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Friday, October 16, 2026

Talos Linux: Vom Kubernetes-OS zur Virtualisierungs- und KI-Plattform

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Sidero Labs, das Unternehmen hinter Talos Linux, hat auf der TalosCon in Amsterdam die Alpha-Version von Talos Hypervisor präsentiert und die VMware-Alternative Talos Director fürs Rechenzentrum vorgestellt. Talos Linux, das minimalistische Betriebssystem, das sich bis jetzt voll und ganz auf den Kubernetes-Betrieb konzentriert hat, soll künftig auch Container ohne Kubernetes und virtuelle Maschinen tragen.

Der Hypervisor (libvirt und KVM/QEMU) ist als Systemerweiterung in der Talos Image Factory verfügbar.

(Bild: Niklas Dierking / heise medien)

Talos Hypervisor steckt bereits in Talos 1.15.0-alpha.1, das am 13. Oktober erschienen ist. Technisch handelt es sich bei dem Hypervisor um libvirt und QEMU/KVM, die als System-Extension eingebunden werden. Kubernetes oder KubeVirt braucht es dafür nicht. VMs und Installationsimages werden wie der Rest des Systems deklarativ konfiguriert.

Über einen Infrastruktur-Provider, der beispielsweise als Container in Talos läuft, ist es möglich, den Talos Hypervisor mit Omni anzuzapfen und VMs auszurollen. Omni (BSL-1.1-Lizenz) ist ein kommerzielles Produkt, kann aber von Privatanwendern oder zur Evaluation selbst gehostet werden. Die Hobby-Stufe des SaaS-Angebots von Omni (bis zehn Knoten und zwei Benutzer) ist seit der TalosCon kostenlos. Talos Hypervisor soll im Dezember die Alpha verlassen und allgemein verfügbar werden.

Ein Bildschirmfoto mit zwei geoeffneten Konsolen und einer virtuellen Maschine.

Schneller Testlauf des Talos Hypervisors auf einem Notebook: Eine Talos-Linux-VM virtualisiert Debian 13 mit Xfce-Desktop

Die aktuelle Version 1.14 von Talos Linux kann jetzt Container ganz ohne Kubernetes ausführen. Talos zieht die Images aus einer Registry und führt sie mittels containerd in einem eigenen Namespace aus. Container werden wie alle anderen Komponenten von Talos deklarativ über das API konfiguriert, wie im folgenden Beispiel:

apiVersion: v1alpha1
kind: ContainerConfig
name: hello
image: alpine
entrypoint: ["/bin/sh", "-c"]
args: ["echo 'Hello TalosCon!' && sleep infinity"]

Talos startet den Container, sobald die Konfiguration beispielsweise mit talosctl apply angewendet wurde. Die ContainerConfig ermöglicht Volumes, tmpfs- und Host-Mounts, CPU- und RAM-Limits per cgroupv2, Zugriff auf das Host-Netzwerk und Warten auf andere Container (dependsOn). Talos Container eignet sich vornehmlich für Edge-Knoten, beispielsweise in einer Fabrikhalle, für die ein Kubernetes-Cluster überdimensioniert wäre. Durch Registry Mirror und Image Caching lassen sich die Container auch ohne Internetanbindung (Air Gapped) betreiben.

Mit Talos Linux Enterprise hat Sidero ein Produkt eingeführt, das sich an Branchen richtet, die hohe Compliance-Anforderungen erfüllen müssen und NIS2 oder dem Cyber Resilience Act unterliegen. Es basiert auf der gleichen Codebasis wie das MPL-2.0-lizenzierte Talos Linux, bietet aber SBOMs (Software Bill of Materials), um nachzuweisen, welche Komponenten im Build stecken, und VEX-Daten (Vulnerability Exploitability eXchange), um zu prüfen, ob eine gefundene Sicherheitslücke Talos betrifft und ausgenutzt werden kann.

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Die kommerzielle Plattform Talos Director positioniert Sidero als Alternative zu vCenter von VMware. Neil Levien, Director Cloud Services bei Yardi, stellte die Software auf der TalosCon vor. Director verwaltet und steuert virtuelle Maschinen im Rechenzentrum und bietet Live-Migration, ressourcenabhängige Hochverfügbarkeit (High Availability), Autoscaling, Segmentierung und Firewalls. Hosts werden ebenfalls deklarativ konfiguriert. Zur Fehlersuche und Diagnose gibt es MCP-Endpunkte mit reinen Leserechten.

