Konsulat in Mailand errichtet: US-Baukonzern zahlt Millionensumme wegen möglicher Ausbeutung

Konsulat in Mailand errichtetUS-Baukonzern zahlt Millionensumme wegen möglicher Ausbeutung
27.09.2026, 16:52 Uhr
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Die USA lassen in Mailand ein neues Konsulat errichten. Baukonzern Caddell Construction wirbt viele Arbeiter in Indien an und droht ihnen, wenn sie keine Überstunden machen. Die italienische Justiz ermittelt wegen Ausbeutung, der Konzern zahlt - für einige Arbeiter gibt es ein Happy End.
Das US-Bauunternehmen Caddell Construction hat sich im Zuge von Ermittlungen wegen mutmaßlicher Ausbeutung von Arbeitern auf der Baustelle des neuen US-Konsulats in Mailand zur Zahlung von rund 31 Millionen Euro verpflichtet. Fast 20 Millionen Euro sollen an die Arbeiter fließen, unter anderem für Überstunden und als Entschädigung für nicht-materielle Schäden, wie aus einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Dokument hervorgeht, das der Konzern der Mailänder Staatsanwaltschaft vorlegte.
Zudem seien mehr als sieben Millionen Euro für die italienische Sozialversicherungsanstalt INPS und knapp vier Millionen Euro für die Arbeitsaufsichtsbehörde vorgesehen. Eine rechtliche Verantwortung räumte das Unternehmen aus dem Bundesstaat Alabama jedoch nicht ein.
Die italienische Arbeitsministerin Marina Calderone sprach von einem der bedeutendsten Vorgehen gegen Arbeitsausbeutung in den vergangenen Jahren. "Das Ergebnis stärkt den internationalen Ruf Italiens und sendet die klare Botschaft, dass der Staat seine schwächsten Arbeiter nicht im Stich lässt." Eine Stellungnahme von Caddell war bisher nicht erhältlich.
Die italienische Tochtergesellschaft von Caddell war Ende Mai unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Mailand und die Carabinieri warfen dem Unternehmen vor, über einen Vermittler in Neu-Delhi Arbeiter in Indien angeworben und diese unter ständiger Androhung von Entlassungen zu überlangen Schichten ohne Arbeitsschutz und bei schlechter Bezahlung gezwungen zu haben.
Italien will Aufenthaltsstatus anerkennen
Insidern zufolge umfasst die nun getroffene Vereinbarung die Legalisierung des Status von rund 500 Arbeitern. Zudem erkenne der italienische Staat die Aufenthaltsgenehmigungen für 270 ausländische Arbeitskräfte an, 60 entlassene Arbeiter erhielten Arbeitslosengeld. Nach Eingang der Zahlungen werde die Staatsanwaltschaft voraussichtlich die Einstellung des Verfahrens gegen die italienische Caddell-Einheit beantragen, sagte eine Person. Für zwei festgenommene Führungskräfte des Unternehmens würden Absprachen im Strafverfahren angestrebt.
Der Bau des US-Konsulats in Mailand hatte 2022 begonnen. Der Vertrag hat ein Volumen von fast 210 Millionen Dollar. Die ursprünglich für 2025 geplante Fertigstellung wurde inzwischen auf 2028 verschoben. Der Fall ist der jüngste in einer Reihe von Ermittlungen wegen Ausbeutung, die der Mailänder Staatsanwalt Paolo Storari in den vergangenen Jahren vorangetrieben hat. Diese Untersuchungen zwangen Unternehmen dazu, mehr als 60.000 Arbeitern umfassendere Beschäftigungsrechte einzuräumen, und ermöglichten es den Behörden, mehr als eine Milliarde Euro zurückzufordern. Zugleich entfachten sie eine hitzige Debatte darüber, ob die italienische Justiz ihre Kompetenzen überschreitet.
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