Wie Superreiche die US-Zwischenwahlen beeinflussen wollen
Noch nie hat ein amtierender US-Präsident bei den Midterms so viel Geld über sein politisches Umfeld mobilisiert wie Donald Trump in diesem Wahlzyklus. Wenige Tage vor der Wahl am 3. November geben ihm nahestehende Wahlkampfgruppen Hunderte Millionen Dollar aus, um die Republikaner zu unterstützen.
Einer der wichtigsten Geldgeber ist Elon Musk. Der Tech-Milliardär hat bereits rund 446 Millionen Dollar an politische Organisationen gespendet – überwiegend, um den Republikanern zu helfen, ihre Mehrheiten im Kongress zu verteidigen.
Bei den Midterms zeichnet sich in Texas ein knappes Rennen ab. Elon Musk steckt viele Millionen in den Wahlkampf des Republikaners Ken Paxton gegen den Demokraten James Talarico.
29.10.2026 | 2:44 minEiner der teuersten Midterm-Duelle: Texas
Ein Schwerpunkt liegt ausgerechnet in Musks Wahlheimatstaat Texas. Dort entwickelt sich der Kampf um einen Senatssitz zu einem der spannendsten und teuersten Duelle der Midterms. Der Republikaner Ken Paxton tritt gegen den Demokraten James Talarico an.
Lange galt Texas als republikanische Hochburg. Doch inzwischen ist das Rennen deutlich enger, als viele erwartet hatten. Dass republikanische und demokratische Gruppen dort Millionen investieren, zeigt, wie wichtig der Bundesstaat plötzlich geworden ist.
Denn wo Parteien Millionen investieren, verrät oft, wie sicher oder nervös sie mit Blick auf einen Wahlkampf sind, erklärt US-Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler im Gespräch mit ZDFheute.
Wo wie viel Geld ausgegeben wird, zeigt, ob man Bundesstaaten sichern muss oder ob man auf Angriff gehen kann.
Julian Müller-Kaler, US-Politikwissenschaftler
Ken Paxton, Wunschkandidat von US-Präsident Trump, könnte die Republikaner in Texas bei den Midterms einen Senatssitz kosten. Die Demokraten schicken James Talarico ins Rennen.
25.10.2026 | 1:04 minDie Milliarden-Maschine hinter den Wahlkämpfen
Dass der Wahlkampf so teuer geworden ist, liegt vor allem an sogenannten Super PACs. Die Abkürzung steht für "Super Political Action Committee". Dahinter verbergen sich Organisationen, die Kandidaten unterstützen oder bekämpfen können und dabei nahezu unbegrenzt Geld einsammeln und ausgeben dürfen.
Möglich wurde das durch ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2010. Seitdem können Unternehmen, Verbände und wohlhabende Einzelpersonen deutlich einfacher große Summen in politische Kampagnen lenken, erklärt US-Politikwissenschaftler Müller-Kaler.
Eigentlich sollten strenge Regeln verhindern, dass Großspender Kandidaten direkt finanzieren können. Die Lösung sei jedoch eine Art Umweg gewesen.
Super PACs sind assoziierte, aber nicht offiziell assoziierte Organisationen, die einem Kandidaten nahestehen, aber nicht Teil seiner Kampagne sind.
Julian Müller-Kaler, Politikwissenschaftler
Das heißt: Ein Milliardär darf einem Kandidaten nicht einfach unbegrenzt Geld für dessen Wahlkampf überweisen. Er kann aber Millionen an einen Super PAC spenden. Dieser schaltet anschließend Fernsehspots, kauft Online-Werbung, verschickt Wahlkampfpost oder finanziert Kampagnen gegen den politischen Gegner.
US-Präsident Trump kämpft um die Mehrheit im Kongress, die Demokraten um ihren Kurs. Die Midterms entscheiden auch über die Machtverteilung in Washington und den politischen Kurs Amerikas.
27.10.2026 | 29:38 minAnonyme Spenden durch "Dark Money"-Organisationen
Offiziell sind Kandidaten und Super PACs unabhängig voneinander. In der Praxis werden viele dieser Organisationen jedoch von ehemaligen Mitarbeitern, langjährigen Weggefährten oder politischen Verbündeten geführt. "Diese Limitationen für Direktzuwendungen an Kandidaten gelten dort nicht", erklärt Müller-Kaler. Dadurch hätten Super PACs "Tür und Tor für politische Zuwendungen in den Wahlkampf geöffnet".
Beispiele sind etwa Musks "America Pac" oder Trumps "MAGA Inc.". Beide formal unabhängig und sie können faktisch unbegrenzt spenden.
Eine weitere wichtige Geldquelle ist sogenanntes "Dark Money". Anders als Super PACs können bestimmte gemeinnützige Organisationen politische Werbung finanzieren, ohne ihre Geldgeber offenlegen zu müssen. Wer hinter dem Geld steckt, bleibt deshalb oft im Dunkeln. Für die Midterms erwarten Beobachter mehr als eine Milliarde Dollar aus solchen anonymen Quellen, so viel wie nie zuvor.
Möglich wird das durch bestimmte Organisationsformen im US-Steuerrecht, etwa gemeinnützige Verbände. Sie dürfen sich politisch engagieren, müssen ihre Spender aber nicht veröffentlichen. Das Geld kann anschließend direkt oder indirekt in Wahlwerbung fließen.
Kritiker warnen deshalb, dass finanzstarke Interessen so erheblichen Einfluss auf Wahlen nehmen können, ohne Rechenschaft über die Herkunft der Mittel abzulegen.
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Nicht nur Republikaner profitieren, sondern auch Demokraten
Zusammen mit dem Geld von mächtigen Einzelspendern könnten die Ausgaben für Wahlwerbung in diesem Wahlzyklus einen neuen Rekord erreichen: Mehr als zehn Milliarden US-Dollar.
Neben Musk, der hunderte Millionen in den republikanischen Wahlkampf pumpt, sammeln auch die Demokraten kräftig Geld. Zu deren Großspendern zählen Finanzinvestor George Soros, LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffmann und der Milliardär Michael Bloomberg.
Bei den Kongresswahlen geht es um die Mehrheiten in beiden Kammern. In Texas könnte Demokrat James Talarico einen Senatssitz gewinnen, den seine Partei seit Jahrzehnten nicht erobert hat.
27.10.2026 | 2:30 minViel Geld hilft dabei, Werbung zu schalten und Wähler zu erreichen. Gerade bei Midterms mit traditionell niedriger Wahlbeteiligung spielt das eine wichtige Rolle. Eine Garantie für den Wahlsieg ist Geld aber nicht. Immer wieder gewinnen Kandidaten mit deutlich kleineren Wahlkampfkassen.
Das prominenteste Beispiel ist Donald Trump selbst. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 sammelte Hillary Clinton deutlich mehr Geld ein als ihr republikanischer Herausforderer. Gewonnen hat trotzdem Trump.
Über dieses Thema berichtete das heute journal in dem Beitrag "Texas: Musk-Millionen im Midterms-Wahlkampf" am 29.10.2026 ab 21:45 Uhr.
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