KI-Branche nach den Midterms: Wer hat Angst vor Regulierung?
Nach dem Sieg der Demokraten bei den Midterms fallen die Börsenkurse großer Tech-Firmen stark. Wird KI jetzt stärker reguliert und was würde das für die Tech-Bosse bedeuten? ZDFheute live.
06.11.2026 | 25:53 minDer Wahlerfolg der Demokratischen Partei bei den Midterms in den USA erschüttert die KI-Branche. Die Angst vor mehr Regulierung von Künstlicher Intelligenz hat an der Wall Street zu einem Ausverkauf bei Tech-Aktien geführt. Gerade Aktien rund um die Chipbranche, die als größte Profiteure des KI-Hypes gelten, brachen ein. Auch Anleger am deutschen Aktienmarkt reagierten, der Dax büßte am Freitag ausgehend von seinem erst am Vortag mit 26.692 Punkten erreichten Rekord zeitweise über 1.000 Zähler ein.
ZDF-Experte: Heftigste Einbrüche seit Corona-Pandemie
"Das sind schon heftige Kurseinbrüche, die wir da gesehen haben", sagt ZDF-Wirtschaftsexperte Florian Neuhann bei ZDFheute live. Derartige Einbrüche habe es zuletzt zu Beginn der Corona-Pandemie gegeben - wobei diesmal Firmen in den USA und in Asien stärker betroffen seien als jene in Deutschland und Europa. "Wir sind ja nicht so richtig Teil gewesen dieser großen KI-Party, die da in den letzten ein, zwei Jahren an der Börse gefeiert worden ist", erklärt Neuhann.
Und das ist jetzt so ein kleiner Vorteil, wir sind auch nicht Teil des Katers, den dann die anderen haben.
Florian Neuhann, ZDF-Wirtschaftsexperte
Er berichtet, dass es auch schon vor den Midterms Zweifel am starken Wachstum der KI-Branche gegeben habe, sowohl wegen der hohen Bewertungen für die Firmen OpenAI und Anthropic, die an die Börse gehen wollen, als auch wegen der Kreislaufgeschäfte: Der Chip-Konzern Nvidia etwa habe in OpenAI und Anthropic unter der Bedingung investiert, dass die Firmen dann wiederum Chips bei Nvidia kaufen.
Es war eine "blaue Welle": Die Demokraten haben bei den Kongresswahlen die Kontrolle über beide Parlamentskammern gewonnen. Die Machtverschiebung stellt beide Parteien vor Fragen.
06.11.2026 | 2:35 minNun kommt der Erdrutschsieg der Demokraten in den USA hinzu, die ab Januar 2027 sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus der USA die Mehrheit stellen und sich für deutlich mehr Regulierung der Branche einsetzen. Parallel zu den Midterms fanden in zahlreichen US-Bundesstaaten Abstimmungen über den Bau von neuen Rechenzentren statt - und viele Wähler stimmten dagegen.
Rechenzentren in Texas könnten gestoppt werden
Die zukünftige demokratische Gouverneurin von Texas, Gina Hinojosa, etwa habe angekündigt, dass sie erstmal alle neuen Bauvorhaben für KI-Rechenzentren stoppen will, berichtet ZDF-Reporter Daniel Thoma aus Washington bei ZDFheute live. Für diese Baupläne sollen dann strengere Regeln gelten, etwa mit Blick auf den Wasser- und Stromverbrauch der Zentren. Auch andere demokratisch regierte Staaten könnten sich das zum Vorbild nehmen, so Thoma.
"Das ist ein Problem für diese Branche, denn wenn sie eines braucht, dann sind es neue Rechenzentren", ergänzt ZDF-Wirtschaftsexperte Neuhann. "Und wenn die jetzt nicht mehr gebaut werden können, dann ist dem Wachstum der KI-Branche irgendwann ein Stoppschild gesetzt und das könnte echt zu einem großen Problem werden für die Branche."
Die KI-Branche habe zudem einen großen Anteil am Wirtschaftswachstum in den USA, rund 37 Prozent, berichtet Neuhann. Ein Stillstand bei den KI-Firmen würde also auch das Wachstum der US-Wirtschaft verlangsamen.
Nach den US-Zwischenwahlen sind viele Tech-Aktien an Asiens Börsen eingebrochen. Anleger fürchten strengere Regeln für den Ausbau von Rechenzentren.
06.11.2026 | 0:24 minDoch viele Wähler in den USA seien keine Fans der Rechenzentren, so Thoma: "Wir haben gesehen, dass im ganzen Land Kandidaten sich durchgesetzt haben (...), besonders demokratische Kandidaten, die im Wahlkampf aktiv damit geworben haben, dass sie sich gegen KI-Datenzentren einsetzen würden."
Viele Bürger sorgten sich, dass die Rechenzentren die Wasser- und Stromversorgung in ihren Heimatorten gefährden, berichtet Thoma. Gleichzeitig hätten sie von dem KI-Boom an den Aktienmärkten selbst wenig gespürt.
Am Tag der offenen Rechenzentren laden Betreiber aus dem gesamten Bundesgebiet interessierte Menschen zum Besuch ein.
06.11.2026 | 1:41 minVerhältnis zwischen Trump und Tech-Branche unter Kritik
Wenig hilfreich sei dabei auch die Nähe von Tech-Bossen wie Elon Musk und Jeff Bezos zu US-Präsident Donald Trump gewesen, der von ihnen große Spenden angenommen und ihnen im Gegenzug freie Hand gelassen habe. "Viele Wähler haben das auch schon als Korruption ehrlicherweise wahrgenommen. Diese Art von Deals wurde auch an der Wahlurne abgelehnt", sagt Thoma.
Ob sie diese Nähe auch weiterhin suchen, bleibe nun abzuwarten. Viele CEOs seien erst mit Trumps Amtszeit in die "rechte Richtung" gewechselt.
Jetzt weht der Wind in die andere Richtung. Wir werden sehen, ob die Tech-Bosse da politisch auch mitgehen.
Daniel Thoma, ZDF-Reporter in Washington
Die Gespräche führte Barbara Parente, zusammengefasst hat es Marie Ahlers.
Quelle: Mit Material von dpa
Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 06.11.2026 ab 19:30 Uhr.
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