Basketball der Frauen: Perfektes Spektakel

Das siebte Spiel der WNBA-Finals zwischen Atlanta Dream und den Golden State Valkyries wurde ein Festival der Rekorde. Das zeigt den Boom der Liga.
Foto: Jose Carlos Fajardo/ap
E s wurden wieder jede Menge Rekorde aufgestellt am späten Samstagnachmittag in San Francisco. Das alles entscheidende Spiel der WNBA Finals stand an: Game 7. Atlanta Dream zu Gast im „Ballhalla“ der Golden State Valkyries, dem Schwesterteam der Golden State Warriors aus der NBA. Das wäre auch schon der erste Rekord, der zu verzeichnen ist, denn noch nie zuvor wurde in der WNBA bei den Final Playoffs das siebte Spiel erreicht. Oder wie es vonseiten der Kommentatorinnen heißt: „the best two words in sports“.
Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass der Spielmodus „best out of 7“ für die Finalrunde der besten und am stärksten wachsenden Frauenbasketball-Liga der Welt erst vergangene Saison eingeführt wurde, wer weiß. Die Dreams und die Valkyries hatten sich nichtsdestotrotz bislang eine heiß umkämpfte Finalrunde geliefert. Und wohl auch eine unerwartet lange.
Das sechste Spiel jedenfalls, bei dem die Valkyries schon die Chance auf den Titelgewinn gehabt hätten, wurde in Atlanta trotz allem Hype an einem Donnerstagmittag um 12:30 Uhr angesetzt. Weil für abends in der Halle tatsächlich schon die NBA-Männer von den Atlanta Hawks spielen sollten. Die 17.000 Tickets für das WNBA-Spiel waren trotzdem binnen zwei Tagen ausverkauft. Weitere 1,5 Millionen Menschen schauten die Live-Übertragung im TV.
Die reguläre Saison hatte Atlanta Dream dieses Jahr sogar noch in einer 3.500-Zuschauer-Halle spielen müssen, erst kommende Saison sollen sie die NBA-Arena permanent mitnutzen können. Selbst die Liga-Organisatoren scheinen vom Boom überrumpelt.
Perfekte Spannung
Im Mittagsspiel glich Atlanta Dream schließlich in der Gesamtwertung zum 3:3 aus und machte die Spannung perfekt. Game 7 also, allerletztes Spiel der Saison, zwei Teams, die noch nie den Titel gewonnen haben, kämpfen darum. Eines davon, das Franchise aus San Francisco, spielte auch noch vergangenes Jahr seine erste Saison. Es ist jetzt schon ein weiterer Rekord, dass sie in ihrer zweiten Saison schon im Finale stehen. Beide Teams gelten als die abwehrstärksten der Liga. Das Setting ist so ausgelegt für noch mehr Rekorde. Die Arena ist selbstverständlich ausverkauft. Etwas mehr als 18.000 Zuschauer sind vor Ort, und dann ist auch noch Halloween, besser kann die Show nicht werden.
Es ist ein Finalspiel, wie man es sich nur wünschen kann. Und das exemplarisch steht für das Niveau und die Entwicklung, die die WNBA in den letzten Jahren durchgemacht hat.
Das ganze Spiel bleibt eng
Atlanta braucht ein paar Minuten auf dem gegnerischen Parkett, inmitten all der hell-violetten Fans aus Kalifornien, um die ersten Punkte zu erzielen. Ab da bleibt es das ganze Spiel über eng. Mit Superstars Angel Reese, Jordin Canada und Allisha Gray holt Atlanta Dream auf und die Walküren sogar ein, führt dann bis ins dritte Viertel. Auf der anderen Seite braucht es eine ganze Halbzeit, bis sich der Star des Matches herauskristallisiert und für weitere Rekorde sorgt: Gabby Williams. Mit gerade mal zwei Punkten in der ersten Halbzeit übernimmt sie nach der Pause fast komplett. Im dritten Viertel erzielt sie mit 15 Punkten sogar alleine mehr Treffer als Atlanta insgesamt.
Am Ende läuft Altlanta Dream die Zeit davon und Williams und die Golden State Valkyries sind nicht mehr zu bremsen. Sie gewinnen als jüngstes Franchise der WNBA-Geschichte mit 68 zu 63. Wieder ein Rekord. Und Gabby Williams, mit 30 Punkten, wird zu Recht zum MVP, der wertvollsten Spielerin, des Spiels erkoren. Außerdem ein Zeichen für die Qualität der WNBA inzwischen: Es gewinnt ein Team ohne die großen Stars wie Caitlin Clark oder Breanna Stewart. Es würde eine nicht wundern, wenn zur kommenden Saison weitere Rekorde aufgestellt werden.
Ruth Lang Fuentes Autorin
Geboren 1995 in Kaiserslautern, bis Januar 2023 taz Panter Volontärin. Sie studierte Mathematik in Madrid und Heidelberg. Schrieb dort für Studierenden- und Regionalzeitung. Seit 2022 schreibt sie im Wechsel mit Aron Boks die taz.FUTURZWEI-Kolumne "Stimme meiner Generation".
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