Erstmals Olympia in Afrika: Senegal zwischen Vorfreude und Sorge
Zum ersten Mal findet eine olympische Sportveranstaltung auf afrikanischem Boden statt: Am letzten Tag im Oktober beginnen die Olympischen Jugend-Sommerspiele im Senegal. Rund 2700 Athletinnen und Athleten im Alter von 15 bis 17 Jahren treten in 153 Wettbewerben und 25 Sportarten an.
Aus Deutschland nehmen 50 Athletinnen und Athleten teil, in insgesamt 17 Sportarten wie beispielsweise 3x3 Basketball, Bogenschießen und Geräteturnen.

Einige von ihnen konnten bereits internationale Erfolge feiern. So ist auch Tischtennisspielerin Koharu Itagaki mit dabei, die sich 2025 den Titel der U15-Weltmeisterin sichern konnte.
Historische Spiele für Senegal und Afrika
Die Wettkämpfe finden an acht Sportstätten in drei Orten statt: in der Hauptstadt Dakar, im nahegelegenen Diamniadio sowie im rund 80 Kilometer entfernten Badeort Saly. Für viele im Land ist der Wettbewerb ein Meilenstein auf dem Weg zu künftigen großen Olympischen Spielen in Afrika.
"Ich freue mich sehr auf die Olympischen Jugendspiele, weil ich zum ersten Mal mein Land vertreten werde", erzählt die 15-jährige senegalesische Judoka Aisha Diop im Gespräch mit der Deutschen Welle (DW). "Ich bin sehr stolz darauf. Die Spiele werden junge Sportlerinnen und Sportler in Afrika motivieren, weil sie sich verbessern werden und dann den Sport weiterverfolgen wollen, weil die Jugendspiele hier stattgefunden haben."

Auch in Deutschland wird der Wettbewerb als besonders angesehen. "Als erster afrikanischer Austragungsort olympischer Wettkämpfe wird Dakar 2026 in die Geschichte der Olympischen Bewegung eingehen", so Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, in einer Pressemitteilung des Internationalen Olympischen Komitees. Für die Athletinnen und Athleten aus Deutschland sei es eine Gelegenheit, "sportliche Erfahrungen auf internationaler Bühne zu sammeln, neue Kulturen kennenzulernen und Teil eines einzigartigen Austauschs zwischen jungen Menschen aus aller Welt zu sein."
Gleichgewicht zwischen Mädchen und Jungen
Mehrere Sportarten geben bei den Jugendspielen ihr Debüt, darunter Baseball5, Kung-Fu und das senegalesische Ringen. Erstmals ist auch ein Flüchtlingsteam bei den Jugendspielen vertreten.

Und es gibt noch eine Besonderheit: "Von den 2700 Athleten in Dakar werden genau die Hälfte Jungen und die Hälfte Mädchen sein", sagt Olivia Nloga vom Organisationskomitee im Gespräch mit der DW. "Diese Parität zeigt sich nicht nur in der Gesamtzahl, sondern auch in den einzelnen Wettbewerben und Sportarten, soweit das möglich ist."
Im deutschen Team herrscht allerdings ein Ungleichgewicht: Es besteht aus 12 Mädchen und 38 Jungen.
Auch Kultur und Nachhaltigkeit stehen im Mittelpunkt
"Die Jugendspiele drehen sich nicht nur um Sport oder Infrastruktur", so Nloga. "Uns war es wichtig, sie auch als Fest für die Bevölkerung zu gestalten. Dazu gehören Investitionen in kulturelle Projekte, wie zum Beispiel eine Modenschau und das Wandbildprogramm 'Yi-sol', bei dem Mauern in der Stadt gestaltet wurden."
Der wichtigste Schwerpunkt liegt jedoch auf nachhaltigen Angeboten für junge Menschen im Land. "Deshalb haben wir ein Programm umgesetzt, das uns besonders am Herzen liegt: das Olympische Bürger- und Sportzertifikat", erklärt Nloga. Dafür besuchten Organisatoren Schulen im ganzen Land. Gemeinsam mit mehr als 1000 Lehrkräften erreichten sie nach eigenen Angaben mehr als eine Million junge Senegalesinnen und Senegalesen und machten sie mit den Werten der Olympischen Bewegung vertraut.
Nach den jüngsten Überschwemmungen im Land gab es allerdings auch Sorgen um die Infrastruktur. Laut Nloga sei das Risiko von Überschwemmungen aber von Anfang an in die Planungen einbezogen worden.

"Der Premierminister hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sicherstellen soll, dass alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Wettkampfstätten und Unterkünfte umgesetzt werden", so die Organisatorin.
Innenpolitische Probleme sorgen für Kritik
Immer häufiger finden große internationale Sportereignisse auf dem Kontinent statt. Auch die Formel 1 wird nach fast 40 Jahren nach Afrika zurückkehren. Der Grand Prix soll in den frühen 2030er Jahren in Ruanda stattfinden. Gleichzeitig werden aber auch Fragen nach dem langfristigen Nutzen solcher Veranstaltungen lauter.
Viele Menschen im Senegal sorgen sich um hohe Lebenshaltungskosten und Arbeitslosigkeit und sehen die Jugendspiele deshalb als unnötige Ausgabe. Die Regierung betrachtet sie hingegen als Investition in die Jugend des Landes und in die Infrastruktur. Außerdem hofft sie, Dakar als bedeutendes Reiseziel zu stärken.
Kritik kommt auch von Human Rights Watch. Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye hatte Anfang des Jahres ein Gesetz zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen unterzeichnet, das international umstritten ist.

"Die Anti-LGBT-Gesetzgebung und das harte Vorgehen dagegen stehen im Widerspruch zur olympischen Bewegung, zur Olympischen Charta und auch zu verschiedenen Menschenrechtsabkommen, die das Land unterzeichnet hat", erklärt Larissa Kojoue von Human Rights Watch (HRW) gegenüber der DW.
Russlands Rückkehr zu Olympia
Die Spiele markieren außerdem die Rückkehr russischer Athletinnen und Athleten zu olympischen Wettbewerben unter ihrer eigenen Flagge. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte die Suspendierung Russlands im Juli aufgehoben.
Allerdings entscheidet in jedem Sport der jeweilige internationale Verband selbst über die Zulassung von Startern aus Russland. Während World Athletics sie weiter ausschließt, dürfen russische Athletinnen und Athleten im Judo und im Schwimmen wieder unter eigener Flagge und mit ihrer Nationalhymne antreten. Nach Angaben des Russischen Olympischen Komitees werden 13 Athletinnen und Athleten in den Senegal reisen.
Trotz aller Debatten überwiegt die Hoffnung, dass die Spiele für alle Beteiligten positive Auswirkungen haben werden.
"Was die Jugendspiele in Dakar besonders macht, ist ihre Verankerung in der starken Sportkultur Senegals", findet Nloga. "Wenn man abends an der Küstenstraße in Dakar entlanggeht, sieht man Menschen aller Altersgruppen und mit unterschiedlichsten körperlichen Voraussetzungen beim Sport. Die Olympischen Jugendspiele bieten daher auch einen Einblick in das Leben im Senegal und zeigen, wie sehr Sport Teil der senegalesischen Identität ist."
Sira Thierij hat die Interviews für diesen Artikel geführt.
Dieser Artikel wurde aus dem englischen Original "Senegal's Youth Olympics bring pride, politics and legacy questions" adaptiert.
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