom Skoda Fahrtermin zurück nach Berlin von 20.30 Uhr bis 02.00 Uhr im Stau und hat sich einen solchen Camping-Modus sehnlichst auch für sein eigenes Auto gewünscht.
Schwarmdaten sollen Verkehrsfluss verbessern
Ebenfalls nicht selbstverständlich in dieser Fahrzeugklasse ist der auf Wunsch lieferbare "Travel Assist 3.0", der Navigation und adaptive Geschwindigkeitsregelung integriert. Die Nutzung von Schwarmdaten verrät dem System zum Beispiel, welche Durchschnittsgeschwindigkeit gerade auf dem Streckenabschnitt gefahren wird und beeinflusst, ob immer bis zur erlaubten Höchstgeschwindigkeit beschleunigt wird, wenn es der Vordermann tut. Bei dichtem Verkehr ist es sinnvoller, nicht maximal Geschwindigkeit aufzubauen, nur um dann sofort wieder abbremsen zu müssen. Die Schwarmdatennutzung sorgt also für entspannteres Fahren, weniger Verbrauch und, wenn von vielen Fahrzeugen benutzt, eine Verstetigung des Verkehrsflusses bis hin zur Verhinderung des Ziehharmonika-Effekts, der an der berüchtigten Staubildung aus dem Nichts schuld ist. "Travel Assist 3.0" kann außerdem rechtzeitig vor Tempobeschränkungen verzögern. Natürlich zum Leidwesen des tückischen Blitzerwagens, der dann vergeblich kurz nach dem Schild hinter der Hecke lauert.
Die Verkehrszeichenerkennung kombiniert dazu Daten der Frontkamera mit kontinuierlich aktualisierten Online-Informationen von Fahrzeugen, die zuvor denselben Straßenabschnitt befahren haben. Und schließlich soll der Reiseassistent auch noch das rote Ampelsignal erkennen und den Epiq ohne Zutun des Fahrers zum Stehen bringen. Ausprobieren konnte ntv.de das leider nicht, denn bekanntlich schalten Ampeln immer nur dann auf Rot, wenn man es gerade nicht braucht.
Mit dem Parkassistenten aus engen Gassen kommen
Damit nicht genug der High-Tech-Features aus dem VW Konzern. Škoda bietet außerdem einen intelligenten Parkassistenten an, mit dem sich der Epiq per Handy-App fernsteuerbar ein- und ausparken lässt, entweder manuell mit Richtungstasten oder aber mit vorab angelerntem Rangierweg. Damit steigt die Zahl der nutzbaren Parkplätze in engen Innenstädten deutlich an, wenn auch oft zum Ärger der Parknachbarn. Und wenn man sich mal in Gassen manövriert hat, aus denen man nur rückwärts wieder hinauskommt, hilft der intelligente Parkassistent, indem er sich die jeweils letzten 150 Meter Fahrweg gemerkt hat und sie automatisch im Rückwärtsgang wiederholt.
Mit dem dritten vollelektrischen Škoda-Modell hält zudem endlich das von vielen Elektro-Fahrern hoch geschätzte One-Pedal-Driving Einzug bei der Clever-Marke. Damit kann der bewusst agierende Pilot einmal aufgebaute Bewegungsenergie beim Loslassen des Fahrpedals wieder in gespeicherte Energie zurückführen, und zwar ohne Nutzung der Radbremsen bis zum Stillstand, sogar auf starkem Gefälle. Mit etwas Gefühl im rechten Fuß lässt sich das One-Pedal-Driving im Epiq hervorragend und ruckfrei bedienen, Mitfahrende haben nichts zu Meckern.
Wo Škoda über das Ziel hinausschießt, ist der an sich gut gemeinte Aufmerksamkeitsassistent. Eine Kamera überwacht, wohin der Fahrer seinen Blick lenkt, und der Assistent greift ziemlich rabiat ein, sobald ihm der Blick beispielsweise zu lange auf den Navi-Bildschirm gerichtet bleibt. Das einsetzende Disziplinierungs-Feuerwerk von schrillen Warntönen über Zerren im Gurt bis zum kräftigen Abbremsen mag in vielen Fällen gerechtfertigt sein, aber scheint definitiv übertrieben, wenn das Auto mit Travel-Assist bei kaum 40 km/h hinter einem anderen Fahrzeug hertrottet, während der Fahrer einen Ausweg aus dem Stau sucht. Solche Bevormundung nervt und führt dazu, den Assistenten vor Fahrtantritt zu deaktivieren, womit er dann allerdings auch nicht eingreift, wenn das mal wirklich angebracht ist.
Rundweg gelungen zeigte sich während der ersten Probefahrten der Antrieb. Es stand ausschließlich die Topversion Epiq 55 zur Verfügung. Zur Wahl stehen grundsätzlich drei Leistungsstufen und zwei Batterietypen. Epiq 35 und Epiq 40 bieten einen Lithium-Eisen-Phosphat-Akku mit 37 kWh, der wahlweise einen Motor mit 116 oder 135 PS speist. Das Topmodell Epiq 55 setzt auf Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie, die 52 kWh an einen 211 PS starken Motor liefert (Leistungswerte gelten bei maximal vollem Akku). Es wirken an der Vorderachse 267 beziehungsweise 290 Newtonmeter Drehmoment, die kombinierte WLTP-Reichweite beträgt bis 310 beziehungsweise bis 441 Kilometer.
Anständige Ladezeiten
Gute Werte liefern die Tschechen auch für die Ladezeiten, vorausgesetzt, es hängt nicht das Basismodell Epiq 35 am CCS-Stecker. Von 10 auf 80 Prozent Batteriestatus schafft es der Epiq 40 mit maximal 90 kW Ladeleistung in 25 Minuten, der Epiq 55 mit 105 kW in 24 Minuten. Der Basis-Epiq verdaut nur maximal 50 kW Ladeleistung und muss 33 Minuten am Kabel bleiben. Aus der Wechselstrom-Wallbox ziehen alle Modelle 11 kW, komplett von Null vollladen dauert bei der kleinen Batterie vier Stunden, bei der großen fünfeinhalb Stunden.
Mit den 211 PS und 290 Newtonmetern des Epiq 55 blieb während der Probefahrten kein Wunsch nach noch mehr Leistung offen. Erfahrungsgemäß stellen beim Elektroantrieb auch die weniger leistungsstarken Versionen die meisten Ansprüche zufrieden. Die für die Beschleunigung entscheidenden Drehmomentwerte unterscheiden sich zwischen den Antriebsversionen beim Epiq kaum. Das ist gut so, denn wirklich preisgünstig ist der neue kleine Škoda nur in den Basisversionen Epiq Essence 35 und 40 zu Preisen ab 25.900 respektive 27.900 Euro - zu haben ab Oktober 2026. Den Epiq 55 gibt es erst ab 32.100 Euro.
Allen gemeinsam ist auch der angenehme Geräusch- und Federungskomfort. Nur auf welligem Fahrbahnbelag macht sich mit leichter Unruhe in der Karosserie die hintere Verbundlenkerachse bemerkbar - doch das ist Nörgeln auf hohem Niveau. Mit dem Epiq ist Škoda ein Kleinwagen gelungen, der handlich in der City und dennoch erwachsen langstreckentauglich ist. Der Epiq 35 ist eher das Stadt- und Kurzstreckenauto zum niedrigen Preis mit etwas längeren Ladezeiten, der teure 55 taugt für jeden Einsatzbereich. Und der 40 ist ein guter Kompromiss zwischen beiden. So geht Kleinwagen.
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