Omni ist in Director integriert und verwaltet Kubernetes, die Schicht über den KVM-Clustern. Funktionen wie eBPF, die bislang nicht über das Talos-API angesteuert werden können, übernimmt ein Director-Agent, der als Container in Talos läuft. Yardi, der neue Eigentümer von Sidero Labs, betreibt Director bereits produktiv und verwaltet damit mehrere Tausend virtuelle Maschinen.

Yardi-Gründer Anant Yardi hat Talos Linux for AI (MPL-2.0-lizenziert) vorgestellt, das auf lokale KI-Workloads ausgerichtet ist. Talos Linux soll Nvidia- und AMD-GPUs unterstützen und Inferenz mittels vLLM und OpenAI-kompatbilem API bieten. Open-Weight-Modelle soll man mit SFT-LoRA (Supervised Fine-Tuning mit Low-Rank Adaptation) an die eigenen Anforderungen anpassen und per MCP-Servern mit eigenen Anwendungen verdrahten können. Talos Cupar positioniert Sidero als kommerzielle Verwaltungsplattform, die sich zum KI-Stack verhält wie Director zum Talos Hypervisor. Cupar kann bereits gemeinsam mit Sidero evaluiert werden und soll im März 2027 allgemein verfügbar sein.

Ein Schaufenster mit der Aufschrift Taloscon 2026 und dem Schriftzug Sidero.

Die TalosCon fand in Amsterdam am 15. und 16. Tokober 2026 statt und zählte 445 Teilnehmer.

(Bild: Niklas Dierking / heise medien)

Yardi, ein US-Anbieter für Immobiliensoftware, hatte Sidero im Juli 2026 übernommen. Bekannt wurde der Verkauf im September. Der neue Eigentümer ist zugleich Referenzkunde und baut seine gesamte Infrastruktur auf Talos Linux auf. Sidero und Yardi versprachen auf der TalosCon, dass Talos Linux, der Hypervisor und Talos for AI auch künftig unter der MPL-2.0-Lizenz stehen.

Die minimalistische und unveränderliche Architektur von Talos und die Open-Source-Lizenz machen es attraktiv für streng regulierte Branchen und Unternehmen, die viel Wert auf digitale Souveränität legen. Wenn man Talos auf eigener Hardware betreibt, ist man von keinem Anbieter abhängig. Wer Talos als Plattform ausreizen will, landet aber schnell bei den kommerziellen Produkten. Omni steht unter der Business Source License, die von der OSI (Open Source Initiative) nicht als Open-Source-Lizenz anerkannt ist. Für den Produktivbetrieb braucht es einen Vertrag mit Sidero, die kommenden Produkte Cupar und Director sind ebenfalls kommerziell. Wenn man Omni als SaaS (Software as a Service) bezieht, vertraut man das Cluster-Management einem US-Anbieter an, der dem CLOUD Act unterliegt.

Fünf Personen sitzen auf Barhockern auf einer Bühne vor einer Konferenz-Rückwand

Steve Francis, CEO von Sidero, Dario Maisto, Chefanalyst bei Forrester, André Alfter, Senior Director bei Bechtle IT, Timo Lakner, Leiter STACKIT Distributed Cloud und Anant Yardi, Gründer und Chairman bei Yardi (v.n.l.r), disktutieren ob und wie Talos und digitale Souveränität zusammenpassen

(Bild: Niklas Dierking / heise medien)

Im Panel „Sovereign Cloud“ am ersten Konferenztag stellten André Alfter, Senior Director bei Bechtle, und Timo Lakner, Leiter von STACKIT Distributed Cloud, zudem heraus, dass Talos anders als Kubernetes einem einzelnen Unternehmen gehört und nicht bei einer Foundation wie der CNCF (Cloud Native Computing Foundation) angesiedelt ist. Über die Talos-Roadmap entscheidet Sidero also allein.

Die TalosCon in Amsterdam zählte 445 Teilnehmer. Die nächste TalosCon findet am 19. und 20. Januar 2027 in Santa Barbara in den USA statt. Mitschnitte der Vorträge sollen demnächst auf dem YouTube-Kanal von Sidero veröffentlicht werden.

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