Typklassen der Kfz-Versicherung: Für wen das Autofahren 2027 teurer wird

Typklassen der Kfz-VersicherungFür wen das Autofahren 2027 teurer wird
30.09.2026, 09:47 Uhr

Muss für die Autoversicherung im Jahr 2027 mehr bezahlt werden? Oder wird sie sogar billiger? Für die Beiträge spielen die jährlich neu berechneten Typklassen eine wichtige Rolle. Welche Modelle davon besonders betroffen sind, lesen Sie hier.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat die jährliche Neuberechnung der Typklassen veröffentlicht. Das hat Auswirkungen auf die Höhe der Kfz-Versicherung. Die aktuellen Neueinstufungen werden zum 1. Januar 2027 wirksam. Grundlage für die Typklasseneinstufung ist die Schadenbilanz der letzten drei Jahre. Fahrzeugtypen, die häufig in Unfälle verwickelt sind und hohe Reparaturkosten verursachen, werden besonders hoch eingestuft.
Die Typklasse ist eine Einstufung, die zeigt, wie viele und wie teure Schäden mit einem Automodell im Vergleich zu anderen Modellen verursacht werden. In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind Schäden maßgeblich, die bei Dritten verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise Auffahrunfälle und Parkrempler, aber auch größere Verkehrsunfälle. In der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es 16 Typklassen (10-25), für die Einstufung des Modells sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Vollkaskoversicherung unterscheiden die Statistiker des GDV 25 Typklassen (10-34) und in der Teilkaskoversicherung 24 Typklassen (10-33).
Für 71 Prozent der Autofahrer bleibt es bei der Typklasse
Rund 7,4 Millionen Autofahrer werden in eine höhere, rund 5,1 Millionen in eine niedrigere Typklasse gestuft. Für die übrigen fast 30 Millionen - insgesamt 71 Prozent aller Autofahrer - ändert sich in der Einstufung für die Kfz-Haftpflichtversicherung nichts, so GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.
Typklassen gibt es nicht nur für die Kfz-Haftpflichtversicherung, sondern auch für die Voll- und Teilkaskoversicherung. Hier geht es um Schäden am eigenen Auto, etwa durch Autodiebstahl, Wildunfälle, Hagel oder Sturm. In der Vollkaskoversicherung zusätzlich um selbstverschuldete Unfälle.
Für die Schadenbilanzen in den Kaskoversicherungen spielen daher auch Wiederbeschaffungswert, Reparaturkosten und Ersatzteilpreise des jeweiligen Automodells eine Rolle. Viele Kleinwagen, wie Fiat Panda, Renault Twingo und VW Polo, die vergleichsweise günstig zu reparieren sind, haben oft niedrige Kasko-Typklassen. Dagegen fallen bei hochwertigen Geländewagen, Sportwagen oder Oberklassemodellen die Kosten häufig höher aus. Entsprechend finden sich viele dieser Modelle in einer höheren Typklasse wieder. So zum Beispiel verschiedene Autos der Baureihen Porsche Panamera, Land Rover Range Rover oder Toyota Land Cruiser. "Als Faustregel gilt: Je teurer ein Auto und dessen Ersatzteile sind, desto höher fällt meist die Kasko-Typklasse aus", sagt Asmussen.
Häufig geht es für Automodelle nur ein oder zwei Klassen nach oben oder unten. So wird in der Kfz-Haftpflichtversicherung der VW T7 Muktivan 2.0 TDI X und in der Vollkaskoversicherung der Mercedes GLC 200 4Matic zwei Klassen besser eingestuft.
Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung des Beitrags
Auch das Vergleichsportal Verivox hat einen Blick auf die neuen Typklassen geworfen und stellt fest, dass Fahrer eines Jeep Wrangler 2.0 im nächsten Jahr mit einer um 25 Prozent teureren Vollkaskoversicherung rechnen müssen. Der Geländewagen steigt im kommenden Jahr um sechs Klassen. Wie nah Freud und Leid bei den Neueinstufungen beieinanderliegen, zeigt sich am Beispiel eines Vorgängermodells. Die Vollkasko für einen Jeep Wrangler 3.6 sinkt 2027 um sechs Typklassen und wird so um durchschnittlich 19 Prozent günstiger.
Auch für Fahrer eines Mini Cooper C 1.5 wird die Vollkasko-Versicherung günstiger. Der Kleinwagen sinkt in der Vollkasko- um fünf und in der Haftpflichtversicherung um zwei Typklassen, die Versicherungskosten reduzieren sich dadurch im Schnitt um 21 Prozent. Da die Haftpflicht immer inkludiert ist, profitieren Versicherte mit Rundumschutz von beiden Umstufungen. Für einen Dacia Duster 1.2 wird die Vollkaskoprämie im Schnitt 16 Prozent günstiger. Das Modell wird um eine Haftpflicht- und um vier Vollkasko-Klassen nach unten gestuft.
Von einer günstigeren Haftpflicht-Einstufung profitieren auch Fahrer eines BMW 330 CI. Das Coupé sinkt um vier Klassen in der Haftpflichtversicherung und eine weitere in der Vollkasko. Die Versicherungskosten werden so um 15 Prozent günstiger. Die Fahrer eines Mercedes-Benz CLA 180 zahlen wegen einer Herabstufung um sechs Klassen in der Haftpflicht und einer Zunahme um eine Vollkasko-Klasse im Schnitt 10 Prozent weniger.
Anders als in den letzten Jahren müssen Versicherungsnehmer für das kommende Jahr nicht grundsätzlich mit deutlichen Beitragserhöhungen rechnen. "Die starken Preiserhöhungen sind vorerst vorbei und die meisten Versicherer sind zurück in der Gewinnzone", sagt Aljoscha Zillerr, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH.
Erhöht sich durch die Neueinstufung der Beitrag zur Kfz-Versicherung, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht. Auf der Seite des GDV ist eine individuelle Abfrage der Typklasse von mehr als 30.000 Fahrzeugen möglich.
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