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Sunday, November 1, 2026

Linke will in Berlin regieren: Junge Linkspartei erstaunlich schnell erwachsen

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Mit großer Mehrheit hat sich der Parteitag der Linken für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD ausgesprochen. Die Aussicht aufs Rote Rathaus wirkt Wunder.

E inen Moment gibt es, da muss Kerstin Wolter einschreiten. Die Landesvorsitzende der Berliner Linkspartei geht ans Mikro und macht den Delegierten deutlich, dass eine Annahme des zur Abstimmung stehenden Antrags das Aus für Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD in Berlin bedeuten würde.

„Die Linke Berlin kritisiert die am 8. Oktober 2026 zwischen SPD, Grünen und unserer Partei getroffene Vereinbarung zum Start der Sondierungen“, heißt es in dem Antrag, den der Bezirksverband Steglitz-Zehlendorf eingebracht hat.

Das mühsam ausgehandelte Papier soll nach Willen der Parteiführung Teil des Koalitionsvertrags für ein Berliner Linksbündnis werden. So steht es auch im Sondierungspapier, auf das sich Linke, Grüne und SPD geinigt hatten. Eine Annahme wäre der Knall gewesen, auf den viele gewartet haben.

Der Antrag wird deutlich abgeräumt. Und mit ihm auch das Antisemitismusthema, das die Berliner Linke seit Beginn der Vorgespräche mit Grünen und SPD begleitet. Zumindest an diesen Parteitagssamstag im Lichtenberger Don-Xuan-Haus. Zwei Drittel der Delegierten stehen zur „Berliner Vereinbarung“, die jüdisches Leben schützen soll und für das Existenzrecht Israels eintritt.

Am Ende stimmen sogar nur zehn der über 150 anwesenden Delegierten gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Damit ist der Weg dafür frei, gleich am Montag soll es dam,it los gehen. Die Linke, von der es immer wieder heißt, viele in der Partei wollen gar nicht regieren, hat an diesem Samstag überraschend deutlich ihre Bewährungsprobe bestanden.

Die Aussicht auf das Rote Rathaus diszipliniert

Das hat auch mit der Aussicht aufs Rote Rathaus zu tun. Kein Satz ist an diesem Samstag häufiger zu hören als der, dass Berlin mit Elif Eralp an der Spitze eines Linksbündnisses Geschichte schreiben können.

Berlin bezahlbar zu machen, das weiß auch die übergroße Mehrheit der Delegierten, gelingt in einer von der Linken geführten Koalition eher als aus der Opposition. Diese realpolitische Häutung ist insofern bemerkenswert als die Linke – mit 19.000 Mitgliedern Berlins größte Partei – zuletzt rasant gewachsen ist und sich verjüngt hat. Ende 2024 noch waren es nur rund 8.000.

Nun sind die jungen Wilden in der Linken mit dem Roten Rathaus vor Augen quasi im Zeitraffer erwachsen geworden. Die Grünen haben für eine solche Häutung beim Thema Militanz in den achtziger Jahren deutlich länger gebraucht.

Wie erwachsen die Partei am Ende tatsächlich ist, wird sich zeigen, wenn eine Mitgliederbefragung über einen Koalitionsvertrag entscheidet. Eine andere andere Entscheidung könnte aber schon am Samstag gefallen sein. Indem die umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde vor der Halle gegen die eigene Partei demonstrierte, hat sie sich demonstrativ ins Abseits gestellt.

Diejenigen der 44 Linken-Abgeordneten, darunter 35 neue, die bislang bei einem Rauswurf aus der Fraktion gezögert haben, dürften nun Klarheit haben. Emde hat nicht das Rote Rathaus vor Augen, sondern das eigene Ego.

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