Aus für kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta"
"Man hat uns getötet", lautet der Titel einer Erklärung auf der Website der russischen Zeitung. "Die 'Nowaja Gaseta' hört auf zu existieren", sagte Chefredakteur Sergej Sokolow in einer auf der Onlineplattform YouTube veröffentlichten Videobotschaft. "Die russischen Behörden, die russischen Geheimdienste haben die Redaktion dazu gezwungen, ihre Arbeit einzustellen." Am 9. November mache die Redaktion das Licht aus, fahre die Server herunter und gehe. Die Zeitung gebe es dann nicht mehr.

Die "Nowaja Gaseta" war von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow gegründet worden und existierte mehr als 30 Jahre lang. Die Zeitung gehört zu den kritischsten Stimmen in Russland und stand stets unter Druck. Anfang des Monats jährte sich etwa der Mord an ihrer Reporterin Anna Politkowskaja zum 20. Mal.
Chefredakteur Solokow im Oktober verhört
Russische Behörden gingen auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren gegen die "Nowaja Gaseta" vor. Die Zeitung stellte die Produktion im Inland nach der strengen Zensur seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine ein. Im Internet veröffentlichte sie aber weiter Inhalte.

Chefredakteur Solokow war im Oktober verhört worden, die russischen Behörden durchsuchten seine Wohnung im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen seiner Kollegen: Oleg Roldugin, der im April festgenommen worden war, steht mittlerweile unter Hausarrest. Dem für Korruptionsrecherchen über höchste russische Kreise bekannten Journalisten wird vorgeworfen, illegal Informationen mit personenbezogenen Daten gesammelt und verbreitet zu haben. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Ria plädierte er auf nicht schuldig.
Dmitri Muratow als "Auslandsagent" eingestuft
Zuvor war schon ihr 2021 mit dem Friedensnobelpreis geehrter Gründer als "Auslandsagent" eingestuft worden. Damit brandmarkt Moskau Kritiker. Wer als "Auslandsagent" gelistet ist, muss mit zahlreichen Nachteilen rechnen. Unter anderem sind ihnen Mieteinnahmen oder Depotzinsen bei einem Sparkonto ebenso verwehrt wie Tantiemen oder sonstige Einkünfte aus intellektueller Tätigkeit.
"Mehr als 30 Lebensjahre zusammen mit dem Land und seinen Bürgern werden für uns auf der Straße enden, ohne Existenzgrundlage, unter ständiger Bedrohung durch Repressionen", schrieb die "Nowaja Gaseta" nun.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.