Videos mit gefälschten Stimmzetteln ohne AfD gehen viral
"Meine Frau und ich sind Rentner aus Rostock", sagt die Stimme in dem 21 Sekunden langen Clip. "Diesmal wählen wir per Brief. Wir haben jetzt so merkwürdige Stimmzettel bekommen, auf denen die AfD komplett fehlt", erzählt sie weiter. Die Kamera schwenkt über zwei Stimmzettel der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, auf denen die AfD nicht aufgelistet ist.
Allein ein Posting mit dem Video bei X vom Wahltag wurde über drei Millionen Mal angezeigt. Der Clip kursiert ebenfalls bei Facebook, auch bei TikTok wurde die Fälschung verbreitet, ähnliche Beiträge wurden auf Englisch gepostet.
Video mit gefälschten Wahlzetteln - allein dieses Posting wurde über drei Millionen Mal bei X angezeigt. (Screenshot)
Quelle: ZDF/ XStimmzettel in Video ist gefälscht
Doch die Behauptungen sind frei erfunden, der Stimmzettel im Video ist eine Fälschung. Denn:
- Auf den Original-Stimmzetteln war die AfD aufgeführt. Musterstimmzettel der Wahlkreise neun, elf und 33 - die Wahlkreise, um die es in den Fake-Videos geht - sind auf der Webseite der Landeswahlleitung einsehbar.
- Die Landeswahlleitung erklärte auf Anfrage von ZDFheute, die Stimmzettel in den Videos seien Fälschungen. Insgesamt drei Wahlkreise seien von der "Desinformationskampagne" betroffen, hieß es.
- Die Briefwahlunterlagen zur Landtagswahl wurden laut Landeswahlleiter bereits im August versendet. Das Fehlen einer Partei auf den Unterlagen wäre früher aufgefallen, nicht erst kurz vor der Wahl oder am Wahltag selbst.
- Die Stimmen in den Videos sind offenbar KI-generiert: Das Analyse-Tool "Deepfake Total" des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit gibt sowohl für das deutschsprachige als auch für das englischsprachige Video eine KI-Wahrscheinlichkeit von 99,8 bzw. von 99,9 Prozent an.
99,8 Prozent KI-Wahrscheinlichkeit: Das "Fake-O-Meter" des Analyse Tools Deepfake Total zeigt, dass der Clip offenbar KI-generiert ist. (Screenshot)
Quelle: Frauenhofer AisecAnfang August wird am Flughafen Leipzig eine Drohne mit Sprengstoff entdeckt, gleichzeitig kursieren gefälschte Videos auf Social Media - so will Russland Einfluss auf unsere Wahlen nehmen.
27.08.2026 | 45:58 minExperten sehen russische Trolle am Werk
Doch wer steckt hinter den Fälschungen? Experten sehen die Clips als Teil einer Kampagne des Desinformations-Netzwerks "Storm-1516" aus Russland - eine mutmaßlich vom Kreml gesteuerte Gruppe, die seit Jahren ähnliche Desinformationskampagnen mit gefälschten Videos und KI-generierten Inhalten in Umlauf bringt. Dafür spreche vor allem die Art der Verbreitung, erklärt Julia Smirnova vom Institut Cemas, die solche Operationen seit Jahren analysiert:
Diese Videos wurde von mehreren Accounts auf dem Verbreitungsnetzwerk von Storm-1516 auf X geteilt, die in den vergangenen Monaten andere Inhalte der Kampagne mit oder ohne Bezug zu Deutschland teilten.
Julia Smirnova, Institut Cemas
Insgesamt seien am Samstag und Sonntag drei unterschiedliche Videos von Storm-1516 verbreitet worden, in denen behauptet worden sei, in Mecklenburg-Vorpommern würde die AfD auf den Wahlzetteln fehlen, erklärt die Expertin.
Deutsche Ermittlungsbehörden beobachten vor den Landtagswahlen im September russische Desinformationskampagnen. Betroffen seien alle Parteien außer AfD und BSW.
05.08.2026 | 2:03 minImmer wieder Fake News zu Wahlen
Auch Pablo Maristany de las Casas, Analyst beim Institute for Strategic Dialogue, ordnet die Clips Storm-1516 zu. Ein X-Account, der die Falschbehauptung verbreitete, habe zuvor weitere Storm-1516-Narrative gepostet, etwa die jüngsten Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug in Berlin, sagte Maristany de las Casas der Nachrichtenagentur AFP.
Es ist eine altbekannte Masche: Bei ähnlichen Videos über angeblichen Wahlbetrug bei der Bundestagswahl 2025 hatte eine Cemas-Analyse auch Hinweise auf Storm-1516 gefunden.
Russische Desinformationskampagnen diskreditieren wohl gezielt Politiker. ZDF-Korrespondent Andreas Kynast mit einer Einordnung.
05.08.2026 | 1:14 minKioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.